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"Dreams Of The Earth" von Ulme
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"Dreams Of The Earth" von Ulme

ie Discographie von Ulme liest sich echt merkwürdig - da steht der letzte Langspieler nämlich dem Jahr 1999 zugeordnet. Und jetzt, 2007, das fünfte Album der Band, nach Trennung und ewig langer Pause? “Dreams Of The Earth” will aber keinen Retro-Grunge, will den Eindruck vermeiden, man habe all die Zeit hinterm Mond gelebt und jetzt sei alles wie vorher. Das führt zu einer progressiven Ausrichtung der Band um die Brüder Arne und Jan-Eric Heesch, die aber nicht 100% befriedigend gelingt.

Das ist ja eigentlich wirklich unglaublich, was einem die heutigen “Newcomer-Bands” aus dem Genre “Alternative Rock” um die Ohren hauen. Gerne nennen die sogar Grunge-Wurzeln, da kommt man ja gar nicht mehr aus dem Kotzen heraus. Ulme machen solchen Bands ganz lässig vor, wie alternativer Rock eigentlich klingen kann. Einerseits kommt das Trio hörbar aus dem Grunge und bedient sich dementsprechend in Do-It-Yourself-Manier an hochgradig verzerrten Gitarren, Gesang, der zwischen exzessivem Screaming und fast schon unsicheren, introvertierten Strophen pendelt und gleichermaßen unorthodoxen wie kickenden, mal gitarren-, mal gesangs-dominierten Song-Strukturen. Andererseits suchen die Jungs ganz offensichtlich eine Schnittmenge mit dem Progressive Rock, den Bands wie Tool in Perfektion zelebrieren. Das zeigt sich nicht nur in der Länge der Songs, sondern auch in der Dynamik (man höre z.B. mal in “Secluded” rein, ein über neun Minuten langes Monster voller Tempowechsel). Dabei greifen Ulme auf ihre geballte Erfahrung zurück und man hört “Dreams Of The Earth” an, dass es irgendwie aus dem Handgelenk zu kommen scheint. Was ja wiederum einen nicht unbeträchtlichen Unterschied z.B. zu einem Tool-Album darstellt. Das Ganze kann dann man wie in “Isa” balladenartig verpacken oder wie in “Coagulation In The Morning” als Faust zum Schlag auf die Fresse komprimieren.

Wir resümieren also mal: Da steckt eine gehörige Portion Lässigkeit in diesen ausufernden und doch rumpelnden Song-Epen. Ich könnte mir vorstellen, dass eingefleischte Progger da kompromisslos die Nase rümpfen, da Ulme sich eben nicht auf die unmenschliche Frickelei und Tüftelei eingelassen haben (oder man ihnen solches zumindest nicht anhört). Und in der Tat wünsche auch ich mir an einigen Stellen etwas mehr “Studiobewusstsein” auf “Dream Of The Earth”. Klar ist es geil, wie Ulme die Energie eines Live-Gigs auf Platte kanalisieren, aber vor meinem inneren Auge läuft ständig ein Film ab, in dem Sänger Arne Heesch beim Einsingen so abgeht, dass das Mikrofon seinen wackelnden Kopfbewegungen nicht folgen kann. Haha, das ist natürlich nur Einbildung, aber ihr versteht doch was ich meine, oder? Dann sind da auch immer wieder so komische Effekte auf der Gesangsspur, Flanger, etc. - na, so ein richtiger Grund zum Meckern ist das aber nicht. Dafür weiß man ja auch, dass man ein authentisches Album bekommt - Ulme haben selbst produziert und auch beim Artwork mitgearbeitet. Und diese gesangliche Unsicherheit kann man auch als Zerbrechlichkeit interpretieren, die der Musik erst so richtig das Besondere gibt.
Fazit: Ich würde einen Song wie “Trapped In The Absurd” gerne mal in der Disco hören. Da wird leider immer noch Nirvanas “Smells Like Teen Spirit” als allabendlicher Höhepunkt zelebriert - was den Wert von “Dreams Of The Earth” noch steigert. Ja, es gibt neue Bands, die man wieder feiern kann. Cobain ist tot. Ulme leben. Wacht mal auf und lasst den alten Schmu hinter euch. Das gilt auch für all die Nachwuchsbands, die sich von diesem Album väterlich an die Hand genommen fühlen dürfen.

K. Haller
titel
01 The White Hallways | 02 Trapped In The Absurd | 03 Secluded | 04 Leaves Are Falling | 05 Isa | 06 Coagulation In The Morning | 07 Dreams Of The Earth | 08 The Artificial God | 09 Amber Eyes | 10 Moonlight
Release: 08.06.07 bei nois-o-lution
|http://www.noisolution.de/|
Künstler-Homepage: http://www.ulme-music.com
cover
Bewertung:
4/5