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"Lady's Bridge" von Richard Hawley
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"Lady's Bridge" von Richard Hawley

ichard Hawley... Was für eine Geschichte. Der Typ macht mit seiner Band The Longpigs recht erfolgreiche Mucke - bis die Gruppe und ihr Sänger im Drogensumpf verschwinden, sich auflösen und erst eine Koryphäe wie Jarvis Cocker kommen muss, um dem Musik-Opfer wieder auf die Beine zu helfen. Hawley hat dann irgendwann keinen Bock mehr, sich den Tourstress mit Pulp noch länger anzutun und will aussteigen. Da hört sich Cocker mal Hawleys Demos an - die Solokarriere beginnt.

Und erreichte zuletzt durch das vierte Solo-Album “Coles Corner” mit einer Nominierung für den Mercury Prize ein echtes Zwischenhoch. Jetzt liegt hier “Lady’s Bridge” auf meinem Schreibtisch (oder besser gesagt auf meiner Festplatte, da Hawley seit 2005 für das Major Label EMI arbeitet, wo nur noch digitale Kopien an Journalisten verschickt werden) und ich finds erstmal lahm. Schnulzig. Sowas kann man vielleicht mal jemanden “entdecken lassen”, der Mitte dreißig ist und Robbie Williams gut findet. Jetzt stelle ich mir vor, wie der- oder diejenige dann halbrythmisch zu den zwei Rockabilly-Nummern “Serious” und “I’m Looking For Someone To Find Me” mitwippt. Das ist ziemlich uncool.
Dabei genießt Hawley, wenn man den ersten Recherche-Ergebnissen Glauben schenken darf, eine Menge Respekt unter den Global Players im Musikbiz, durfte Coldplay, Radiohead und R.E.M. supporten und die Arctic Monkeys, die letztendlich den oben angesprochenen Mercury Prize mit nach Hause nehmen durften, sprachen dabei von einem “Diebstahl” gegenüber dem ebenfalls nominierten Hawley. Auch als Studiomusiker ist Hawley gefragt und taucht mit seiner Gitarre in Songs von Gwen Stefani (“Wonderful Life”) und All Saints (“Under The Bridge”) auf.
Dann sollte man auch mal sagen, was ganz gut an “Lady’s Bridge” ist. Hawley ist ein Typ, bei dem es eigentlich selten langweilig wird. Der Mann kann sich hinsetzen und singen und die Leute werden applaudieren, denn seine Stimme und Erfahrung allein sind sicher schon das Geld wert. Für “Ladys Bridge” leistete sich Hawley dann auch noch ein 16köpfiges Streichorchester, Steel Drums, Slide Guitar und so Zeugs - halt alles, was ein Singer/Songwriter gern so dabei hat. “Ich wollte nicht das Rad neu erfinden oder etwas in der Art. Ich schreibe Songs und spiele Gitarre, und das war’s auch schon. Da gibt es kein großes Geheimnis. Ich bin einfach ständig auf der Suche nach etwas Schönem, Melodien, die den Punkt treffen. Das ist es, was ich tue; es ist schwierig zu erklären, weil es so simpel ist.“

Zitat:

"Richard Hawley is all I\'m listening to at the moment" (Thom Yorke)

Schön und gut - da hab ich auch nichts gegen. Aber auf diesem Album bietet Hawley so zuckersüßen Heile-Welt-Oberflächen-Pop, dass es in den Ohren schmerzt. Nichts reibt sich, keine Kanten, Disharmonien adé. Nehmen wir noch ein Zitat zur Hand, da erklärt sich alles von alleine: „Lady’s Bridge ist die älteste Brücke der Stadt. Historisch gesehen die Verbindung zwischen der armen Seite der Stadt, woher ich stamme, und der reichen. Aber der Titel ist auch auf persönlicher Ebene wichtig für mich, weil ich finde, dass ich in letzter Zeit in meinem Leben eine Brücke überschritten habe.“ Zum Einen sehen wir daraus, dass Hawley offensichtlich ein Idiot ist. Wer sein Album mit der billigsten Metapher der Welt betitelt und dann auch noch promotet, kann nicht der große Lyriker sein. Zum Anderen wird aber auch klar, was Hawley beim Songschreiben am Meisten bewegt: Seine Stadt. Und die heißt Sheffield.
Mit diesem Hintergrund eröffnen sich ganz neue Sichtweisen auf die Musik. “Lady’s Bridge” ähnelt einem Spaziergang durch die Stadt, der an historische Ereignisse (die große Flut von 1864 in “Roll River Roll”) erinnert, aber auch persönliche Erfahrungen verarbeitet - v.a. Romanzen. Die Ortsgebundenheit ist kennzeichnend für Hawleys Themen, siehe “Dark Road” und “The Sea Calls”. Mit "Our Darkness" ist auch ein richtig schöner Track dabei, der ein wenig an die Üppigkeit von The Divine Comedy erinnert und deshalb großartig zu nennen ist, aber die Ausnahme bildet. Irgendwie taucht aber am Ende doch der erste Eindruck wieder auf: Da ist jemand mental in den 60ern hängen geblieben und wärmt die verstaubten Klamotten zum Leichen-Schmaus bei Lee Hazlewoods Beerdigung wieder auf. Keine Innovation, keine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik - das bedeutet für mich gleich: Kein Appeal. Und da kann man noch so eine schöne Stimme haben, noch soviel Geld in die Produktion stecken und noch so ein sympathischer Working Class-Hero sein: Das kommt mir nicht auf den Tisch!

K. Haller
titel
01 Valentine | 02 Roll River Roll | 03 Serious | 04 The Streets Are Ours | 05 Lady Solitude | 06 Dark Road | 07 The Sea Calls | 08 Lady's Bridge | 09 I'm Lookinf For Someone To Find Me | 10 Our Darkness | 11 The Sun Refused To Shine
Release: 08.08.07 bei Mute
|http://www.mute.de/|
Künstler-Homepage: http://www.richardhawley.co.uk/
cover
Bewertung:
2/5