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"We Know About The Need" von Bracken
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"We Know About The Need" von Bracken

ine psychedelische Reise durch das Gehirn vom Chris Adams kann man auf “We Know About The Need” von Adams’ Projekt Bracken erleben. Das darf man sich natürlich nicht als anatomisch-lehrreiche Exkursion vorstellen, statt dessen zwingt Bracken den Hörer auf einen abstrakten Trip durch seine Gedanken, die nicht selten mit Paranoia, Schmerz und einer irgendwie wahnsinnigen Stimmung korrelieren.

Aufgewachsen ist Chris Adams in einem englischen Provinznest, das für einen jungen Mann seines Schlags nicht nur zur Eigenbeschäftigung einlädt, sondern sie verpflichtend macht, wenn man nicht vor Langeweile umkommen will. So entwickelten sich aus langen Spaziergängen übers Land, bei denen nur ein Walkman als Begleiter dabei war, erste musikalische Selbstversuche. Mit der Band Hood landete Adams dann auch bei dem renommierten Label Domino Records und es entstanden neun Studio-Alben zwischen 1994 und 2005. Adams sagt über die Initiation seines neuen Projekts Bracken: ”I’d originally decided to make a one-off piece of music with the brief that it had to sound exactly like a pop band being frozen solid and then shattered into a million pieces, then the next thing I know I’ve gone and started a whole new band”. Dass “We Know About The Need” bei Anticon erscheint, ist kein Zufall: Bereits in seiner Zeit bei Hood lernte Adams einige Musiker des Labels wie Odd Nosdam, Why? und Dose One kennen und schätzen.

Vom Genre her darf man Bracken wohl zur Psychedelic Electronica rechnen, auch Ambient und Trip-Hop spielen ein Rolle. Tatsächlich fühlt man sich an die naturnahen Landschaftsmusik von Boards Of Canada erinnert, die Musik besitzt hier aber aufgrund des häufigen und vielgefilterten Gesangs ganz andere semantische Referenzen. Die einzige Konstante ist meist der Beat, dazu türmen sich synthetische Sounds in abstrakten Loops zu verstörenden, aber dichten Schichten auf und Adams Stimme integriert sich fast wie ein Instrument in diese weiche, faserige Konstruktion, die die Grenze zwischen Organischem und Elektronischem einzureißen scheint.
Mal bouncet es schwer und dub-lastig im Keller des Unterbewussten (z.B. in der Single “Heathens”), mal blitzen höherfrequente Beats wie ein neuronales Muster dazwischen (“Many Horses”). Bracken beherrscht eine hervorragende Sample-Technik, die mit dem Skalpell zerteilte Gesangsschnippsel in weichen Schnitten neu vernäht und auch z.B. Blechblasinstrumente gekonnt in die Soundmasse integriert. Auch vor langen Schlagzeug-Soli mit exotischen Begleitinstrumenten (“Evil Teeth”) schreckt Mastermind Adams nicht zurück. Für experimentelle Freiheit ist ein eigenes Gehirnareal dieser zuckenden Puppe namens “We Know What You Need” reserviert.
Den Abschluss gibt einer der stärksten Tracks, “Back On The Calder Line”. Hier konzentriert sich für mich die unheimliche Emotionalität, die das Album trotz aller abstrakten Verkopftheit wie ein roter Faden durchzieht. Immer wieder taucht diese atemberaubende Schönheit auf, die den Hörer kräftig an der Zirbeldrüse zupft, bis er am Ende nur noch geschlagen auf dem Boden liegen kann und sich wie nach einer langen Obduktion fühlt.

K. Haller
titel
01 Of Athroll Slains | 02 Heathens | 03 (int) | 04 Fight or Flight | 05 Safe Safe Safe | 06 Music for Adverts | 07 Evil Teeth | 08 Four Thousand Style | 09 La Monte Lament | 10 Many Horses | 11 Back On The Calder Line
Release: 02.02.07 bei Anticon
|http://www.anticon.com/|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/brackenmusic
cover
Bewertung:
4/5