urien sind so rasende Rachegöttinnen in der römischen Mythologie. Irgendwas muss das wohl mit der Band Furia zu tun haben, sonst hätten die sich nicht so genannt und obige Erklärung an oberster Stelle ins Promo-Info geschrieben. Wo es auf ihrem zweiten Album “Piece Of Paradise” wild zu gehen soll, check ich allerdings überhaupt nicht. Statt rasender Erinyen erwartet den Hörer zuckriger Teenie-Rock, der so angepasst wie langweilig ist.
Aus der eingangs erwähnten Erklärung des Bandnamens könnte ich “Göttinnen” wohl noch unterschreiben - aber von “Rache” oder “Raserei” bleibt man wirklich verschont. Wie ein überzuckerter Kaugummi klebt der melodische Rock der vier Norwegerinnen zwischen den Zähnen. Beim Opener “One By One” geht das noch ganz gut klar; mit dem Norwegen-Bonus, den ich aus Sympathie an die meisten Bands aus dem hohen Norden verteile, ist der Track ganz okay. Aber spätestens nach dem Titeltrack “Piece Of Paradise” nehme ich Sängerin Stine Kobbeltvedt kein Wort mehr ab. Da ist alles so wahnsinnig berechenbar und nervig übermelodiös, dass ich sofort an die opportunistischen Streber-Mädels aus Schule und Uni denken muss. Furia glauben wohl, sie hätten den Pathos gepachtet - weit gefehlt.
Gut gemacht ist die Scheibe ja irgendwie schon; Sylvia Massy, die auch die frühen Tool-Platten produziert hat, stand der Band bei den Aufnahmen in Kalifornien am Mischpult zur Seite. Die Songs sind zumeist auch nicht gerade einfallslos, sondern tiefschichtig und dynamisch, klangvoll und stilsicher. Aber die Oberflächlichkeit der Texte macht klar, dass das hier nur eine grandiose Seifenblase ist. Seifige Anschmachtungen und kokettierende Wut stärken wirklich eher ein negatives Frauenbild. Riot grrrl geht ganz ganz anders.
Auch muskalisch läuft hier längst nicht alles rund. Besonders in den höheren Bereichen ist der Gesang extrem farblos, auch ansonsten macht mir die kraftlose Freundlichkeit arg zu schaffen. Die überreizte Melodiösität ist auch einfach nicht mein Ding. “Rotzt doch mal ordentlich in den Song, rührt es um und verkauft es erst dann” möchte man den ambitionierten Mädels zurufen. So ist kaum Profil vorhanden - ich seh daher auch keinen Sinn darin, auf einzelne Songs einzugehen. Meiner Meinung nach kommt dieses Album so unsensibel, dreist und laut daher, dass der Musik-Redakteur gar keinen individuellen Zugang mehr zu der Platte aufbauen kann.
Alle Freunde melodischen Rocks sollten sich von diesem Verriss nicht sooo sehr beeindrucken lassen. Wie man anspruchsvolle Kaugummi-Musik machen kann, die aber eine Fülle an langanhaltenden Geschmäckern bietet, hat Landsfrau Annie erst 2005 auf “Anniemal” gezeigt. Dem stilunabhängigen Vergleich hält “Piece Of Paradise” überhaupt nicht stand. Schade, denn die Musikerinnen samt Umfeld scheinen schon etwas auf dem Kasten zu haben.











