http://magagin.de/reviews/131
"Das Album zum Film" von Headliners
D
"Das Album zum Film" von Headliners

as vierte Quartal ist auf dem Musikmarkt bekanntlich das am heißesten umkämpfte. Es ist das Quartal in dem sich etablierte Künstler tummeln und versuchen ihr Stück vom großen Weihnachtskuchen abzubekommen. „Das Album zum Film“ der Headliners im Dezember mit so starker Konkurrenz (u.a. auch Label-Chef Samy Deluxe) herauszubringen, war vielleicht einer der wenigen Fehler die Deluxe Records im letzten Jahr gemacht hat.


Denn das muss man schon sagen: Es ist einfach ein bisschen untergegangen das gute Ding. Völlig zu Unrecht eigentlich, denn „Das Album zum Film“ kann sich durchaus hören lassen. Nun sind die Headliners dank der Hamburgs Finest Mixtape-Reihe ja keine Unbekannten mehr. Als erster Act auf Deluxe Records waren sie auf so gut wie allen Hamburgs Finest-Tapes vertreten und hatten mit „Headliners No.1“ gar ihr eigenes Artist-Mixtape. Trotz allen Bemühungen blieben die drei Hamburger leider ein bisschen blass. Sie konnten zwar alles, vom angenehmen Storytelling bis witzigen Punchlines, aber viel in Erinnerung blieb nicht. Auf „Das Album zum Film“ bietet sich jetzt die Chance wirklich mal am eigenen Profil zu feilen und die wird genutzt. Denn die Headliners werden mir mit diesem Album extrem sympathisch. Stellt sich doch heraus, dass dies drei nette, trinkfeste Hamburger 90er-Kinder sind, die sich gerne auf der Reeperbahn tummeln, Frauen anbaggern und sich geil fühlen. Normale Jungs eben.
Oder eben auch „Die Geilsten“. Großartiger Track. Mit Punchlines wie „Ganz ehrlich ich bin n ganz Geiler, okay n Pferd kann schneller laufen, aber dafür reicht mein Schwanz weiter“ kommt man nicht in die Emma aber auf meinen iPod. So macht das Spaß. Auf einem ähnlichen Spaß-Level befindet sich das Down-South-angehauchte „Trink deine Mische“ mit Illo. Ein wirklich animierendes Sauflied und so wie die Jungs zum Ende hin lallen, wird’s im Studio auch nicht ganz nüchtern zugegangen sein. Aber es ist natürlich auch nicht alles nur witzig was die Headliners auf dem Album rappen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall der Themensong „90er“ über einen PhreQuincy Beat. Dabei lassen die Headliners „ihr“ Jahrzehnt noch einmal Revue passieren und versetzen einen damit zurück in die Zeit ohne Handy, eMail und Online-Mags, dafür mit Marusha, New Jack Swing und Helly Hanson Jacken. Da muss man schon manchmal schmunzeln. Ein weiteres Highlight ist „Reeperbahn“ über einen Dynamite-Beat. Die Hommage an „ihre Meile“ ist so was wie die Hamburger Version der ganzen Berliner „ich zeig die meine Stadt“-Tracks. Weil großartiger Beat, Gesang und asozialer Rap hier so gut funktioniert ist auch „Sommerloch“ mit Braheem ein unbedingter Anspieltipp.

Wie gesagt. Mit „Das Album zum Film“ haben es die Headliners tatsächlich geschafft auf sich als Crew aufmerksam zu machen und aus dem Schatten der anderen Deluxe Records Artists hervor zu treten. Auch wenn die Veröffentlichung jetzt schon ein bisschen her ist: Hört noch mal rein!

M. Schmutzer
titel
01 Intro | 02 Nacht deines Lebens | 03 90er | 04 Die Geilsten | 05 Einen Sommer | 06 Wir spitten's | 07 Lifestyle | 08 Negativ Song | 09 Nur einen Moment | 10 Dashenn | 11 Trink deine Mische | 12 Reeperbahn | 13 Sommerloch | 14 So happy | 15 G-Style | 16 A, B & C
Release: 08.12.06 bei Deluxe Records
|http://www.deluxe-records.de|
Künstler-Homepage: http://www.deluxe-records.de
cover
Bewertung:
4/5