„anatees“ – Seekühe. Fette, geil, lustige Tiere, die angeblich furchtbar aggressiv sein können. Egal. Auf jeden Fall tritt unter diesem Namen nun eine Band auf die internationale Rockbühne, die Aufmerksamkeit verdient, nicht nur wegen des Artworks.
Klar, es ist irgendwo Effekthascherei. Das Artwork der CD ist einfach so geil, dass man gar nicht auf die Idee kommt, die Platte zu ignorieren. Die Papp-Hülle ist halt überzogen von einer Kombination aus Matt- und Glanzdruck und dem ganzen wird halt noch durch metallische Kupferfolie Struktur gegeben. Dieses kleine Kunstwerk stammt vom Künstler Magnus Berg und ist außen komplett schwarz, innen dann noch mit Gold (weiß nicht ob echtes) und zeigt so gotisches Schnörkelgedöns – also einfach total gut. Ohne Scheiß.
Ja, wenn aber das Design dann schon so ein totaler Knaller ist, dann muss musikalisch schon was am Start sein. Klar ist, dass die Manatees hier keinen Einheitsrock liefern, sondern sich schon was bei ihrem Songwriting denken. Die Platte umfasst 45 Minuten mit 5 Tracks, also fast zehn Minuten im Schnitt pro Track.
Die Musik hat schon einen Kunstanspruch, es geht nicht darum Songs zu machen, die man im Radio oder bei MTV spielt. Es geht um Komplexität, die Instrumentierung verweben sich im Laufe der Tracks mit ihren melodiösen Spulen ineinander. Das ganze funktioniert schon auf der Ebene der härteren Gitarrenmusik, erinnert somit sehr stark an die Band ISIS. Allerdings ist auch nicht alles der Metal-Ecke zuzuordnen, zum Teil ist es eher Progrock, erinnert auch manchmal an Mogwai, wenngleich die Musik schon analoger funktioniert.
Ich finde das Album insgesamt schon gut. Aber eine Sache nervt mich. Im Booklet steht der folgende Satz: „Recommended to be listened to on drougs. Loudly“. Na herrlich. So super psychedelisch find ich dann die Mukke aber nicht. Das Meiste ist eben dann doch auf Gitarre, Bass und Schlagzeug aufgebaut und damit lässt sich dann doch auch nur begrenzt eine wirkliche Multidimensionalität aufbauen. Klar, gerade im letzten Track, wenn sich die Instrumente immer weiter steigern und vermischen, wirklich an ein Mantra erinnern, da ist schon ein bisschen Gänsehautgefahr, aber der Aufbau ist dann doch relativ linear. Das machen einfach viele gute Rockbands, Feedbacks und Distortion nach und nach zu steigern und in einem orgiastischen Höhepunkt zu einem ästhetischen Soundbrei verschmelzen zu lassen. Das machen die Seekühe hier auch nicht schlecht. Aber es haut nicht vom Hocker.
Natürlich gibt es dann aber schon noch Möglichkeiten das ganze ein wenig aufzuwerten um sich von anderen Bands abzuheben. Das versuchen die drei Jungs, allerdings sitzen sie zu sehr zwischen den Stühlen. Der Gedanke wirklich alles analog hinzubekommen ist durchaus löblich, aber wird eben nicht konsequent durchgezogen. Und die synthetischen Krücken, die ab und an mal zu Hilfe genommen werden, werden auch nicht voll genutzt, sondern eher nur angerissen.
Der Kunstanspruch, und der Wille etwas Neues zu schaffen ist durchaus löblich und eben über weite Strecken auch mit Hand und Fuß durchgesetzt und dass das Label Motivesounds den mutigen Schritt gegangen ist, diese eigentlich im Gegensatz zu bisherigen Releases „zu harte“ Platte rauszubringen ist auch super. Aber. Aber das Rad wurde eben nicht neu erfunden. Das ist nicht weiter schlimm, aber wenn man ein wenig den Eindruck erweckt, das Rad neu erfunden zu haben und es tatsächlich nicht so, darf der Hörer schon ein wenig enttäuscht sein.










