lectric President. Sicher kann man es niemandem verdenken, bei diesem Bandnamen irritiert und zweifelnd eine Augenbraue zu heben. Aber: Es verbergen sich ganz großartige Ansätze dahinter. Ansätze, die man so spontan diesen zwei Lümmeln aus Florida, die sich auf den Fotos auf ihrer Homepage in einer Tour Glühbirnen ins Gesicht halten, so erstmal nicht zutraut.
Im ersten Track („Good Morning, Hypcrite“) zeigt uns der elektrische Präsident dann höflicherweise gleichmal die Weite seines Herrschaftsbereichs. Die Tatsache, dass er dafür fünfeinhalb Minuten braucht, hat dabei auch schon eine gewisse Aussagekraft. Ein gefühlvoll-zartes Stimmchen beginnt den Rundgang zunächst mit dem Blick über eine gepflegte Poplandschaft, in der selbstbewusst feine Elektro-Pflänzchen symbiotisch mit poppigen Gitarrenklängen zu blühenden Gärten verschmelzen. Nur schade, dass sich dann doch noch eine kleine Baustelle den Blicken der Besucher nicht entziehen kann: Die letzte Minute des Tracks ist doch recht wüst – zu hektische Drum-Loops, zu piepsiger Gesang – ein Fremdkörper in dem sonst sehr wunderbaren Song. Genau diese harten Brüche sind es aber, die das Album an einigen Teilen doch recht eckig klingen lassen. Mir ist dabei leider nicht ganz klar, was die beiden dazu veranlasst hat, wie im letzten Track („Farewell“) durch doch sehr rockige Breaks (die zudem auch noch furchtbar nach Blink 182 klingen) sich selbst zu verstümmeln. Allerdings lassen Textpassagen wie „I’ve lost all my friends“ auch auf die Verarbeitung von Nachwehen der Adoleszenz schließen. Track 8 („Metal Fingers“) gehört auch noch in diese Kategorie der heterogenen Tracks, mit 2 Minuten wunderschöner, äußerst gefühlvoller Musik, zu der man in Wolldecken gekuschelt heiße Schokolade trinken mag, und einem Outro dass nach zugekoksten 90er-Jahre-Chart-Elektro-Pionieren klingt.
Sieht man aber von diesen kleinen Schnitzern ab, so gibt es doch genug Gründe, wieso sich Electric President neben Größen wie „múm“ und „The Notwist“ auf dem Morr Music Label einreihen dürfen. „Ten thousands lines“ als drittes Lied auf dem Album ist beispielsweise ein solches Kunstwerk, dass ganz für sich alleine ein Meilenstein ist. Hier gelingt auch wieder hervorragend die sanfte Komposition von unkonventionellen synthetischen Sounds, rhythmischen Gitarrenriffs, vorsichtig dosierten, aber dann treibenden Drums, vielschichtigem und tragendem aber klaren Gesang und einer Reihe kurzer Breaks.
Abschließend sei noch der Track „Some crap about the future“ hervorgehoben, der sehr gut das stimmliche Potenzial des Sängers Ben Cooper repräsentiert. Munter daher gesungene Parts, in denen der amerikanische Akzent in Coopers Englisch einen ganz besonderen Charme entfaltet, oder sehr hohe, weinerliche Gesänge und ganz besonders diese scheinbar lustlosen, verstört dahingenuschelten Parts reißen schon sehr mit.
Sicherlich befinden sich Ben Cooper und Alex Kane noch in einer musikalischen Selbstfindungsphase. Dies wird deutlich, wenn man sich mal ihren früheren Werke zu Gemüte führt (, die aber unter anderen Namen produziert wurden), die freilich bereits ahnen lassen, zu was die beiden Jungs es vielleicht einmal werden bringen können. Beeindruckend ist allerdings vielmehr der qualitative Sprung, den die beiden von ihren Frühwerken nun zum Album „Electric President“ gemacht haben. Man will sich nach diesem Album gar nicht ausmalen, wo das noch hinführen kann. Kann man auch leider gar nicht. Zumal Electric President mit dem vorliegenden Album einen ersten Versuch unternommen haben elektronischer zu werden. Es werden aber so viele musikalische Richtungen auf der Platte aufgezeigt, sodass vollkommen offen bleibt, welcher Weg in der Zukunft eingeschlagen wird. Hui Hui Hui – das werden interessante Zeiten.










