"ould you agree times have changed?"
Bright Eyes’ letzte reguläre Aufnahmen sind 2005 erschienen: “Digital Ash In A Digital Urn” und “I’m Wide Awake It’s Morning”. Zwei grundverschiedene, aber in sich homogene Platten. Und gerade deshalb fand ich sie langweilig. “Cassadaga” ist nun wieder eine feine Mischung. Das Ganze wirkt nicht mehr so roh und ungeschliffen wie zu Anfang. Ein bisschen ist leider auch der Charme der frühen Platten verschwunden, als Bright Eyes noch nicht Headliner beim Hurricane waren, sondern Sonntag morgens auf der Nebenbühne nur eine halbe Stunde kriegten. Als in Song wie “Haligh, Haligh” Conor Obersts Weltverdruss und Sensibilität kulminierten.
Times have changed. Es scheint als wären Subjektivität und persönliches Leiden verschwunden: “Did you know that the wind when it blows - It is older than rome and our joy and our sorrow”, heißt es im “Cleanse Song”. Die Texte sind bedeutend lyrischer, irgendwie intellektueller. Das große Thema Religion scheint über dem Ganzen zu stehen: “The Bible is blind. The Torah is deaf. / The Qur’an is mute. / If you burned them all together you’d get close to the truth” (“Four Wind”). Derartige Deutlichkeit wird nicht selten kontrastiert mit allegorischen Textzeilen: “I had a lengthy discussion about the Power of Myth / With a post-modern author who didn’t exist / In this fictitious world all reality twists / I was a hopeless romantic now I’m just turning tricks” (“Soul Singer in a Session Band”).
Vor Gastmusikern zeigte Conor schon bei “I’m Wide Awake, It’s Morning” keine Scheu. “Cassadaga” quillt über vor diesen: Fast jedes Lied wird von dezenten Frauenstimmen untermalt, Percussion und Streicher komplettieren das Ganze. Musikalisch ist hier auf jeden Fall eine Weiterentwicklung zu beobachten: Professioneller, souveräner, irgendwie runder. Nur ein Song verkraftet das Orchester nicht: “No One Would Riot For Less” - ein klassisches Liebeslied - aber mit der Zeile “Wake, baby, wake but leave that blanket around you” wird es kitschig, das ist zu pompös, zu viel, unglaubwürdig. Schade, dass so das schönste Lied der Platte entstellt wird.
Sehr einprägsam ist auch “Middleman” - Percussion und Rhythmus erinnern an das schöne “The Calender Hung Itself”.
Die neue Bright Eyes-Platte braucht Zeit. Ich fand sie beim ersten Mal hören tendenziell monoton, sie ist aber in erster Linie anspruchsvoll und erfordert Aufmerksamkeit. Eine der Platten, die man sich auf Kassette aufnimmt und nachts im Auto hört, bis man auf leeren Landstraßen aus Selbstvergessenheit nur noch 50 fährt.











