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"Wie oft musst du vor die Wand laufen bis der Himmel sich auftut?" von Flowerpornoes
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"Wie oft musst du vor die Wand laufen bis der Himmel sich auftut?" von Flowerpornoes

ie Flowerpornoes sind zurück, nach 11 Jahren. Den Satz darf ich so eigentlich gar nicht sagen, weil ich im Gründungsjahr der Band 1985 erst auf die Welt kam, sie während ihrer Hauptschaffensphase Mitte der Neunziger gar nicht kannte. Letzteres ist eigentlich kein Wunder, denn die Flowpornoes sind - zumindest auf ihrer neuen Platte “Wie oft musst du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?” - total nicht massentauglich. Bleibt zu klären, ob die spröde Produktion, die offenen Texte und das knappe Songwriting eher Richtung Genialität oder Banalität tendieren.

Es ist tatsächlich ein schlicht schlecht produziertes Album. Man muss wohl dazu sagen, dass es Flowerpornoes-Kopf Tom Liwa wohl relativ egal ist, wer sein Album gut findet: ”Wenn Gott gewollt hätte, dass ich berühmt werde, hätte er mir wohl ein anderes Gesicht und eine weniger sperrige Persönlichkeit gegeben, oder ?" - stimmt. Die Bandauflösung 1996 kam wohl auch nicht zuletzt durch Liwas Egotrips zustande; die komplette Liste aller Bandmitglieder, die Tom Liwas Flowerpornoes jemals hatten, nimmt dementsprechend viel Platz weg. Für “Wie oft musst du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?” haben aber alle möglichen Ehemaligen in ganz herzlicher Atmosphäre noch einmal teilgenommen und das hört man auch. Der große Druck war bei dieser Platte nicht da, das kann man “laid-back” nennen, oder auch “One-Take-Ästhetik”. Ich finds schlampig.
Ein weiterer Garant für Liwas ausbleibende Berühmtheit sind laut Promoinfo seine offenen Texte. Ehrlich gesagt habe ich aber große Probleme, den guten Mann überhaupt erst mal akustisch zu verstehen. Es fallen aber doch immer mal wieder aggressive Statements auf, wie in dem guten “Sigmund Grimm”: ”In einem Großraumbüro sitzt ein Arschloch und liest ein Manuskript / Er zieht sich ne Nase Koks und sagt: So geht’s nicht / Er sagt: Die Scheiße kann ich nicht senden, weil es alles, nur nicht knallt / Die Leute bezahlen gutes Geld für Angst und deswegen brauch ich mehr Gewalt”. Klar, das einem solche Sätze schnell ins Auge springen, trotzdem bleiben sie in der von Metaphern und Bildvergleichen geprägten Sprache Liwas aber die Ausnahme. Da gibt es “Zeichentrick-Backsteinwände” vor einem “Meer im Netz” (“Auf der Baustelle”), Menschenländer (“Ich bin Tahiti” in “Tahiti”, vgl. mit Turner I am Norway and you are Spain” in “Autumn”) und Fallbeispiele (”Ich lass dich fallen wie eine heiße Kartoffel / Du lässt mich fallen wie eine Wittgensteinsche Leiter” in “Mikado”). Reime setzt Mr. Liwa übrigens auch mal ein, dann aber ganz schön offensiv: ”Am Grab von Schopenhauer / liegt Pfeffer auf der Lauer / doch Kerstin ist schlauer” (in “Kerstin Loose”).

Bleiben Songwriting und Instrumentierung, welche die Reichweite zwischen genial und kacke auch ganz schön ausloten. Einige lahme Ausrutscher (“Tänzer”, “Nicolas H.”) sind da nämlich schon dabei. Andererseits sind die Flowerpornoes auch echt mal für ein paar richtig leckere Momente gut, wie sie eher die erste Hälfte der CD aufweist. Stark beim schönen “Apfelkern”, wo sich z.B. der Bass mal nicht auf Akkordgrundtöne verlässt, sondern mit reichen Linien punktet und auch mal Flageoletts beisteuert. Wunderbar sind hier auch die Streicher-Arrangements von Tim Isfort, die sich in den Garagensound überraschend nahtlos einpassen. Allerdings kann auf “Wie oft musst du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?” kaum ein Song wirklich durchgehend überzeugen. Eine Reunion, die die Fans der Flowerpornoes sicher sehr erfreut und für Frischlinge wie mich auch mal ein Tor in die Ursprünge von deutschsprachiger Popmusik auftut, aber für den aktuellen Musikdiskurs nicht so richtig notwendig ist.

K. Haller
titel
01 Rock 'N' Roll | 02 Apfelkern | 03 Tahiti | 04 Kerstin Loose | 05 Zahnarzttochter | 06 Mikado | 07 Auf der Baustelle | 08 Sigmund Grimm | 09 Nicolas H. | 10 Österreich | 11 Tänzer
Release: 02.03.07 bei V2 Records
|http://de.v2music.com/|
Künstler-Homepage: http://www.flowerpornoes.at/
cover
Bewertung:
2/5