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"Minutes To Midnight" von Linkin Park
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"Minutes To Midnight" von Linkin Park

ennt ihr das? Man sitzt in der S-Bahn, träumt so vor sich hin und bei der nächsten Haltestelle steigt plötzlich ein wunderschönes Mädchen ein und man denkt: Yes, Tag gerettet! Doch der Blick, der genussvoll von den Füßen über die Beine höher wandert, bleibt plötzlich hängen. Als Symbol für eine furchtbare Desillusion prangt am Kragen des fetzigen Cord-Blazers ein Linkin Park-Button...

Wie bei im Grunde allen sehr populären Bands gilt auch für Linkin Park, dass es Vieles zu entdecken gibt: Was finden so viele (junge) Menschen an der Band eigentlich so großartig? Was ist ihr Erfolgsrezept? Wieso genau muss man Linkin Park doof finden? Sind nur die MTV-Hits doof oder finden sich doch ein paar Perlen auf den Alben?

Seit „Meteora“, dem letzten Album der Band, aus dem Jahr 2003 ist ja einiges passiert. Den meisten dürfte das Feature mit Jay-Z in Erinnerung geblieben sein, das wohl einige Menschen als eine Art Versöhnung zweier Genres wahrgenommen haben dürften. Linkin Park hat das gut gefallen und Backup-Sänger und Bandrapper Mike Shinoda gründete das Soloprojekt Fort Minor, das auf dem ersten Album „The Rising Tied“ gleich auch renommierte Gäste hatte: Black Thought von den Roots und John Legend waren unter anderem dabei.

Interessant ist, dass Mike Shinoda definitiv nicht rappen kann. Also nicht besser als ein durchschnittlicher Berliner Vorstadt-Grundschüler. Das demonstriert er zum Beispiel recht eindrucksvoll in Tracks wie „Bleed It Out“ auf dem aktuellen Linkin Park-Album. Man hört seine weiße Hautfarbe förmlich – ich glaube es gibt keinen einzigen Schwarzen, der so rappen würde. Aber klar – so findet man eben den Weg ins Kinderzimmer von 14-Jährigen. Man soll schön jedes einzelne Wort verstehen, schön einfache Sprache benutzen, damit jeder Depp mitkommt und in Sachen Swearwords beschränkt man sich dann doch besser auf ein gediegenes fuck.
Es gibt aber tatsächlich auch einige weitere musikalische Exkurse auf der Platte – was ja im Grunde erstmal gar nicht verkehrt ist. „Shadow Of The Day“ zum Beispiel hat sehr starke Electro-Einflüsse. Schüchterne Rückwärtsgitarren und ein einfacher Beat machen den Anfang und stellen die Grundlage für einen melodiösen Gesang. Später finden sich noch Synthie-Streicher ein. Aber so ganz neu ist das ja bei Linkin Park auch nicht. Die elektronische Komponente schubste ja schon früher den Soundcharakter in eine industrielle Ecke. Das hier ist ein Popsong made for MTV. Langweilig, uninspiriert, simpel und ohne Esprit. Charme, Charisma oder Emotionalität können solche Songs ja durchaus noch retten, sogar zu ganz großen Hits machen – aber hier ist davon leider nix zu spüren. Ich denke eher, dass das was hier passiert, in der Politik als Stimmenfang bezeichnet würde. Für jeden soll irgendwie was dabei sein und es soll möglichst niemand vergrault werden, weshalb dann jeder Schwenk in andere Genres doch auf einem sehr moderaten Level passiert…

Nun, die ganzen Streifzüge in fremde Gefilde gehen dann aber doch nicht so weit, als das man sagen könnte, Linkin Park hätte seine Kernkompetenz völlig aus den Augen verloren. Die Songs mit den NuMetal-typischen Strukturen wie sanfte Strophe / harter Refrain / sanfte Strophe / harter Refrain / ganz wilde oder verrückte Bridge und dann nochmal nen Refrain gibt es natürlich auch noch. So zum Beispiel auch in „Given Up“. Auch „No More Sorrow“ ist eigentlich ein gut hörbares Brett. Das ist vielmehr „straight to the point“ als bei den vielen anderen langweiligen Songs und der Refrain mit Screaming und fetten Gitarrenriffs geht einfach mal schön nach vorne – das hört man sich einfach gerne an, da macht sich die luxuriöse Produktion doch schon mal bezahlt.
Also: „Minutes To Midnight“ ist überhaupt nichts Besonderes – es gibt kein einziges Lied, das ich mir freiwillig, in meiner Freizeit sozusagen, mal anmachen würde. Wer Musikgeschmack hat, kann meiner Meinung nach diese Platte nur doof finden, denn sie ist einfach durchweg uninspiriert. Andererseits ist sie natürlich super produziert und an manchen Stellen reicht das auch einfach schon um mal ein Fußwippen zu erzeugen – aber das ist auch alles. Es ist halt billig wegkonsumierbare Rockmusik, die wohl vielen Schülern, die nicht wissen, dass es interessantere Musik gibt, reichen wird – und die nicht merken, dass die Emotionalität in den Songs auch nur sehr schlecht gespielt wird.
Ja, im Grunde gibt es für diese Platte nur ein Fazit: „Minutes To Midnight“ ist das perfekte Tape für den Klassenfahrtbus. Da ist für jeden was dabei: Für die Rocker, Hip-Hopper, Bravo-Leser, Tagebuch-Mädchen und und und… Und die Lehrer können sich ins Fäustchen lachen und sich freuen, dass sie selbst früher Musik gehört haben, die um Längen rebellischer war. Doch davon ahnt der Durchschnittsteeny wohl nichts.

S. Krutzinna
titel
01 Wake | 02 Given Up | 03 Leave Out All The Rest | 04 Bleed It Out | 05 Shadow Of The Day | 06 What I've Done | 07 Hands Held High | 08 No More Sorrow | 09 Valentine's Day | 10 In Between | 11 In Pieces | 12 The Little Things Give You Away
Release: 11.05.07 bei Warner Music
|http://www.warnermusic.de|
Künstler-Homepage: http://www.linkinpark.com
cover
Bewertung:
2/5