evor die Beatsteaks sich neu erfinden, geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, sagte mal ein junger Mann im neuen Testament. So hatte ich ja bislang auch gedacht, bin jedoch durchaus gewillt den Berliner Rockrüden mit oralchirurgischer Genauigkeit auf den Zahn zu fühlen (ihr sehr, mir sitzt gerade ein wenig der Schalk im Nacken).
Ich bin ja bekennender Fan der Beatsteaks-Debütplatte „48/49“. Die war schön wild, dreckig und unangepasst. Hör ich auch immer noch gerne. Verrückt! Ich sehe gerade, dass die schon vor 10 Jahren released wurde – solange kenne ich tatsächlich die Beatsteaks schon. Naja, das Folgealbum „Launched“ fand ich schon eher mittel und „Living Targets“ und „Smack Smash“ hatten klar ihre ein-zwei Bretter am Start, aber mehr ist davon auch echt nicht bei mir hängengeblieben. Dennoch haben die Beatsteaks es geschafft auch mal international ein bisschen Fame einzusammeln, was ja überhaupt nicht vielen deutschen Rockern vergönnt ist – und auf jene, die es schaffen, mag man dann auch nicht wirklich sonderlich stolz sein: Man denke an Rammstein oder die Guano Apes.
Mit der neuen Platte ist es auch echt wieder so ein Ding. Beatsteaks bleiben ihrem Sound weitestgehend treu – war ja schließlich auch ein Erfolgsrezept. Beim intensiven Durchhören merkt man dann schon, dass sie viel in Sachen Detailarbeit getan haben. In den Details erkennt man, dass man versucht hat, dichter und ausgefeilter zu werden. Das klingt auch cool und es steht den Beatsteaks auch gar nicht schlecht zu Gesicht, wenn da mal dezente Electro-Spielereien eingeworfen werden. Die Platte ist auch an sich recht abwechslungsreich, was zum Beispiel das Tempo angeht; die Intros zu den Songs sind im Grunde immer verschieden. Jedes Instrument bekommt seinen Raum und auch stimmlich bringt Arnim durchaus mehr als auf den Vorgängeralben. Bis zu diesem Punkt muss man echt den Hut ziehen. Aber das Problem ist, dass die ganz großen Banger einfach nicht dabei sind. Da fehlt einfach ein bisschen die catchyness, leider.
Die erste Single „Jane became Insane“ müssten die meisten ja mittlerweile kennen, ob von der Echo-Verleihung oder ausm Radio. Ein Novum ist bei diesem Track zum Beispiel, der wohl auch der farbenfrohste des Albums sein dürfte, dass mal Frauen ins Mikro summen dürfen. Ansonsten ist der Song aber sowohl vom Songwriting her ausgesprochen ausgebufft, als auch vom Arrangement wirklich interessant gestaltet, mit ordentlich Drive und mitreißendem Groove. Na, wer horcht da auf? Genau – das sind im Grunde auch die Merkmale, die man sonst so an Billy Talent so schätzt. Leider schaffen die Beatsteaks das wie gesagt bei weitem auch nicht immer.
„Sharp, Cool & Connected“ zum Beispiel versucht wohl ein bisschen an die Stunden der größeren Härte anzuknüpfen, ist aber in erster Linie nervig mit seinen Knüppel-Drums. Da kann man sich zwar über die erstaunliche Tightness freuen, aber das wars dann auch.
„Meantime“ hat wahrscheinlich den Sound, den die Beatsteaks brauchen, damit man sie auch in England hört. Schön und gut, aber haut mich echt nicht vom Hocker. Plätschert halt so vor sich hin; charismatisch oder neu oder mitreißend ist das nicht.
Ähnliches gilt auch für Tracks wie „Cut Off The Top“ oder „Demons Galore“. Handwerklich gute Arbeit, auch vom Songwriting, aber die Melodien bleiben eben nicht über das Ende der Tracks im Ohr.
Somit bin ich dann auch recht schnell durch mit der Platte. Alles schon prima gemacht und die Beatsteaks werden mit der Platte auch ihren kommerziellen Erfolg haben, aber der großen Paukenschlag bleibt aus. Live funktioniert das ganze vielleicht auch nochmal ein bisschen besser als auf CD. Ich find das neue Album gut, aber eben überhaupt nicht mehr.










