ingdingding macht der Stempelautomat und eine neue Platte mit dem Etikett “UK” flattert durch den Briefschlitz in meiner Tür - was derzeit in einem Rhythmus geschieht, der dem Stepptänzer Fred Astaire alle Ehre machen würde. “Hit The Ground Running” von 32 Frames Per Second gibt aber weniger das lässige Tappen betrunkener Doherty-Enkel wieder, als das eifrige im-Tempo-Mitzählen beflissener Punks.
Ohne jetzt mit den Szenecodes wirklich vertraut zu sein: 32 Frames Per Second sehen mal gar nicht aus wie Punks. Wenn ich ins Grab von Sid Vicious telefonierte - was ich aus nahe liegenden Gründen lieber nicht tue - würde der sich wohl kaputt lachen, wenn man ihm die vier Jungs aus der englischen Provinz als Spielkameraden vorsetzte. Was aber weder die Band noch deren musikalisches Debüt schmälern soll: Punk-Musik ist halt im 21. Jahrhundert angekommen. Da heißt das dann nicht mehr schlicht “Punk”, sondern “Melodic Punk”. Man wird ohne meterhohen Iro auch nicht mehr von der Bühne geprügelt. Die Zuschauer sind eh zwischen 11 und 66 Jahren alt. Und auch mal was relevantes für eine CD-Rezension: Musikalisches Können wird vorausgesetzt, Do-It-Yourself-Künstler werden ausgelacht.
Das war dann auch mit dem “Mitzählen” im Eingangsabschnitt gemeint: Die Jungs von 32 Per Second haben das bestimmt Jahre lang gemacht und dabei die Automatismen entwickelt, die dann das gnadenlose Tempo auf “Hit The Ground Running” erst ermöglichten - wobei übrigens auch vor kniffligen Tempowechseln nicht Halt gemacht wird. Das Können zeigt sich aber auch im Gesang: Das “Melodic” in “Melodic Punk” sagt wohl einfach, dass da ein Sänger steht, der entweder einen Ton gerade trifft und auch mindestens eine Sekunde so halten kann oder über ein gutes Autotune-Gerät verfügt. Häufig gibt es dann zwei davon (zwei Sänger, nicht Geräte), die sich in harmonischem Satzgesang über wahnwitzig treibendem Schlagzeug und böse-funkelnden Gitarrenwänden über Wasser halten. Eigentlich genau das, was man von NOFX, Lagwagon oder No Use For A Name kennt. Alter Hut.
So. Jetzt loben wir erst mal diese CD. Denn: Sie erfrischt den Autor dieser Zeilen gerade ungemein. Gleich die ersten Lieder unterhalten einfach bestens - Profi-Punk heißt auch, dass die Produktion nicht mit Effekten zu sparen braucht. Das perlt einem nur so entgegen, was aber leider nicht über die komplette Albumlänge beibehalten werden kann. Auch über die Halbwertszeit der Songs und ein potenzielles Verstauben im CD-Regal kann man sich Sorgen machen - aber jetzt noch nicht! Im Moment liefern mir 32 Frames Per Second genau den Soundtrack den ich brauche. Sucht euch einfach selbst einen der plakativen Titel aus, der gerade zu eurer Stimmung passt und hört mal rein...
Hier wird absolut nichts Neues geboten, aber das Altbewährte machen die Jungs gut und stehen auch dazu - ist das dann wirklich so schlimm? Man muss wohl echt verkiffter Kunststudent im 14. Semester sein, um hier ernsthaft mit dem Wort “Plagiat” zu pöbeln. Immerhin fällt mir noch etwas interessantes auf: Das vom Label mitgelieferte Promo-Info spuckt zu einem nicht unwesentlichen Teil des ohnehin kurzen Textes rüde Töne gegen NME, Indie-Haircuts und Co. und vermeldet das rasche Wachstum “einer aktiven Punk- und Hardcore-Szene, die abseits vom Medienhype immer größer und spannender wird”. Wenn die Ablehnung dämlicher Musik-Magazine eine Grundlage dafür ist, feier ich gern mal mit.











