ie sechs Berliner Tele haben mit ihrem letzten Album “Wovon sollen wir leben” günstige Kritikerstimmen und andere Erfolge eingefangen. Warum man jetzt wohl die nächste LP “Wir brauchen nichts” nennt? Keine Ahnung. Es steht aber bezeichnend für die Musik, dass die Frage von Album eins eine positiv-resignierende Antwort bekommt.
Denn es ist irgendwie ein wenig Spaßmusik, die das Sextett zelebriert. Einerseits bediente man sich mit einer eklektischen Freundlichkeit allerlei Einflüssen, die das Promoinfo auch akribisch rausposaunt. Andererseits macht es auch einfach von Anfang an Spaß, “Wir brauchen nichts” zu hören. Die Single “Mario” als Opener dürfte vielen schon bekannt sein, auch durch Teles Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvisionsongcontest. “Mario” ist einer von vielen Klasse-Songs, die wohl genauso gut als Single-Veröffentlichung fungieren könnten.
So z. B. das mitreißende “Fieber”, das Teles Gespür für stimmungsvolle Musik zeigt. Ihr kennt das sicher: Bei großen Popsongs gibt es immer wieder einzelne Stellen, auf die man sehnsüchtig wartet und die man dann entsprechend feiert. Da darf dann keiner reden und wenn es doch jemand tut, wird er oder sie mit strafendem Blick oder auch durch deutlichen Verweis auf die zur Kultivierung des Moments nötige Schweigepflicht hingewiesen. Solche Momente gibt es hier immer wieder, wobei “Fieber” durch heftige Refrain-Rotation damit schon leider viel zu unsubtil auf die Fresse gibt.
Auch die Marimba-befüllte Ballade “Ein Leben ohne Dich” ist super. Hier sei auch mal erwähnt, dass Tele keineswegs oberflächliche Musik machen, nur weil sie eben Spaß macht. Francesco Wilkings Texte sind natürlich nicht immer astrein, aber der Mann weiß schon echt, was er macht. Deutlich hört man ihm die Poetry-Slam-Erfahrung an und kann sich die hohe Ambiguität zwischen einfacher Verständlichkeit und poetischer Tiefe auch damit erklären, dass Herr Wilking quasi Freestyle erst im Proberaum mit dem Schreiben anfängt. Auch wenn es meist uncool ist, wenn Popmusiker (oder -journalisten, ha!) HipHop-Begriffe in den Mund nehmen: Wilkings Sprechgesang, z.B. bei “Mario”, ist in diesem Rahmen allererste Sahne. Der kann und darf das auch.
Weiter gehts mit “Bye bye Berlin”, das einmal mehr die Fähigkeit zeigt, Songs gefühlvoll unterschiedlich auszugestalten - der Refrain ist wahnsinnig so weich, dass ich mich bei Livekonzerten kaum trauen werde mitzusingen. Auch “Hans” geht sofort ins Ohr und bleibt dort auch gern. Hier thematisieren Tele wie so oft Initiationserlebnisse: Raus in die weite Welt, weg aus dem Elternhaus, Grenzen überschreiten. Wo “Mario” noch scheitert, ist “Hans” schon auf dem Weg.
Schließlich geht “Wir brauchen nichts” nach einem tiefen Luftholen mit dem Titeltrack zu Ende. Es ist eine gute Platte, wenn auch noch nicht alles perfekt ist. Die Instrumente sind toll arrangiert und auch Trompetensoli (“Ein Leben ohne Dich”) und ganze Horn-Sections (“Rio de Janeiro”) passen sich wundervoll ein. Guter Pop!











