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"Art Brut Fe De Yoot" von Infinite Livez vs. Stade
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"Art Brut Fe De Yoot" von Infinite Livez vs. Stade

nifite Livez leistet auf dem vorliegenden Album “Art Brut Fe De Yoot” zusammen mit Stade, das was Hip Hop wirklich dringend mal nötig hat. Die Kollaborateure nehmen nämlich die Genre begrenzenden Fähnchen in die Hand und stecken sie in deutlicher Entfernung zum Ursprungsort wieder in den Boden. Wer dieses Album gehört hat, kann in der nächsten „Hip Hop am Ende?“-Diskussion gekonnt widersprechen.

Der Londoner Inifinite Livez hatte sein Debut im Jahr 2004 bei Big Dada, der avantgardistischsten Subdivision von Ninja Tune. Während der Tour zu diesem Release, sprach ihn Pierre vom Electro-Duo Stade an, ob er nicht Bock hätte, zusammen was zu machen. Kurze Info an dieser Stelle: Inifinite Livez war damals schon für surreale, man könnte auch sagen: vollkommen bekloppte Rap-Musik bekannt. Stade sind nicht unbekannte Nasen im Bereich von ich sag mal Impro-Jazz-Electro-Kram. Stade hat früher schon mal mit Leuten wie Nils Petter Molvaer oder Wayne Paul zusammengearbeitet.

Nun, Infinitie Livez roch den Braten gleich und dachte sich wohl: Da ist Potential für weitere Beklopptheiten. Während eigentlich nur angedacht war eine kleine Live-Session aufzunehmen erkannten die drei Männer, dass da noch mehr geht. Die Live-Sessions waren übrigens auch wirkliche Improvisationen: Stade zockten auf ein paar Presets auf ihren Keyboards und Drumpads, während Infinite Livez freestylte, allerdings mit zum Teil jeder Menge Effekten auf seiner Stimme.

Die entstandene Platte ist in allererster Linie sehr unzugänglich. Die ersten – nun vielleicht zehn – Durchläufe stießen bei mir auf wenig Verständnis. Und sämtliche Menschen, die irgendwie meine Boxen passierten, wären die CD lief waren absolut verstört, ob der Kakophonien und des seltsamen Rapstils von Infinite Livet, der wirklich von flüssig aufeinander folgenden Lines über permanent wiederholtes Zungenschnalzen oder Gestöhne bis hin zu freejazzigem Geseufze reicht.
Aber irgendwann war bei mir ein Punkt angelangt, an dem ich die Musik absolut großartig fand. Ich zollte den vielen Tempo- und Rhythmuswechseln meinen Respekt und erkannte, wie formidabel viele der Beats auch waren.
„The Taste Of Jazz To Cum” zum Beispiel hat wirklich einen äußerst voluminösen Beat mit Synthieorgeln in sehr moderater Geschwindigkeit, den Schweizern sei Dank. Infinite Livez klingt außerdem n bisschen wie auf Südstaaten-Sizzurp und dreht auch irgendwann gemeinsam mit dem Beat deutlich ins Psychedelische ab. Der Trip dauert auch volle 6 Minuten.

In „Unbiased Reductionism in 21st Century Music Practices” entwickelt sich schließlich aus einem Beat, den man schon fast als Glitch bezeichnen kann, nach einigen Minuten doch noch ein einigermaßen melodischen Stück. Wenn man auf die Zeit davor nicht so Bock hat, kann ich das wohl schon noch nachvollziehen.
„Webcamwoman.co.uk“ hat ebenfalls recht verstörende Taktgeber, aber der Gesang von Infinite Livez ist echt beeindruckend. Der Junge hat einfach verdammten Blues im Blut und es würde mich nicht wundern, wenn der irgendwann nochmal im New Yorker Blue Note auf der Bühne steht.
„Right Here, Right now feat. Joy Frempong“ ist in allererster Linie ein einziger organischer Basslick, der immer und immer wiederholt wird. Drumherum spinnen sich im Verlauf dieses wiederum 6:40 Minuten langen Monsters verschiedenste Noizes, die sich Stück für Stück summieren und den Track wie eine Muräne schneller, größer und stärker werden lässt. Der Mix ist dabei übrigens auch großes Kino, das die Stereoverteilung wirklich spannend ist.
Ein Track, der es vielleicht gerade noch in das Set eines Soul-/Chillout-DJs schaffen könnte ist „The Confessions of a White Backing Band“. Dieser hat wiederum einen schön rumpeligen Beat und lallend-raunenden Gesang von Livez. Höhepunkt ist hier das Phaser-beladene Cembalo, da ja meiner Meinung sowieso das Instrument des frühen 21ten Jahrhunderts ist (ich kann bestimmt zehn Songs aufzählen, bei denen Cembalo zum Einsatz kommt und die dadurch alle ungemein aufgewertet werden).
Schönster, wärmster und zugänglichster Track ist in jedem Fall aber „The Ballad of Baby Man feat. Pascal Auberson“. Der Beat ist rhythmisch nicht zu verwirrend und eine Art Piano garantiert während des ganzen Tracks eine angenehme Melodik. Es ist ein bisschen wie eine Art Belohnung dafür, dass man bis hierher durchgehalten hat.

Insgesamt ist das ganze halt schon eine harte Nuss. Wer sich intensiv mit Black Music auseinandersetzt und sich dafür interessiert, in welche Richtungen Avantgardisten wie Infinite Livez gehen, der ist sicher nicht ganz falsch mit diesem Album beraten. Freunde „schwieriger“ Musik finden hier auch eine Platte, an der sie sich ein wenig die Zähne ausbeißen können. Wenngleich die Schwierigkeiten meist nicht durch schlichte Erzeugung von Komplexität durch eine große Menge an Tönen entstehen, sondern in den filigranen, äußerst gekonnten Arrangements, die wesentlich näher am Jazz sind, als die Jazzmatazz-Sachen von Guru. Für den Durchschnittsmusikkonsumenten ist das mit Sicherheit jedoch der größte Fehlkauf der Welt – oder ein Einstieg in eine Welt in der Neues geschaffen wird!

S. Krutzinna
titel
01 Intro | 02 [^_^]zzZ | 03 The Taste of Jazz to Cum | 04 Unbiased Reductionism in 21st Century Music Practices | 05 Webcamwoman.co.uk | 06 Right Here, Right Now feat. Joy Frempong | 07 The Confessions of a White Backing Band | 08 The Ballad of Baby Man feat. Pascal Auberson | 09 Artyfartypartynazi feat. Joy Frempong | 10 Track 10 | 11 From Now On Things Are Gonna Be Different
Release: 09.03.07 bei Big Dada
|http://www.bigdada.com|
Künstler-Homepage: http://www.infinitelivez.com
cover
Bewertung:
3/5