enn man 17 Jahre im eh schon etwas angestaubten Irish-Folk-Business rumhängt kann man sich entweder darauf beschränken einfach so weiterzumachen wie es bislang schon gut funktioniert hat, oder man probiert mal was Neues. Fiddler’s Green geht sowohl bereits ausgetretene Wege, versucht sich allerdings auch an etwas gewagten Änderungen.
17-jährige Bandgeschichte, über 1200 Konzerte, 10 Alben, 2 Live-DVDs… Was kann man da noch Neues machen? Fiddler’s Green hat zunächst mal einen neuen Sänger am Start, womit auch das Songwriting-Monopol zugunsten der Allgemeinheit aufgelöst wurde. Dass Gründungsmitglied Peter Pathos durch den jungen Pat Prziwara an Gitarre und Gesang abgelöst wurde, hört man dann aber schon. Ich bin ehrlich gesagt jetzt auch nicht zu 100% vertraut mit den letzten 100 Jahren Fiddler’s Green, aber ich hab schon das starke Gefühl, dass der Junge da Schwung reinbringen will. Schwung mit einer E-Gitarre und einem Song-Writing der den gesamten Auftakt der Platte total versaut. Tut mir leid das in dieser Klarheit sagen zu müssen, aber das klingt wirklich wie eine irische Dropkick Murphys-Schulcoverband. Okay, das ist n bisschen gemein. Dennoch: Dominante E-Gitarre, Off-Beats und stinknormale Songstrukturen hauen mich einfach gar nicht vom Hocker. Pat singt außerdem n bisschen wie bei einem Casting zur Show „Wer wird der neue Blink182-Sänger“. Das ist einfach nichts. Und wie gesagt: Die ersten 5-6 Tracks sind halt alle in dem Stil und später tauchen auch ab und an mal einige von diesen Malheuren wieder auf. Gottlob lässt dieser Pat ja aber auch die alten Knochen ans Songwirting. Und die sind dann halt eine ganze Ecke tradioneller, was nicht heißt, dass diese Tracks weniger Schwung haben müssen.
„Bretonix“ ist zum Beispiel ein ziemlicher Kracher. Besonders dominiert von Akkordeon, Schlagzeug und später auch Geige ist das ein schnelles, ja wirklich wildes Stück, das mit Sicherheit noch einige Stadtfeste und Mittelaltermärkte zum Beben bringen wird. Man braucht da einfach keine Off-Beats. Dass mit „Marie’s Wedding“ ziemlich fix auch wieder Ernüchterung einkehrt, ist dann allerdings ein wenig schade. Zumal Fiddler’s Green mit „Long gone“ auch noch zeigen, dass sie auch langsamere Songs so einspielen können, dass der Zuhörer eher gelangweilt ist.
Feine Abwechslung kommt dann aber schon wieder mit „I’m here because I’m here“, dessen Beat von der irischen Bodhran-Trommel kommt – hier übrigens wirklich ein ganz schönes Referenzstück für dieses Instrument: Da kann man mal erfahren, was man da für verschiedene Töne aus diesem überdimensionierten Tamburin herausklöppeln kann. Und jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, wo ich mal für den schon ausreichend angepöbelten Pat eine Lanze brechen muss. In diesem Track, bei dem er sich nur an die starke Schulter der Bodhran lehnen kann, macht der gute Pat nämlich eine ganz gute Figur. Seine Stimme hat Schwung und was noch viel wichtiger ist: Sie ist durchaus charismatisch! Sie kratzt ein wenig und zeugt davon, dass der gute Mann im Pub nicht nur Fanta trinkt.
Weitere wirklich feine Tracks sind noch „You Drive Me Mad“ (wenngleich das Ende bekloppt ist) oder auch „Into your Mind“ wo jeweils E-Gitarre auch endlich mal gut erträglich eingesetzt wird.
Das Album wurde übrigens nicht Spur für Spur aufgenommen – was auch echt mal eine scheiß Arbeit gewesen wäre, sondern eben „live“ im Studio. Das kann man zwar schon auch hören, zum Beispiel klingt die Bass-Drum ab und ab mal n bisschen schwach auf der Brust, aber insgesamt hat es der Platte doch den nötigen Schwung gegeben. So Studio-Gefrickel ist wohl auch einfach nichts für Folker…
Zum Fazit: Es sind halt einfach 20 Tracks auf der Platte und da Fiddler’s Green einfach keine Stümper sind, sind da auch wirklich ein paar ordentliche Perlen dabei, das will ich auch gar nicht bestreiten. Die Versuche noch rockiger zu werden sind natürlich schon auch irgendwie sauber durchgeführt, mir aber zu sehr Mainstream. Einen Chart-Erfolg stellt das natürlich ein Stück weit in Aussicht, aber eigentlich dürften die Erlanger das nicht nötig haben. Ich sag’s mal so: Manchmal muss man auch eine Reise machen um zu verstehen, wo man zu Hause ist.










