eim ersten Durchhören der CD „Wrong Faced Cat Feed Collapse“ von SJ Esau, ist man zunächst mal an Kuschel-Musiker vom Schlage der Kings of Convenience oder Matt Elliott erinnert. Sobald man dann aber bei weiteren Durchläufen mal auf die Texte achtet, versteht man, wieso der Promotext unter anderem auf Arab Strap verweist. Denn völlig frei von Obszönitäten sind die Texte ganz und gar nicht.
Kein Wunder! Der Bursche ist Opfer einer Hip-Hop-Sozialisation. Als 10-Jähriger (!!!) war SJ Esau schon eine gewisse Größe in der Rap-Szene der hässlichen Industriestadt Bristol (die aber im Übrigen – wie die meisten hässlichen englischen Städte – tolle Musiker hervorbringt). Mit 12 ist der Bub dann schon Zweiter in einer internationalen Rap-Meisterschaft geworden, auch wenn er mitunter gerne zu Massive Attack-Tracks rappte. Ums mal auf den Punkt zu bringen: Wer in so jungen Jahren schon so durch ist, der wird sich wohl auch nicht mehr groß in Richtung Seriosität ändern – gerade wenn Faxen machen dann noch belohnt wird, wie etwa mit dem Plattenvertrag, den er mit zehn Jahren bekommen hat.
Das vorliegende Album schlägt allerdings vollkommen andere Töne an. Wie gesagt, musikalische Ähnlichkeiten zu Leuten wie Kings of Convenience oder so sind nicht von der Hand zu weisen. Es gibt melodiösen Gesang, der sich in Instrumentierungen fügt, denen zumeist eben eine Gitarre als Grundlage dient. Schlagzeug ist auch häufig dabei und zeitgemäße elektronische Aufpeppungen gibt es auch en masse. In verschiedenen Tracks werden dann noch verschiedene Modeinstrumente wie Violinen oder Bläser eingesetzt – und auch verzerrte Gitarre soll akzentuieren.
Aber es ist dieser unvertraute Kontrast, von musikalischer Melancholie und textlichem Humor, der ein wenig irritiert und zwar im positiven Sinne. Klar, es ist insgesamt schon etwas Anderes, ob man englischer Muttersprachler ist und die Texte hört, oder ob man eben bloß als olle Kartoffel ein paar Zeilen raushört und den Rest nachliest. Aber wenn man sich eben mit den Texten auseinandersetzt, dann hebt man schon mal eine Augenbraue: „The cat, fully fulfilled, he's got no balls. | […] You make furniture grin. | Free of your sex, you have the space, | to fill up to the brim with breathing.” singt SJ Esau zu einer Instrumentierung, die zwischen sehr ruhigen Parts und noisigem Handmade-Postrock pendelt und dabei vollkommen authentisch bleibt.
Eine lustige Idee trifft in „all agog“ auf einen lustigen Text. Der Refrain besteht aus drei Zeilen, die allerdings von drei verschiedenen Menschen zur gleichen Zeit gesungen werden.
“Wrongest one to plug a hole.”
”My thoughts turn to alcohol.”
”One half is swallowed hole.”
Die darauf folgenden Zeilen müssen über ruhige, minimalistische Beatstruktur gebeugt werden. Sie müssen auch wirklich gebeugt werden, weil die Lyrics echt sehr rumpelig sind und ich glaub wenn man mal von Bloc Party absieht, kann es auch nur ein ehemaliger Rapper schaffen, diese Zeilen so zu singen, dass das alles hinhaut. Mit den Zeilen ”There's a sound that I listen to that is too low to record | And it resonates inside my small intestine, changing up my guts.” gehen dann auch die Strophen zuende und man steht ein wenig im Regen.
Aber man muss auch überhaupt kein Anglist oder Textfetischist sein, um Freude an der Musik zu haben. Das macht nicht nur „Queezy Beliefs“ deulich. Der Song ist einfach mal vollkommen unabhängig vom Inhalt des Gesangs wunderschön. Ein vorsichtiger Verzerrer liegt auf dem Gesang, ansonsten bilden ein paar träge elektronische Spuren mit kleinen Gitarrentupfern und Piano die Songgrundlage. Und man kann wunderbar in dem wohligen Gefühl des Songs dahinschwimmen.
Wer also abseits vom Mainstream eine hochinteressante Platte mit sehr viel Abwechslung will, der ist hier absolut gut beraten. Man merkt dem jungen Mann einfach an, dass er nicht nur mal von seiner Hippie-Mutter eine Gitarre in die Hand gedrückt bekommen hat, sondern einfach n bisschen mehr von der musikalischen Welt gesehen hat. Was nicht heißt, dass SJ Esau hier wild Genres durcheinander schmeißt, sondern einfach in der Lage ist abwechslungsreiche Musik zu machen. Und die auch nicht zu ernst nimmt. Was im Grunde schon an sich lustig ist, denn es gibt eine Menge schlechtere Platten von Musikern, die sich sehr ernst nehmen. Dabei wäre es bei ihm durchaus gerechtfertigt wenn er ohne zu lachen Konzerte spielen würde – denn SJ Esau ist echt mal ein Guter!










