as gibt es schon länger, dass Major Labels sich Plagiate von angesagten Underground- oder Independent-Labels schaffen. Dieser Fragestellung müssen sich die vier Londoner Boy Kill Boy erstmal behaupten - klingen sie doch den so erfolgreichen Maximo Park (Warp Records) in Gesang und Songwriting erstaunlich ähnlich.
“Civilian” schafft daher auch wirklich nichts Neues, sondern liefert britische Schmalkost. “Six Minutes” zeigt ein Problem der Band: Die Künstlichkeit. Die überzogene Produktion lässt der Band keinen Spielraum und verpackt alle möglichen Aussagen in popfreundliche Pakete ohne Tiefe. Ist da wirklich ein Autotune-Effekt über der Stimme von Sänger Chris Peck? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Wenn der wirklich so singt... Allein die Vorstellung provoziert Alpträume von Superstar-Aliens.
Gerne lässt sich Peck wie bei “On and On” auf geräuschvoll-gejuchzte Refrains ein. Was das soll? Keine Ahnung. Auf jeden Fall verdirbt es mir gerade tierisch die Laune. Seine Stimme liegt auf einer fettig-dicken Schicht aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards - im Vergleich zu den Spitzenköchen von Maximo Park eine echte Fettkur. Rock kann jung halten oder eben alt machen. In diesem Fall definitiv letzteres.
Versucht hier jemand, eine mittelmäßige Band als heißen Indie-Shit zu verkaufen? Das gab es ja erst kürzlich, dass eine große Plattenfirmen einer britischen Künstlerin eine Blog-Vergangenheit à la Clap Your Hands Say Yeah andichten wollte. Dieses Album sollte man lieber etwas distanziert betrachten.
Aus der Entfernung schaffen Boy Kill Boy auch durchaus Ähnlichkeiten mit ihren Vorbildern Maximo Park - und wer Streicher im Indie-Rock mag, wird hier einige Leckerbissen finden. “Civil Sun” ist wohl einer der bekanntesten Songs der Band und mit “Back Again” einer der besseren Tracks auf “Civilian”. Das Lied ist übrigens auch bei der Fußball-Simulation Fifa 07 zu hören. Gefallen kann auch noch “Friday-Friday”, was bei Partys und Konzerten sicher eine Menge Wirbel machen kann. Ein sehr schöner Hidden Track ist übrigens dabei, der u.a. durch Einsatz eines freundlichen, cembalo-artigen Synthies wirklich begeistert.
Insgesamt ist mir dieses Album aber zu künstlich. Genannte produktionstechnische Defizite zerstören das ansonsten okaye Songwriting, das sicher auch noch ein wenig Abwechslung vertragen würde. Anzug-tragende britische Emporkömmlinge muss man ja auch nicht mögen. Da empfehle ich lieber einen Blick auf den heimischen Markt, der ja einige vor allem international unterschätzte Bands (Blackmail!) im Programm hat.










