ulitzer-Preisträger werden auf Magagin recht selten rezensiert. Wir sind ja nun auch kein komisches Feuilleton. Künstler die schon über 50 Platten unter eigenem Namen veröffentlicht haben, findet man hier glaub ich sonst auch nicht. Gibt es im Pop-Bereich ja auch nicht. Wynton Marsalis hat beides, Purlitzer-Preis und über 50 Platten. Verrückt was?
Dabei ist der gute Wynton alles andere als verrückt. Eher verdammt konservativ. Auch wenn er einer der größten Trompeter der Gegenwart ist und zu den einflussreichsten aktiven Jazzern überhaupt zählt, kann er mit dem ganzen neumodischen Jazz-Kram nichts anfangen. Free Jazz und Fusion – ekelig, von dem Scheiß, denn der Guru da ne zeitlang mit dem Rap gemacht hat ganz zu schweigen. So ist er, der Wynton.
Aber die Traditionen zu bewahren ist ja keineswegs immer negativ, da wollen wir ihn hier mal keinen Strick draus drehen. Hier geht es ja nämlich eigentlich auch um SEINE Musik. Purer Jazz. Auf seinem aktuellen Album „From The Plantation To The Penitentiary“. Penitentiary heißt übrigens Knast. Wusste ich auch nicht. Allerdings macht der Albumtitel schon mal klar, dass es hier keinen Larifari-Fahrstuhl-Jazz gibt, sondern knallharte Politik. Wynton Marsalis ist nämlich Bush-Kritiker und hält damit auch nicht hinterm Berg.
Unterstützt wird er dabei von der großartigen Sängerin Jennifer Sanon, die ihm für die meisten der komplett von ihm geschriebenen Texte ihre Stimme leiht. Bei denen geht es um die unschöne Geschichte der Schwarzen in Amerika (im Titelsong), Frauenfeindlichkeit in der Gesellschaft („Find Me“) oder ausufernden Kapitalismus („Supercapitalism“). Beim letzten Track „Where Y’all At?“ greift der Meister sogar selbst zum Mikrofon und fragt bei diesem Spoken-Word-Track, wo eigentlich die ganzen schwarzen Führer und Vorbilder hin sind und greift mit Zeilen wie „Even the rap-game started out critiquin’, now it’s all about killing and freakin’“ auch die neusten Black-Music Entwicklungen an, wobei er allerdings ungerechter weise stark verallgemeinert. Als Auflockerung gibt es mit „These Are The Soulful Days“ aber auch eine schönen völlig politik- und kritikfreien Track zwischendurch.
Musikalisch bewegt sich Marsalis auf Albumlänge durch die schwarze musikalische Geschichte. Swing, Soca, Charleston, Cha-Cha, alles wird in einen großen Pool geworfen und in seinen wunderbaren Groove eingefügt.
Wie zu erwarten ist „From The Plantation To The Penitentiary“ ein sehr anspruchsvolles Album, dass sich wenig zum Nebenherhören eignet. Lässt man sich allerdings auf die Sache ein, findet man in den Texten viele Anstöße zum Nachdenken. Löbliche Sache!
Das Ensemble:
Wynton Marsalis - Trompete
Walter Blanding - Saxophon
Dan Nimmer - Piano
Carlos Henriquez - Bass
Ali Jackson, Jr. - Drums
Jennifer Sanon - Vocals










