it Spannung wurde das neue Album der Stooges erwartet. Warum? Weil die Band nach über zwanzig Jahren Pause erstmals wieder gemeinsam für eine komplette Platte ins Studio ging? Weil man sich von dem unzerstörbarem aber reichlich verwüstetem Rockfossil Iggy Pop neue Impulse erhoffte? Oder hattet ihr eher Furcht vor einer peinlichen Selbstdemontage des Mythos’ The Stooges? Die Antwort ist die einfach: “The Weirdness” ist ein authentisches Album, dass die Reife seiner Urheber weder kaschieren, noch damit angeben will.
Noch mal zusammen gefasst für die Jüngeren unter uns: The Stooges gründeten sich 1967 und lösten sich 1973 wieder auf. Dazwischen trugen die fünf Herren einiges zur Erfindung des Punks bei, der Mitte der 70er zur Jugendkultur werden sollte. Ihr Sänger und Kopf war Iggy Pop, der nach der Auflösung äußert stilsicher als unpeinlicher, alternder Solokünstler auf Festivals auftrat, Jim Jarmusch-Filme mit seiner faltig-fertigen Visage schmückte und insgesamt 18 Solo-Alben auf den Markt brachte. Zusammengefasst ist der gute Mann für mich der Beweis, dass man exzessives Rock’n’Roll-Leben führen kann ohne mit 27 am Drogenkonsum zugrunde zu gehen - es geht hier ja schließlich auch um eine Biografie, die würdig abgeschlossen werden will. Muss in diesem Business verdammt schwer sein, würdig zu altern.
Nunmal ran an den Speck. “The Weirdness” kann man wirklich mit Spaß an der Musik durchhören, ohne sich in eine andere Zeit versetzt zu fühlen, ohne krampfhafte Plagiate aktueller Rockgrößen befürchten zu müssen und ohne durch Wunderlichkeit des Protagonisten belästigt zu werden. Dafür gibt es schonmal ein thumbs up.
Die Musik muss ich wohl nicht mehr großartig vorstellen: Rythm Guitar links, Lead Guitar rechts, Offbeat-Drums, rollender Bass. Soweit knallt die Scheiße schonmal anständig, das Alter von zusammen genommen geschätzten 250 Jahren trübt da gar nix. Darüber thront Iggy Pop mit angemessen fertiger Stimme. Klar, der hat seine beste Zeit hinter sich, kommt aber immer noch anständig weg. In Songs wie “You Can’t Have Friends”, “Idea Of Fun” oder “The End Of Christianity” geht das total in die Hose, vor allem in höheren Tonlagen, wo bei unstimmiger Intonation kaum Druck zustande kommt - das gesteh ich einem 60jährigen aber auch irgendwo zu. Und Iggy macht durch lustige und auch sinnreiche Texte einiges wieder wett. Das geht schon mit dem Opener “Trollin’” los, der meine eingerosteten Englischkenntnisse mal wieder durch eine coole Vokabel aufpeppt. “troll” bedeutet irgendwas zwischen Angeln, freiem Singen, dem Verschicken einer Email mit absichtlichen Fehlern und Laufen, umgangssprachlich “latschen” - der Song ist jedenfalls tierisch flott.
Trotzdem wird auf “The Weirdness” nicht nur im hohen Tempo durch gebolzt, sondern auch mal Luft geholt, so z. B. im Titeltrack. Hier kann Iggy seine Stimme etwas mehr ausspielen und holt sich zu der Nummer auch ein paar Bläser ins Boot, die übrigens gegen Ende der CD (im verdrogten “I’m Fried”) wieder auftauchen. Dazwischen erzählt er uns von den allmächtigen Vereinigten Staaten (“Free and freaky in the USA”) und von Frauen, die ihm Geld geklaut (“She Took My Money”) oder mit Mexikanern betrogen haben (“Mexican Guy”). Nicht zuletzt ist mit “Idea Of Fun” auch so etwas wie ein Protestsong dabei (”My idea of fun is killing everyone / Now is the season for war with no reason”).
Mit all seinen Schwächen eine spaßige Angelegenheit, die die vergilbten Wurzeln des Punks nach 33 Jahren Abstinenz in einem alkoholhaltigem Rausch mal wieder ordentlich durchspült.











