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"Appendix" von Funkstörung
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"Appendix" von Funkstörung

unkstörung verabschiedet sich nach gut einer Dekade Meilenstein-Dropping in verschiedensten Bereichen mit einer schicken Remix-Compilation. Grund zur Trauer? Nö. Denn Chris de Luca und Michael Fakesch werden in der Zukunft jeweils eigene Wege gehen– und dann ist da ja noch dieser fette Abschiedgruß, genannt „Appendix“.

Ja, ihr Klugscheißer – Appendix hat irgendwas mit Blinddarm zu tun. Ein Appendix epididymidis ist auch noch irgendwas am Hoden. Aber eigentlich heißt Appendix schlicht und einfach so was wie Anhang. Ein Anhang an über 10 Jahre frohen Schaffens. Besonders sind aus dieser Zeit die Sachen zu nennen, die bei !K7 rausgekommen sind. Wie zum Beispiel das verdammt großartige Album „Disconnected“ oder das verrückte Remix-lastige „The Return To The Acid Planet“ von 2005. Diese großartige Vereinigung verschiedenster Genres unter Berücksichtigung gewisser Komplexitätswünsche seitens der IDM-Hörerschaft ohne dabei zu vergessen, dass die Mukke auch grooven soll! Vielen Electro-Fricklern kann man ja schon mal vorwerfen, Melodien in ihren Kompositionen zu vergessen. Funkstörung nicht.
Was Funkstörung sozusagen postmortem nachreicht, sind Reste. Schöne Reste aus einer Zeit, in der sie einfach gute Leute geremixt haben und in der sie sich durch verschiedenste Projekte zu dem gemacht haben, was sie heute immer noch sind. Einer wirklichen Größe im elektronischen Bereich.
Ich persönlich sehe mehrere Highlights auf der Compilation. Zum einen ist da „Trick or Treat“, das in Kooperation mit einem der Shitkatapult-Aushängeschilder Phon.o entstanden ist. Der Track geht richtig gut nach vorne, hat bouncige Beats, bei denen auch die Tiefen nicht fehlen. Das groovt einfach schön – und das gesampelte Reingequatsche von einem weiblichen Menschen find ich da auch ausnahmsweise auch mal richtig cool.
Ab zum nächsten Highlight. Dass Björk nen guten Riecher in Bezug auf die Auswahl ihrer Kooperations- und Produzentenpartner hat, beweist sie zum einen schon durch die Tatsache, dass das kommende Album von Timbaland mitproduziert wird. Dass Björk „All is full of Love“ von Funkstörung remixen lässt, spricht nicht weniger für sie. Denn die verträumte Stimme, der kleinen Isländerin passt sich einfach wunderbar in den konfus-abstrakten Beat ein. Es ist ein bisschen wie das Rufen eines Mädchens in einem Schneesturm. Sehr sehr schön!
Lamb aus Manchester konnte ich ja schon immer sehr gut leiden. Louise Rhodes hat einfach so eine unheimlich großartige Stimme. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass zarte Frauenstimmen sich prima auf IDM-Beats machen? - Bei Björk mal so angedeutet? Aha. Gut, das hier ist ehrlich gesagt noch mal eine Nummer wunderbarerer. Es ist auch wirklich diese Symbiose aus der total vertechnisierten elektronischen Beatstruktur und der Natürlichkeit (im Sinne von Natur-nah) des weiblichen Gesangs, der eine so bemerkenswerte Atmosphäre schafft. Nicht nur wegen der Position fünf auf der CD, ist dieser Track „Heaven“ für mich das Herzstück der Platte.
Aber es ist ja noch nicht Schluss mit Damengesang! In dem Remix von „Love in a Trashcan“ von Raveonettes singt die Dänin Sharin Foo zwar nicht so oft, aber dafür schön. Und was Funkstörung für n grooviges Ding aus dem Track gemacht hat, hätte die gute Frau sich sicher nicht träumen lassen. Es ist echt schon so, dass Funkstörung mit jedem Remix wirklich ein neues Stück Musik schaffen. Allerdings kriegen sie es auf die Reihe einen Funkstörung-Sound zu kreieren, aber ohne diesen einfach drüber zu stülpen. Jedes Original wird respektiert und kann auch wieder erkannt werden.
Dass sich dann unter diesen ohnehin schon recht verschiedenen Leuten auch noch die Jazz-Trompeten-Keule Nils Petter Molvær findet wundert dann auch nicht mehr. Wobei der Norweger hier wirklich in erster Linie nur noch im Outro zu erkennen ist – dennoch großer Track!
Selbst wenn die verbliebenen Tracks nun keine Erwähnung mehr finden, so sind da auch auf jeden Fall noch einige Perlen darunter. Nagut – Enik erwähne ich nun doch noch, dessen „No Fire“ mit vollen Clubqualitäten noch eine Tür in eine weitere Dimension auftritt. Kinder, Kinder – ihr seht: Das hier ist kein blödes Blinddarmanhängsel, das ist vielmehr ein ordentliches Brett. Und das tröstet auch über das Ende der Funkstörung hinweg und gibt Optimismus um sich auf die kommenden Projekte der beiden Rosenheimer freuen zu können.

S. Krutzinna
titel
01 Spacek - 1st Stroke (Funkstörung Remix) | 02 Phon.o - Trick Or Treat (Funkstörung Remix) | 03 Barry Adamson - Whispering Streets (Funkstörung Remix) | 04 Björk - All Is Full Of Love (2nd Funkstörung Remix) | 05 Lamb - Heaven (Funkstörung Remix) | 06 L'usine - Sustain (Funkstörung Remix) | 07 Towa Tei - Latte & Macaron (Funkstörung Remix) | 08 Raveonettes - Love In A Trashcan (Funkstörung Remix) | 09 Nils Petter Molvær - Axis Of Ignorance (Funkstörung Remix) | 10 Beanfield - Close To You (Funkstörung Remix) | 11 Enik - No Fire (Funkstörung Remix) | 12 Richard Devine - Sigstop (Funkstörung Remix)
Release: 22.01.07 bei Studio !K7
|http://www.k7.com|
Künstler-Homepage: http://www.funkstorung.com
cover
Bewertung:
5/5