norkator sind eine Kult-Band. Das bedeutet, dass sich ein enger Kreis von Fans um sie schart - umso dichter, je weiter die Mehrheit der Masse von der polarisierenden Musik abgeschreckt wegguckt. Insofern stell ich es mir schonmal schwer vor, “Das nächste Album aller Zeiten” zu rezensieren, da es mein erster Kontakt mit Knorkator ist. Eingefleischte Fans können dann berechtigt sagen: Der hat doch gar keine Ahnung. Stimmt - aber diese Leute kaufen sich die CD ja sowieso. Daher will ich jetzt einfach mal Otto Normalverbraucher einige Hinweise geben, ob “Das nächste Album aller Zeiten” lohnenswert ist.
Finde ich nicht. Aber man kann natürlich erstmal ein paar Dinge würdigen, die diese Herren ganz gut machen. Sie bedienen sich sehr spielerisch an Metal- und Glam-Rock-Elementen, basteln dabei auch eifrig mit Synthesizern und sind sich sogar für einen Disco-lastigen Track nicht zu schade. Dabei sitzt die Produktion meistens fest im Sattel; es ist natürlich Geschmackssache, ob man den fetten, mit Effekt-Make-Up überladenen Sound mag oder nicht.
Knorkator schätzen die härtere Gangart und schrecken dabei vor dem großen Pathos nicht zurück. Da gibt es gröhlende Piratenchöre, Falsett-Infernos, viele mit der Zunge gerollte “r”s, flächige Einweg-Synthies, kitschige Klavier-Dudeleien und natürlich Pauken, Posaunen und Trompeten. Das alles kulminiert in einem unbrauchbaren Mischmasch, meist lieblos reingerotzt und selten einmal subtil gebraucht. Es ist ja ganz cool, einfach mal die ganzen produktionstechnischen Möglichkeiten, die aus dünnstimmigen Mädels Popstars machen, bis zum Ende auszureizen. Das kann ja wohl aber nicht der einzige Anspruch einer Band sein!
Sind in dieser hochgespritzten Masse wenigstens Botschaften zu erkennen? Teilweise. “Das nächste Album aller Zeiten” beginnt sogar ganz lustig, ein “Alter Mann” distanziert sich vom Treiben der jungen Leute und erfreut sich nicht an Beziehungskisten, sondern an “angenehmem Stuhl”. Finde ich witzig. Dabei ist es mit den Sprechgesangstellen, die nicht nur hier die Musik prägen, so eine Sache. Manchmal denkt man dann doch an Oli P. - überhaupt ist der Gesang auf Dauer eine echte Qual, keine Ahnung was da an Autotune-Effekten oder so drüber geballert wurde, aber “natürlich” hört sich das nicht an.
Ein weiteres humoristisches Glanzlicht ist “Für meine Fans”, auf dem sich Knorkator selbst auf die Schippe nehmen, nach dem Muster: Ich hab High-Society und VIPs gewollt und jetzt spiel ich hier vor diesem Pöbel. Da hat der Scherz aber auch schon ein Ende, die gegröhlte Beschreibung vom Geschlechtsverkehr in “GV” und die Reise eines Kopfes durch den eigenen Körper mit Eingang im Anus (“Nur mal angenommen”) locken höchstens beim ersten Hören ein müdes Lächeln hervor. Philosophische oder gesellschaftskritische Aspekte möchte ich mir weder bei der genannten Arschreise, noch in “Wir werden alle sterben”, “Eigentum” oder “Geld” zu Herzen nehmen. Hier sind die Texte langweilig eindeutig und erinnern höchstens an die Hymnen vergangener Zeiten. Mein Höhepunkt der CD ist schon bei Lied Nr. 2 erreicht: “Du bist so still” schafft es am Besten, die genannten Aspekte unpeinlich unter einen Hut zu kriegen und gleichzeitig auch mit wirklich respektablem Screaming Gänsehauteffekte zu erzielen.
Fazit: “Das nächste Album” aller Zeiten ist ein nicht uninteressanter Trip durch eine pathetische Do-It-Yourself-Welt, in der man auch ohne große Messages mit dem Megaphon agieren darf. Teile der Platte hör ich mir gern mal wieder an, ansonsten kommt das Ding in die unteren Bereiche des CD-Regals.











