oakim gehört schon so zur Avantgarde der elektronischen Musik Frankreichs, wobei sein Ruhm und seine Reputation auch deutlich über die Landesgrenzen hinaus Wirkung zeigen. Dabei hat der junge Mann erst zwei Alben veröffentlicht – das Dritte liegt nun vor. Dann wollen wir dem mal auf den Zahn fühlen – auch wenn die Metapher nicht so geil ist.
Joakim gehört zu den beneidenswerten Menschen, die von ihren Eltern gezwungen wurden, im Alter von sechs Jahren bei einem guten Lehrer Klavier zu lernen. Als Teenie hat er sich dann eher in Indie-Krams verguckt und fand die Warp-Releases schön, was ja schon mal von einen respektablen Geschmack zeugt (nicht zuletzt werde auch ich bei Warp releasen, wenn ich groß bin). Dann betritt Meister Schicksal die Bühne des jungen Künstlers, und zwar in Person eines Mitschülers von Joakim. Dieser vergisst nämlich bei Joakim einen Synthie, den dieser nicht sofort zurückbringt, sondern erstmal anschaltet und schwupp eine Leidenschaft für elektronische Musik entwickelt. Diese fällt nun mal auch auf fruchtbaren Boden, da der junge Joakim halt eine gute musikalische Grundausbildung hat. Das erste Demo wird auch gleich beim schönen Label Versatile Records rausgebracht und die Karriere beginnt.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Monsters & Silly Songs ist mir unterm Strich zu nervig. Zu nervig, weil mir eine Menge der verwendeten Midis allein vom Klang her mächtig auf den Keks gehen und zum anderen, weil die Platte so extrem heterogen ist. Als roten Faden kann man eigentlich nur die Heterogenität selbst betrachten, aber das ist ja paradoxer Unfug.
Die einzelnen Songs sind natürlich schon prima arrangiert, aber schwierige Musik muss halt auch was dafür tun, dass man trotz der Komplexität Bock hat zuzuhören. Das seh ich hier nicht. Am Schönsten find ich da noch den Track „Palo Alto“, der mit einer gewissen Simplizität und Behäbigkeit und dem etwas lallendem Gesang an „Silence is Sexy“ von den Einstürzenden Neubauten erinnert. Aber dann gibt es da noch so viele andere Sachen! Wuuoooo! Zum Beispiel „Love-Me-2“ könnte auch fast eines der Postrock-Epen Mogwais sein. Wobei man schon die elektronischen Wurzeln gut erkennen kann, dennoch wird dem orgiastischen Höhepunkt auch mit Gitarren entgegengefiebert. Das ist schon sehr gekonntes Soundteppichknüpfen. Gitarren finden sich auch in „Rocket Pearl“ wieder, wobei der Track so authentisch indie ist, dass er auch aus Kanada oder England kommen könnte. Selbst der Gesang von Guillaume Teyssier ist so Genre-affin sophisticated, wie es besser nicht sein könnte.
„Drumtrax“ ist herrlich dreckiger Techno, minimalistisch, aber nicht so domestiziert wie der übliche Minimal. Hat Tempo- und Rhythmuswechsel bis zum geht nicht mehr und macht einfach mächtig Spaß. Und „Loneley Hearts“ als sehr ruhiges Piano-dominiertes Stück gefällt und erinnert ein wenig an Boards af Canada.
Eine Menge Tracks, die ich dann aber vom Sound her überhaupt nicht leiden kann, verdanken wir dann noch Joakims Liebe zu Italo-Disco-Mucke. Die ersten drei Tracks kann man da schon so als Beispiel nehmen. Klar, die grooven auch irgendwie und sind auch nett gemacht. Gesang nervt aber manchmal n bisschen, weil der an schlechte Momente von Falco erinnert. Ich glaub man muss schon echt ein Extremist sein um so was richtig feiern zu können.
Joakim ist ein verdammter Wolf im Schafspelz. Und im Bieberpelz und im Bärenpelz und im Eichhörnchenpelz und im Sonstwaspelz. Das meiste macht er ja auch wirklich außerordentlich gut. Aber die Tatsache, dass hier wirklich Alles durcheinander geschmissen wird (wobei eigentlich eher immer nur Genres bedient werden und nicht so richtig Verknüpfungen stattfinden) und dann einige Tracks auch nicht wirklich mitreißen, führt dazu, dass ich die CD wohl einfach nicht nochmal in den CD-Player tun werde… Außer vielleicht um einzelne Tracks zu hören. Joakim hätte lieber mal 6 Alben oder so machen sollen, bei denen die jeweiligen Tracks mehr Gemeinsamkeiten haben und nicht so ein absolutes Kuddelmuddel. Aber dennoch kein schlechter Mann.










