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"Paint Your Target" von The Bandgeek Mafia
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"Paint Your Target" von The Bandgeek Mafia

enn man Kindern einen Chemiebaukasten schenkt und sie damit alleine lässt, dann geschieht in aller Regel immer dasselbe: Willkürlich werden verschiedenste Substanzen zusammen geschmissen und mitunter entsteht dann eine explosive Mischung. „The Bandgeek Mafia“ kommt aus dem bevölkerungsarmen Saarland, wurde somit mit ihren verschiedensten Einflüssen von Ska, Punkrock und Emo alleingelassen und tatsächlich: „Paint Your Target“ ist durchaus explosiv geworden.

Geschmackvoll wird das zwölf Track starke Album mit einem gelungenen Instrumental eröffnet. In gut eineinhalb Minuten wird hier schlicht weg mal gezeigt, dass die Mafiosi so kreative Köpfe sind, dass sie es sich leisten können ganz herrlich groovende Gitarren-Riffs wenig geizig bei einem kleinen Präludium zu verbraten. Das stimmt ganz prima ein und macht so richtig Lust auf mehr.
Umso mitgerissener ist man dann noch, als in „With Me Tonight“ nach wenigen Takten die Bläser-Sektion einsteigt und der bis dahin gitarrendominierten Musik eine ganz neue Dimension gegeben wird. Trompete, Posaune und Saxophon verstehen es im Folgenden hervorragend zentrale Stellen in den Songs zu akzentuieren oder eigene Motive einzuflechten. Dass hier Bläser am Start sind, heißt überhaupt nicht, dass es Geschwindigkeits- oder Härteeinbußen gibt – im Gegenteil: Mit Riffs, die aufgrund ihrer Präzision, Härte und Schnelligkeit viel näher am Hardcore als am Punkrock sind, und fetten Bläsersätzen geht die Mafia hier steil.
Interessant ist vor allen Dingen, was bei dieser Melange aus dem traditionell sehr melancholischen Emo und den unverkennbaren Skaeinflüssen bei herauskommt. „Man muss die Fähigkeit besitzen, im selben Moment sowohl lachen als auch weinen zu können, erst dann ist man in der Lage unsere Musik zu verstehen“, sagt die Bandgeek Mafia über sich selbst. Das stimmt insofern, dass das Gefühlspendel wirklich wild durch die Gegend schlackert. Also beste Vorraussetzungen für eine Katharsis. Nee, Quatsch. Aber „My So Called Deepest Fall“ vereint zum Beispiel wirklich in einem Song diese Breite von Gefühlen: Es geht melancholisch und - durch die Bläser - geradezu getragen los. Die Screamings zeugen gekonnt von unerträglichem Leiden, bis dann die Bläserfraktion zum wilden Skapart überleitet.
Selbst „Facelift“, das einen für die Platte verhältnismäßig starken Skaeinschlag hat, gefällt mir hervorragend. Und jetzt hab ich ja schon genug gelobt, dass ich mit der Wahrheit rausrücken kann: Ich finde Ska eigentlich scheiße. Ja. Will ich jetzt auch nicht weiter ausführen, ich würde (fast) nur beleidigend und diskriminierend werden und es tut ja auch nicht recht was zur Sache, weil ich hier ja eh nix zu meckern hab. Die Skaparts nerven nicht durch Eintönigkeit und können auch nicht als, ich sag mal, „Loser-Ska“ bezeichnet werden, den manche Punkbands meinen machen zu müssen, weil sie irgendwen kennen, der mal ein halbes Jahr Trompetenunterricht hatte. Ja, wie gesagt: Hier läuft es einfach. Saxophon, Trompete und Posaune sind ausgesprochen tight und sorgen immer wieder für noch mehr Schwung.
Sänger Achim Scherer bereitete mir zwar anfangs ein bisschen Bauchschmerzen, weil seine Stimme noch recht jung klingt, aber dafür kriegt er es prima auf die Reihe die vielen Emotionen der Songs zu transportieren, sich dabei aber dennoch eine erfrischende Leichtigkeit behält. Dabei bekommt er allerdings auch ausgesprochen tatkräftige Unterstützung vom Trompetenschlumpf Dennis Malina, der sich beizeiten zu großartigen Shouts hinreißen lässt und somit in den Emoparts für noch mehr Power sorgt.

Geschmack beweist die Bandgeek Mafia schließlich abermals dadurch, dass sie den letzten Track des Albums unplugged spielen. „Just Friends“ überzeugte dabei bereits in der normalen Version durchaus. In der Akustikversion kommen hier allerdings nur zwei Akustikgitarren und ein Schellenring zum Einsatz und der Gesang bleibt durchgehend clean. Bei solchen Umsetzungen scheiden sich natürlich immer die Geister. Ich bin allerdings zumeist sehr skeptisch, wenn vielschichtige Songs auf so eindimensionale Popliedchen runtergestampft werden. Jap, hier auch. Aber das ist hier auch kein großer Schnitzer: Das Album ist wundervoll und es werden sich auch eine Menge Menschen finden, die auch diesen letzten Song richtig feiern.
Je nachdem wie ambitioniert die Mafiosi sind, aus ihrem Musizieren was rauszuholen, kann ich mir schon sehr gut vorstellen, dass ihnen im subkulturellen Bereich gewisse Erfolgschancen zuzutrauen sind. Live können die ja eigentlich auch nur großartig sein.
Ich hoffe die sechs jungen Musiker aus dem Saarland bleiben bei ihrem unkonventionellen Erfolgsrezept. „Erst das Wasser dann die Säure“ ist ja auch nur was für Langweiler.

S. Krutzinna
titel
01 Introduction | 02 With Me Tonight | 03 My So Called Deepest Fall | 04 Consequences | 05 Facelift | 06 Just Friends | 07 It's Still Bleeding | 08 Blockhead Show | 09 Take It All Away | 10 The Anthem | 11 Chica Go! | 12 Just Friends (Acoustic)
Release: 15.06.07 bei Long Beach Records
|http://www.longbeachrecords.de|
Künstler-Homepage: http://www.thebandgeekmafia.de
cover
Bewertung:
4/5