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"Submarine" von Pure Sound
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"Submarine" von Pure Sound

-Boote sind ein prima Beispiel dafür, dass technologischer Fortschritt auch seinen Niederschlag in der Musik findet. Pure Sound sind nicht die ersten, die sich daran versuchen, Atmosphäre und Ästhetik von (U-)Booten zu vertonen. Prima hinbekommen hat dies zum Beispiel auch Matt Elliott mit seiner musikalischen Interpretation des Kursk-Untergangs. Pure Sound versuchen sich mit ihrem aktuellen Album „submarine“ an einer experimentelleren Ambient-Vertonung mit stärkerem Fokus auf die Militär-Ästhetik – ob das gelingt?

Der Opener „Breath Deep, My Love“ soll angeblich ein Ambient-Dance-Track sein, aber ich bin weit davon entfernt in Schwung zu kommen. Industriell-maritimes Soundgefrickel mit Sprachsamples wird halt nicht schwuppdiwupp zu einem fetzigen Stück, nur weil man einen monotonen Beat dazutut. Der blubbernde Bass gefällt allerdings. Aber interessant ist, dass hier ein Schiffsunglück vertont wird, nämlich den Untergang der Lusitania im Jahre 1915. Die Stimmung hier ist gar nicht mal so finster; ja die Hoffnung der Jungs, die nach den Überlebenden suchen, schwingt im Grunde mit. Aber ich denke ohne den Text würde ich nicht drauf kommen, dass es sich hier wirklich um den Untergang eines Schiffes dreht…

Mit „Submarine“ geht es dann aber doch tiefer ins Thema. Gespräche über Funk liegen auf einer hysterisch schrammelnden Akustikgitarre, die übrigens von Boz Hayward bedient wird. Vielmals bricht die Gitarre dieses Spiel ab und lässt damit das permanent gegenwärtige Rauschen und die Radargeräusche in den Vordergrund treten. Dass immer wieder andere Stimmen zu hören sind, lässt einen etwas verloren fühlen, was nochmals verstärkt gilt, als eine der Männerstimmen zum Ende des Tracks lallend versucht ein wenig zu singen. Besoffene Besatzungsmitgleider eines U-Bootes sind ja nun auch wirklich nicht das Anheimelndste aus dem Bereich des Vorstellbaren.

Aber mal was anderes: Was denkt man wohl kommt bei heraus, wenn man eine Ambient-Platte zu U-Booten macht? Eigentlich vollkommen klar: Ewig-episch lange Songs. Aber von wegen! „Submarine“ ist zwar knapp fünf Minuten lang, damit aber ein absoluter Ausreißer nach oben. Die meisten Tracks sind zwischen einer Minute und gut zwei Minuten. Also wirklich nur Soundhäppchen und nicht Soundscapes. So zum Beispiel der Track „Atlas“ mit mickrigen eineinhalb Minuten Spielzeit, der aber wirklich spannend ist. In einer extremen Nüchternheit berichtet eine Männerstimme von einer verlorenen Liebe. Die Worte sind zum Teil sehr konkret, verschwimmen stellenweise allerdings deutlich ins Abstrakte (Die Sprachparts sind übrigens zum Teil von Platten, die Pure Sound-Mastermind Vince Hunt auf alten Vinyls seines Onkels gefunden hat). Damit kann man dann schon Zeit verbringen: Sich die Texte durchlesen und versuchen hinter die Worte zu schauen. Die Instrumentierung, die meist wirklich auf den ersten Lauscher unspektakulär ist, offenbart dann beim wiederholten und lauteren Hinhören schon, dass an den Sounds drei Jahre gearbeitet wurde und es durchaus eine Komplexität zu entwirren gibt. Aber das ist eben das Ding: Für diese Platte muss man Zeit und bewusste Aufmerksamkeit mitbringen. Das ist halt das genaue Gegenteil von Easy Listening.

„Get My Cutting Head Down“ ist ein ziemlich abenteuerliches Durcheinander von Soundschnipseln. Herauszuhören sind etwa Schiffshörner, kalte Klavierakkorde, das Klappern von Steinen aufeinander, Rückwärtsgitarren und so etwas wie ein Zahnarztbohrer. Und Sprachsamples und Sachen, die ich nicht identifizieren kann. Ja, ich kann das nachvollziehen, wenn man das cool findet. Aber auch nur schwer.
Ich persönlich finde es immer auch ganz schön, wenn ein bisschen Harmonie erhalten bleibt, die Experimentalmusik eher auf der Seite der Musik als auf der Seite des Geräuschs stattfindet. Natürlich kann man auch bei „Geräuschmusik“ seinen Spaß haben und kräftig rätseln, was da vor sich geht oder sich einfach umlärmen lassen. Beim Album „Submarine“ merk ich auf jeden Fall, dass alles ganz ausgesprochen geschickt arrangiert ist und kluge Leute sich viel Mühe gegeben haben und auch was Gutes bei herausgekommen ist. Aber mir persönlich sind es zu viele Sprachsamples (wenngleich die natürlich super Funkspruch-Atmosphäre etc. erzeugen), zuwenig musikalische Zusammenhänge und insgesamt ist mir auch alles ein bisschen zu hastig. Die kurzen Tracks sind irgendwie immer schon vorbei, sobald ich mich zu Recht zu finden beginne. Eigentlich schade, denn die Idee mit den U-Booten ist nicht schlecht.

S. Krutzinna
titel
01 Breathe Deep, My Love | 02 Submarine | 03 Devastating Change | 04 Atlas | 05 Believe in Something | 06 The most exciting moment of my life | 07 Get my cutting head down | 08 Goodbye, I mean it | 09 The Lighter Apparatus | 10 The South Machine Shop | 11 Three Legged | 12 Finished with Main Engines
Release: 28.05.07 bei Euphonium Records
|http://www.euphoniumrecords.com|
Künstler-Homepage: http://www.euphoniumrecords.com/puresound.htm
cover
Bewertung:
3/5