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"Spread The Word" von The Babylon Underground
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"Spread The Word" von The Babylon Underground

abylon Underground, klingt wie zwei trendy Wörter willkürlich zusammengefügt, soll aber ein Bandname sein! Stellvertretend für sehr viele Indie-Bands in Deutschland möchte ich an dieser Stelle ihre Platte deren Album „Spread The Word“ verreißen.

Ich hab das schreckliche Pech in einer Stadt zu leben, deren Subkultur so ausdifferenziert ist, wie das kulinarische Angebote an einer Bratwurstbude. Die Menschen in dieser Stadt haben entweder gar keinen Musikgeschmack oder finden so Britpop und Indie schön. Das führt zu allem Unglück noch dazu, dass immer mehr Clubs entsprechende Veranstaltungen anbieten. Ja, gut – da kann man jetzt mutmaßen, dass das dazu führt, dass wilde junge Menschen freitagabends zuhause sitzen und zu zynischen Musikjournalisten werden. Aber für Selbstironie ist in diesem Pamphlet nun wirklich kein Platz.

Was mich besonders bei deutschem Indie-Gedöns anpisst – und damit sind wir jetzt bei The Babylon Underground – ist das unheimliche Selbstbewusstsein der Bands mit dem sie ihre eigene Authentizität beteuern. Aber man hört an allen Ecken und Enden die Anlehnungen an die großen Brüder in England und den USA. Schlimm ist irgendwie auch, dass diese verwirrten Bands auch noch Leute finden, die sie feiern. Vornehmlich Studenten natürlich, die sich weitestgehend auf eine ähnliche Art klasse fühlen.

Dabei muss ich zugeben, dass das soeben durchgelaufene Lied „Send All The Angels“ schon flott voranging. Ja, gut – n paar helle Momente hat jeder mal. Die Sympathie, die ich geneigt bin Sänger Julian entgegenzubringen, wird aber gleich wieder verscheucht.
„By TV Light“ klingt nämlich schon mal arg doll nach Jeff Buckley. Klar – der ist n Guter! Nur ist die Musik einfach lang nicht so ausgefuchst wie vom Meister. Und Julians Stimme merkt man schon mächtig an, dass sie dabei ist Herr Buckley nachzuahmen – und daran scheitert. Und Julian vergibt dabei die Chance etwas von sich selbst zu zeigen.

Wer glaubt der Herr Rezent sehe mal wieder Gespenster, kann das gerne nachprüfen. Und dann bitte mal gleich in den Folgetrack „Seventy Miles Away“ reinhören. Und welche Assoziation wird einem da eingeprügelt? Yes. Radiohead. Die Riffs sind zum verwechseln ähnlich mit einschlägigen Epen der Band um Thom York. Und natürlich wieder das gleiche mit dem Gesang. Der Versuch der stimmlichen Imitation scheitert – wie natürlich zu erwarten ist – an den hohen Spitzen in denen der gefühlte Schmerz die Stimme bricht. Damit so was richtig klappt, muss man eben vorher schon wesentlich weniger gepresst singen. Und man muss gute Texte schreiben und nicht „Sweet as a flower, nothing compares to you“. Ich unterstelle dem hiesigen Texter mal, dass er diesen Widerspruch nicht gecheckt hat, mal ganz davon abgesehen, dass der Vergleich eines Mädchens mit einer Blume auch keine neue Lyrik-Epoche einläuten wird.
„Born On The Third Of December“ hat zugegeben einen schönen Sound. Voll und rund und wild und dreckig. Aber Julian kann sich auch hier das Singen nicht verkneifen, wie übrigens in allen Liedern auf dem Album.

Skurril und unsittlich ist es dann solche Bands als besonders authentisch anzupreisen, denn davon kann ich hier weit und breit nichts erkennen. Mäßig wird hier Vorbildern hinterher gewetzt, aber was Neues, Eigenes wird in meinen Augen nicht geschaffen. Muss ja auch nicht. Gib ja eben oben genannte Leute, die die Platten dann doch kaufen – und vielleicht mit dieser hier auch nicht vollends falsch bedient wären. Nur mich berührt das überhaupt nicht.
Letzter Seitenhieb: In einem pathetischen Moment sagte Sänger Julian „Wenn ihr demnächst einen Kerl mit Gitarre am Bordstein sitzen seht, werft ihm keinen Zehner in seinen Gitarrenkoffer – hört ihm einfach zu!“ Ich meine in dem Satz (der bei weitem nicht die Ausdruckskraft hat, die ihm wohl zugedacht war) etwas Zentrales erkennen zu können. Den Leuten hier geht es vielmehr um das Image des Straßenmusikers; einen Mensch, von dem andere Leute glauben, dass er nur für seine Musik lebt und deswegen bewundert wird. Aber Babylon Underground sind keine Leute, die für ihre Musik leben – denn sie haben keine Eigene. Sie leben vielleicht für die Illusion Künstler zu sein, für ein Image für den Fame bei Geschmacklosen.

S. Krutzinna
titel
01 Talking About The Slaves | 02 Number One | 03 Send All The Angels | 04 By TV Light | 05 Seventy Miles Away | 06 May I Shoot You | 07 Born On The Third Of December | 08 Outro
Release: 12.07.07 bei Radar Music
|http://www.radar-music.cms-domain.de|
Künstler-Homepage: http://www.thebabylonunderground.com
cover
Bewertung:
2/5