as britische Independent-Label Motivesounds Recordings ist eine interessante Angelegenheit. Hier soll nicht nur musikalischer Output entstehen, sondern von einer dualen Plattform herab auch anspruchsvolles Design genutzt und gefördert werden. Ben Maxwell ist einer der Gründer dieses Labels, dessen Büro sich noch immer im Elternhaus von Bens Kollegen Mark befindet; gleichzeitig spielt Ben bei der Gruppe Mt., die ihr Debüt “Lethologica” auf Motivesounds veröffentlicht.
Gemeinsam mit Laura Harrison hat Maxwell die Gruppe 2005 gegründet, nachdem ihr vorheriges Projekt ctrlaltdelete nicht mehr fortgeführt werden sollte. Das Anspruchsdenken des Labels setzten sie ganz pragmatisch um und holten sich mit Robert Holmkvist einen schlagzeug-spielenden Grafiker ins Boot. Für “Lethologica” galt also die Herausforderung, ein “komplexes Kunstwerk aus Musik und zu Design zu schaffen”.
Naja. Aus meiner Sicht sieht das Cover halt ganz nett aus, verändert aber in keiner Weise meine Perspektive zu der Musik. Die lässt sich eindeutig im Post-Rock ansiedeln, was nicht nur der Umfang der Stücke (bis zu 12 Minuten) suggeriert. Auch die Besetzung (gesungen wird nur einmal kurz, ansonsten zocken Gitarren, Bass und Schlagzeug um die Wette), die an Interpretationsspielraum reichen Songtitel (z. B. “Too Many Escape Darwin’s Attention”), die Songstrukturen (Parts verschmelzen ineinander, Strophen und Refrains gibts nicht) und die Effektpalette für die Gitarren (wabern, schwelgen, dröhnen, lüften, meckern, etc.) sind typische Kennzeichen dieses Genres.
So entstehen elegische Soundlandschaften, die bei geeigneter Stereo-Anlage zum Träumen einladen. Da machen Mt. auch einen guten Job - ich z. B. lehne mich einfach mal zurück und schau ein wenig aus Fenster. Dort fährt die Menschheit in bereiften Blechkästen eingesperrt unter dem ewig-grauen Himmel um die Wette, spazieren die üblichen Verdächtigen an den gewohnt stillen Bäumen vorbei und verrichten Hunde wie immer ihre Notdurft auf dem spärlich-begrünten Wegrand. Das gibt immer schonmal einen Pluspunkt, wenn eine Musik es versteht, als Soundtrack das Leben zu dramatisieren. Dann wird der Alltag auf eine Bühne gehievt und ich darf unter Zugabe von ein wenig Fantasie als einziger Zuschauer im größten Auditorium all die kleinen, kitschigen Geschichten gratis genießen.
Soweit stimmt es also schonmal mit “Lethologica”, soweit bin ich schonmal zufrieden. Allerdings ist dieser Soundtrack für meinen Geschmack etwas zu still, so dass zwischendurch die Langeweile auf die Musik eindrischt. Wenn die Band sich mal zu etwas hinreißen lässt wie dem Gesang, der auf eines Messers Schneide noch als “okay” gelten darf, fürchtet man regelmäßig um die Harmonie des Tagtraums. Gerne könnte man es für meinen Geschmack etwas ruhiger angehen und den wohltuenden Geräuschkulissen, die Ein- und Ausgangstrack bereichern, mehr Platz einräumen. Genre-Verwandte aus Nordamerika wie Godspeed You! Black Emperor oder Explosions In The Sky haben da durch Samples, Streicher, etc. ganz andere Möglichkeiten. Die ganz großen Momente, die einen am Herz packen, mit Tränen versorgen oder einfach schwindelig werden lassen kommen bei Mt. nicht zustande.
So kann man sich mit “Lethologica” durchaus zufrieden geben. Es ist eine solide Post-Rock-Platte von Leuten, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Man kann sie einmal in der Woche zum Träumen rausholen - weitere Einsatzmöglichkeiten wollen sich mir aber noch nicht aufdrängen.











