ört man sich die Musik von The Rorschach Garden an, ist es sehr hilfreich zunächst einmal den Namen der Band zu verstehen, der zugleich eine Menge über den musikalischen Output des Trios aussagt. Der von Hermann Rorschach entwickelte Rorschach-Test ist ein in der praktischen Psychologie umstrittenes Verfahren, bei dem der Proband verschiedene Tintenklecksmuster betrachten und dem Analytiker mitteilen soll, was er sieht. Der wiederum schließt dann aus den assoziationsstarken Äußerungen auf die Persönlichkeit des Patienten. Dementsprechend sehnt sich der Electro-Pop auf “The Toy Factory” nach dem Einfachen, das als Fantasiehappen funktioniert - was aber tierisch in die Hose geht. Die gewollte Einfachheit wird nämlich zu einer unumgänglichen Langeweile - die Band latscht voll in diverse selbstgelegte Fettnäpfchen.
Da ist zum Beispiel das begrenzte Arsenal an Equipment, das The Rorschach Garden benutzen. Die Grundlage bilden elektronische Beats, die mit verschiedenen Lead-Synthesizer-Spuren an Groove und Melodie gewinnen. Was die Band uns da bietet, ist aber ein formelhaftes Wiederholen. 14 Lieder sind auf der CD und bei jedem (!) nimmt man einen simplen “bumm-check”-Beat. Die Synthesizer kann man sich noch echt anhören, aber irgendwann spulen die auch nur noch die immer gleichen Motive runter. Darauf trifft dann der Gesang von Philipp Münch, der auch in jedem der 14 Lieder die gleiche Stimmung bemüht: Die Strophen kommen in einem eintönigen Sprechgesang, der sich am Ende einer Phrase hebt oder senkt, die Refrains werden dann mit Ohrwurm-Charakter gesungen. Dabei wirkt Münch aber für mein Empfinden so unsouverän, dass ich automatisch schon mal abschalte, ohne mich um ein größeres Textverständnis zu bemühen.
Schaut man sich die Lyrics mal bewusst an, nimmt die Abneigung aber eher noch zu: ”I do not like to watch TV, there are so much things inside of me / Just close your eyes and you will see some weird things in your fantasy” (“The Inner Screen”). Vielen Dank für den Tipp, das will ich gerne mal probieren. Ob man aber die Hörerkompetenz nicht ein wenig unterschätzt, wenn man die Sachen so megadeutlich sagt? Ich hab im Fernsehen schon Kunst gesehen, die wesentlich kunstvoller und subtiler war als diese Moralkeule. Anderes Beispiel gefällig? ”Come here to the holiday site / It makes your soul feeling so bright / Come here to the holiday site / It makes your soul feeling so tight” (“Holiday Site”) - das kann ich mir einfach nicht 50 Minuten lang antun.
Abgesehen von dem schönen Cover ist dieses Album also ein Totalausfall. Mehr Abwechslung und mehr Tiefgang wären zwei wünschenswerte Verbesserungen. Bis dahin komme ich wunderbar ohne The Rorschach Garden aus, zumal es in diesem Genre z. B. mit Depeche Mode, Air, Jeans Team und den wundervollen Zoot Woman wesentlich bessere Bands gibt.











