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"Charakter-Rap" von Kuba
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"Charakter-Rap" von Kuba

ntelligenter Rap zu dem man Tanzen kann? Das ist wie gleichzeitig kacken und küssen. Aber Kuba bringt zusammen, was noch nie zusammengepasst hat - und zu seinen cleveren Texten kann man auch prima tanzen!

Tja – da ist auch schon wieder Schluss mit Faxen machen, denn Kuba zu reviewn macht mir gerade ein wenig Kummer, denn die Platte hat echt viele Facetten. „Charakter-Rap“ ist das Debüt von Kuba und im Grunde auch das erste Mal, dass das junge Label RZ-recordingz den Fuß auf die deutsche Rap-Bühne setzt. Wie gesagt: Eine Platte mit vielen Seiten, die sicher zum einen für einen multitalentierten Kuba stehen, aber auch für ein Label, von dem man noch einiges erwarten kann.

Zum einen bietet „Charakter Rap“ einige Tracks die eher conscious sind. „Kind des Meeres“ ist da zum Beispiel zu erwähnen. Sehr ruhig, gefühlvoll, ja liebevoll rappt Kuba hier. Der Text ist wirklich verdammt ausgetüftelt und macht sicherlich auch ohne Beat - als Gedicht - eine gute Figur, denn die zehntausend verschiedenen Reimmuster lassen die Zeilen wirklich als vollendetes Geflecht von Textzeilen erscheinen. Featuregast Mania rundet das Ganze im Refrain passend soulig ab. „Wütendes Schweigen“ als sehr persönlicher Track schließt sich da an – und zwar sehr gut. „Traum“ und „Stehvermögen“ passen ebenfalls als verhältnismäßig ruhige Tracks dazu. Leider sind diese beiden nicht ganz so stark. „Traum“ geht zwar textlich schon noch gut klar, aber die Beats reißen bei beiden Tracks jetzt nicht so richtig mit.

„Der Trip“ geht schon mal in ne bisschen andere Richtung. Er zeigt ganz schön Kubas Blick auf die Welt, auf das was einfach so um ihr herum passiert, und was dabei in ihm vorgeht. Ist halt schon ein wenig miesepeterig, aber das bleibt bei dieser Kackwelt einfach nicht aus. Das Ding bei sowas ist halt, dass mich das bei den ersten zehn Rotations durchaus berührt, aber dann will ich das eigentlich nicht mehr richtig hören. Davon abgesehen, ist das aber schon mal n schickes Beispiel für Kubas Rapskills. Naja - und da kriegt man Bock auf flotte Tracks. Und Kuba hat flotte Tracks!

Die verdammte Nummer eins in dieser Beziehung und auch mein persönlicher Favorit des Albums ist „Esta Canción“ – ein totales Reggaeton-Brett. Das Know-How kommt wohl auch ein Stück weit von der kubanischen (hihi) Feature-Gastband „Charada“. Der Beat geht einfach total nach vorne, Kuba flowt so richtig. Das schöne dabei ist lustigerweise, dass sein Text echt mal recht frei von Sinn ist und dass der Track eben trotzdem hervorragend funktioniert. Das kann glaub ich sonst nur Samy (und noch einer auf den ich noch zu sprechen komm). Der spanische Refrain passt sich dann auch noch sehr gut ein und den smoothen Skit im Anschluss kann man doch recht gut gebrauchen um wieder runterzukommen.
Einen weiteren Burner liefert Kuba mit „Kein Bock“ vor allen Dingen dank des bouncigen Beats vom Haus-und-Hof-Produzenten JulianRobotz. Tiefe Piano-Töne, organische Bassdrum, Claps, ab und an mal ein bisschen fancy Flöte und noch eine Prise Synthies liefern ein eher minimalistisches Soundgerüst, an dem Kuba rasant herumklettert, denn Flow hat er hier definitiv wieder kräftig am Start.

Battle-Skills zeigt Kuba auch noch auf einigen Tracks… Ja, ja – der Bengel muss sich echt nirgendwo verstecken. „Mein Rap“ leidet ein wenig an dem eher blassen Beat und von den Featuregästen weiß auch nur Labelkollege Dresta zu überzeugen; Architekt ist weder besonders mitreißend noch textlich besonders geil. „Kaiser“ zeigt auch noch mal so richtig, was Kuba lyrisch drauf hat und sollte eine Warnung an alle MCs sein – bei sowas will man bei keinem Battle gegen an rappen… In „Stechschritt“ hat Kuba dann auch noch mal einen Auftritt, muss aber dem schon etwas präsenteren JulianRobotz Platz machen – der Mann, auf den ich oben angespielt habe. Dieser junge Mann eröffnet den Track mit den runtergepitchten Worten: „Yeah. JulianRobotz. Der Mann mit dem Schwanz eines Zahnstochers. Rotkehlchen des deutschen Hip-Hop-Dachverbandes“. Das geht schon stark Richtung Schwachsinn. Seine Raps sind allerdings dann doch wirklich grober Unfug – aber ich find’s voll schön. Reine Assoziationsketten, die wirklich nicht mal im Ansatz erahnen lassen wohin die Reise geht, bei denen aber dann doch richtig dirty Wortspiele bei rauskommen: "Ich burne euren Shit wie’n Feuerblitz von Harry Potter / Weil er bescheuert ist wie’n Schleudersitz im Helikopter" Zudem hat JulianRobotz auch echt noch ne Menge Aggression und Feuer am Start, und vielleicht ist es das auch, was man manchmal doch ganz gern von Kuba hätte.

Insgesamt halt echt mal ein richtig heterogenes Album. Viel Kluges, viel Gutes, auch Doofes und Smoothes – wirklich schlechte Tracks gibt’s nicht – das ist ja für’n Debüt schon mal was. Aber mit nem Anfänger haben wir es hier ja eh nicht zu tun. Eher mit nem Killer. Die Frage ist halt, ob sich mit ner Platte wo soviel verschiedene Sachen drauf sind, wirklich Geld verdienen lassen wird, zumal Deutsch-Rap sich eh nicht so richtig dick verkauft. Ich will jetzt auch nicht sagen, dass Kuba seinen Stil noch finden muss. Das wäre ja der größte Schwachsinn, denn der Arsch kann ja alles, das ist ja das Schlimme! Naja, vielleicht kann ich seine Platte ja ein bisschen pushen, indem ich abschließend sage: „Wer die nicht kauft, hat einen an der Waffel, Alter!“

S. Krutzinna
titel
01 Intro | 02 Charakter Rap | 03 Der Trip (feat. Protector) | 04 Kaiser | 05 Esta Canción (feaz. Charada) | 06 I can be easy (Skit) | 07 Ich denk an dich | 08 Kind des Meeres (feat. Mania) | 09 Mehr als das | 10 Kein Bock | 11 Mein Rap (feat. Architekt & Dresta) | 12 Ich und ihr | 13 Rocko?! vs. JulianRobotz | 14 Stechschritt (feat. JulianRobotz & Patchy) | 15 Wütendes Schweigen | 16 Traum | 17 Stehvermögen
Release: 24.11.06 bei RZ-recordingz
|http://www.rz-recordingz.de|
Künstler-Homepage: http://www.kuba-mc.de
cover
Bewertung:
4/5