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"Ten New Messages" von The Rakes
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"Ten New Messages" von The Rakes

he Rakes sind wieder da. Zwei Jahre nach ihrem Debütalbum “Capture/Release” steht bereits seit dem 23. März mit “Ten New Messages” der Nachfolger der vier Londoner Jungs in den Regalen. ”We’ve not gone avant-garde or experimental or anything”, sagt die Band, “We’ve just got better at our jobs.” In der Tat besitzt “Ten New Messages” eindeutig zu viel Tiefgang für eine reine Indie-Party-Tanzflächen-Platte. Aber: Besser gehts immer.

Zuerst einmal muss man sich als Journalist ja mal überlegen, ob man sich nun an die genre-immanenten Vergleiche ran traut oder nicht und ob man in einer Rezension über The Rakes gleich mit Franz Ferdinands, Maximo Parks, Kaiser Chiefs und Bloc Partys um sich werfen muss. Ich versuche mal, die Schublade nur einen kleinen Spalt breit zu öffnen und beschränke mich auf Bloc Party als kleinen Anker, an dem sich auch wirklich einige interessante Aspekte von “Ten New Messages” widerspiegeln. Da ist z.B. der bereits angesprochene Tiefgang - da will ich den Debütalben beider Bands jetzt nicht Oberflächlichkeit unterstellen, aber es fällt doch auf, dass jeweils weniger Hitpotenzial in den Nachfolgern steckt, dafür die Alben aber einfach öfter durchgehört werden können. Die Catchiness ging auf “Ten New Messages” wie auf “A Weekend In The City” zugunsten einer vielschichtigeren Produktion einigermaßen flöten. Das finde ich prinzipiell begrüßenswert, weil es zumindest schon einmal suggeriert, dass die Band sich weiter entwickelt hat. One Hit Wonder zum Abfeiern wird es immer wieder geben, aber wenn man eine Band wirklich gern hat, ist es doch schöner zu sehen, wie die Jungs sich von den Tanzflächen emanzipieren.
Soweit das Wort zum Sonntag vorweg, jetzt wollen wir die Platte mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Das größte Plus von The Rakes ist für mich ihr Sänger Alan Donahue, der mit seiner Stimme wirklich zu fesseln weiß. Es ist echt nicht einfach, was viele dieser britischen Bands machen, nämlich den Deckel vom Kochtopf schön geschlossen halten und nur ab und zu mal einen Millimeter öffnen, so dass der Dampf umso konzentrierter entweichen kann. Im Vergleich dazu würden Punk, Hardcore und Metal - jetzt mal ganz salopp gesagt - die Herdplatte aufdrehen und den Deckel aufreissen. Leider übertreiben es The Rakes für meinen Geschmack mit der Drosselung der Energie - die letzten Songs übertreten schon zuweilen die Grenze zur Langweiligkeit. Im Allgemeinen überzeugt bei Donahues Stimme aber die Gelassenheit, die mit einer subtilen Brüchigkeit bestückt ist und irgendwo auch ständig unter Strom steht.
Die Texte machen ja auch endgültig klar, dass es hier bei Weitem nicht so belanglos zugeht wie man es beim Nebenbei-Hören schnell vermuten kann. Beispiel? If it’s trouble that you're looking for / It’s trouble that you'll find / Sometimes trouble finds you no matter where you hide.

Die Themen auf “Ten New Messages” lassen sich - wie übrigens bei Bloc Partys “A Weekend In The City” - ziemlich sicher auf den Komplex “Urbanes Leben” abbilden. In “Suspicious Eyes” geht es um eine simple U-Bahn-Fahrt, bei der man aber den verdächtigenden Blicken der terror-verängstigten Mitreisenden ausgesetzt ist. Für die tolle Single “We Danced Together” wird eine städtische Ausgangssperre überwunden, was gleich mit Kugeln und Helicopter-Einsatz bedacht wird. Umso enger rückt man zusammen (”We found a doorway, fell in and I held you”) und geht in einer solchen Welt auch gerne gemeinsam unter ("We caned our money like it was our last day / Two fingers up at those who won’t miss us when we pass away”). Aber auch der schöne Track “When Tom Cruise Cries” beschäftigt sich mit den Problemen engster Zivilisation: ”I wake up, didn't know what was going on / Pictures of home repeated again and again / Electrical problems is what they said on CNN / Electrical problems repeated again and again“. Die Vorstellung, dass das hier schlicht als “Network” betitelte technische System versagt, ruft natürlich Angst nach dem Verbleib der Lieben hervor: “I tried to call your phone, but the network was down / Something's happening. Zum Schluss des Albums kommt natürlich die unvermeidliche Aufforderung, den urbanen Abfalleimer zu verlassen und nach Hause zu kommen, wobei der deutliche Titel “Leave the City and Come Home” mir und euch weitere Textzitate erspart.
Das zweite große Plus von “Ten New Messages” ist die herausragende Produktion von Jim Abiss (Arctic Monkeys, Editors, Kasabian) und Brendan Lynch (Primal Scream). Man muss die Platte wohl hundert mal hören, um all die subtil eingemischten Spuren heraus zu hören - z.B. wenn Gitarrenlicks ganz leise mitgesungen werden, Keyboard-Fetzen dazwischen perlen oder ein Handy-Störgeräusch in den Song eingreift. Aber auch die Basics - will meinen Gesang und Instrumente - werden natürlich brilliant umgesetzt.
So haben wir es mit einem soliden, in einigen Aspekten hervorragenden Album zu tun, dass aber die Spannung nicht immer auf dem gleichen Niveau halten kann. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sich die vier Londoner auf etwaigen Lorbeeren nicht ausruhen werden - dürfen sie auch gar nicht angesichts der genannten Konkurrenz.

K. Haller
titel
01 The World Was A Mess But His Hair Was Perfect | 02 Little Superstitions | 03 We Danced Together | 04 Trouble | 05 Suspicious Eyes | 06 On A Mission | 07 Down With Moonlight | 08 When Tom Cruise Cries | 09 Time To Stop Talking | 10 Leave the City and Come Home
Release: 23.02.07 bei V2 Records
|http://de.v2music.com/|
Künstler-Homepage: http://www.therakes.co.uk
cover
Bewertung:
4/5