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"Our Love To Admire" von Interpol
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"Our Love To Admire" von Interpol

ei einer Platten-Rezension hat der Journalist zwei Möglichkeiten: Er kann das Album Track für Track durch gehen, dabei Schwächen und Stärken heraus arbeiten und dann ein Fazit ziehen - was häufig bei Debüts oder unbekannteren Bands ratsam ist. Die zweite Möglichkeit: Er betrachtet das Werk als Ganzes, verweigert den detaillierten und lässt sich ein auf einen abstrakten Zugang - ein Muss bei Bands von Format. Interpol sind eine solche Band.

Es würde schlicht an Blasphemie grenzen, Interpol anhand ihres neuen Albums “Our Love To Admire” zu sehr auf die Finger zu schauen. Vom ersten Takt an hat diese Band bei mir einen fast schon gefährlichen Nimbus - ich weiß sofort, dass ich diese CD über den Himmel loben werde. Ohne mich auch nur einmal mit den Texten von Sänger Paul Banks bewusst auseinander gesetzt zu haben, ohne all die feinen Melodien komplett verstanden zu haben, ohne das Album überhaupt zu kennen. Interpol sind einfach von einem elektrisierenden Mythos umgeben, den man entweder spürt oder halt nicht. Ich kenne genug Leute, die die Band langweilig finden würden - ich fühle mich bei ihr intuitiv so geborgen wie in der Umarmung eines guten Freundes.
“Our Love To Admire” ist das dritte Album der vier New Yorker, die zum ersten Mal in ihrer Heimatstadt aufnehmen konnten (zuvor musste ein winziges Studio in Connecticut herhalten). Das Debüt “Turn On The Bright Lights” war in vier Jahren harter Arbeit entstanden, der Nachfolger “Antics” mal eben zwischen zwei Tourneen. Für “Our Love To Admire” dagegen nahm sich die Band erstmal eine Pause von drei Monaten und setzte sich dann gemeinsam vor eine leere, weiße Tafel - die sich relativ bald mit den Strukturen der ersten Single “The Heinrich Maneuver” füllte. Es ist so schwer, den neuen Interpol-Sound zu beschreiben, dass jedem angeraten sei, selbst mal in diesen Song reinzuhören. Vielleicht ist es eine neue Lockerheit, die die Band bezeichnenderweise das Thema “West Coast” wählen ließ? Today my heart swings...

Dann muss aber auch erwähnt werden, dass “Our Love To Admire” auch mit den bekannten und so geschätzten Interpol-Stärken versehen ist: Präzision und Konzentration. Die Musik ist unheimlich schlicht, es gibt keine überflüssigen Töne und keine haarsträubenden Effekte. Dass trotzdem so eine pathetische Größe zustande kommt, ist einem ungehörigen Talent für Dramaturgie geschuldet. Mit Carlos D. hat man zudem einen hervorragenden Bassisten an Bord, der die epischen Riffs des nicht weniger formidablen Gitarristen Daniel Kessler mit dem nötigen Groove versieht. Banks’ etwas hölzerne Stimme ist das luxuriöse Etwas in dieser göttlichen Combo, die durch den klugen Drummer Sam Fogarino ergänzt wird. Auf die Finger schauen darf hier nur einer wie Rich Costey (Franz Ferdinand, Muse, The Mars Volta), der der Band als Co-Produzent zur Hand ging. Beim Produkt merkt man gar nicht mehr, dass da auch handwerklich eine Menge drin steckt.
Tja, ein Album, das alles hat. Langsam macht es sich mit dem elegischen “Pioneer To The Falls” auf die Reise, schubst den Hörer von einem Stück ins nächste und entlässt ihn erst wieder mit “The Lighthouse”, einem epischen Kraftakt, der zum Schluss die vielen schönen Schauer in eine Gänsehaut verwandelt - ohne endgültig zu erlösen. Da bleiben Fragen offen, die die zitternde Hand zum Drücken des Repeat-Knopfes bewegen. Immer und immer wieder. Von manchen Umarmungen kann man einfach nicht genug bekommen.

K. Haller
titel
01 Pioneer To The Falls | 02 No I In Threesome | 03 The Scale | 04 The Heinrich Maneuver | 05 Mannoth | 06 Pace Is The Trick | 07 All Fired Up | 08 Rest My Chemistry | 09 Who Do You Think | 10 Wrecking Ball | 11 The Lighthouse
Release: 06.07.07 bei Capitol
|http://www.capitolmusic.de/|
Künstler-Homepage: http://www.interpolnyc.com
cover
Bewertung:
5/5