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"Please Devil, Send Me Golden Hair" von Bubonix
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"Please Devil, Send Me Golden Hair" von Bubonix

ie fünfköpfige Combo Bubonix mischt derzeit ganz schön den deutschen Punk auf. Oder jedenfalls das, was es da noch an staubigen Skeletten durch die Luft zu wirbeln gilt. Ihr Album “Please Devil, Send Me Golden Hair” erntet Top-Reviews und weiß auch den Magagin-Redakteur beim Hören zu erfreuen. “Bubonix sind erfrischend anders” heißt es im Promo-Text - den Eindruck hab ich auch...

N bisschen schwierig ist es jetzt schon, so als Punk-Outsider diesen Kram zu bewerten. Ich mein, meine Punk-Sozialisation beschränkt sich auf Green Day-Tapes von den großen Brüdern (mit 12) und einmal hinfallen mit dem Skateboard (Schrammen an Daumen und Ellenbogen). Dann kam das Skateboard in die Kiste und Green Day waren schon längst wieder uncool - so konnte mich diese Bewegung nie richtig erwischen.
Zum Glück sind Bubonix keine 0815-Punkband, der man 30 Sekunden Aufmerksamkeit für einen Clip auf der durchgestylten Homepage schenkt und dann weiter zappt, sondern eine Combo mit Alkoholerfahrungen jenseits meiner ersten Bäuerchen. Und erst jetzt kommt das Album, nach 13 Jahren Touren, Demos usw. usf. Das verdient schon mal einen Interesse-Bonus, aber beim Anhören von “Please Devil, Send Me Golden Hair” kann dieser Bonus schnell zu echtem Respekt auswachsen.
Wenn mal sich nämlich erstmal dafür entscheiden hat (“entscheiden” muss hier wohl im Sinne von “CD aufklappen und gut oder schlecht finden” verstanden werden), Bubonix ihre Authentizitätssignale abzukaufen, kann man sehr viel Freude an diesem Album haben. Ich darf aber nicht verheimlichen, dass das zumindest für mich schon ein wirklich kritischer Punkt war. Einerseits gibt es nämlich Hits auf “Please Devil, Send Me Golden Hair”, wo die Fangemeinde stutzen wird, andererseits bemüht sich die Band scheinbar um “Andersartigkeit”, wenn z.B. in “Kabhi Khushi” sehr seltsam höher und tiefer gepitchte Stimmen auf simpler Orgelmelodie um die Wette kreischen - da finde ich gar keinen Zugang.
Aber das sind dann doch eher die Fußnoten bei einer Klasse-CD, die von Hits wie “Fashion Tattoo” dominiert wird, wo man die vier Sänger des Quintetts mit reichlich Speichelfäden vor den Mündern vor sich sieht - was natürlich als riesiges Kompliment gemeint ist, vor allem beim Screaming. Man merkt deutlich, dass die Band dieses Album richtig gut machen wollte und dementsprechend liebevoll, präzise und professionell gearbeitet hat. Ein weiterer Höhepunkt ist das Rockabilly-angelehnte “Corazon Vivo Vida”. Die Art, wie “Fuck Love” aus einem im wahrsten Sinne des Wortes gebrüllten Intro noch eine sehr melodische und trotzdem glaubwürdige Hook macht, ist klasse. “Never Forget” brilliert ebenso mit einer überhaupt nicht peinlichen Mischung von “auf die Fresse” und “geht ins Ohr”. Und nicht erst das vorletzte Stück “Free Love On Rügen” verdeutlicht das Paradoxe am Punk, was dieser Musik auch gerade soviel Energie gibt.

Klasse Album, was soll man da noch groß sagen. Inhaltlich jedenfalls nicht viel, weil ich die Texte einfach akustisch kaum verstehen kann, obwohl teilweise sogar in deutscher Sprache geschrien, geflüstert und gesungen wird. Bleibt halt wirklich jedem nur noch die persönliche Einschätzung, ob man sich nun mit dem wilden Kram anfreunden mag oder nicht - und ob man dem wilden Kram seine Wildheit überhaupt abkauft.

K. Haller
titel
01 Kaputt & Weiter | 02 Fashion Tattoo | 03 Corazon Vivo Vida | 04 Remontes | 05 Fuck Love | 06 Kabhi Khushi | 07 Quick | 08 Never Forget | 09 Snakebite | 10 Free Love On Rügen | 11 Code Azuro
Release: 20.04.07 bei nois-o-lution
|http://www.noisolution.de/|
Künstler-Homepage: http://www.bubonix.com/
cover
Bewertung:
3/5