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"Ins Licht" von Letzte Instanz
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"Ins Licht" von Letzte Instanz

er Begriff „Instanz“ ist eine Ableitung vom lateinischen „instare“, das den Ausdruck „nahe Bevorstehen“ bezeichnet. Im Deutschen wurde es zunächst als „beharrliche Verfolgung einer Sache“ bezeichnet.
Tja, wenn die „Sache“ im Fall „Letzte Instanz“ ein konkretes Genre sein soll, dann ging das ja von vornherein in die Hose. Was sich auf deren Scheiben so bisher finden ließ… Puh… Dafür findet sich so fix kein Oberbegriff. Dennoch hat man durch die alten Platten der Dresdener schon einen Sound im Ohr, der höchst individuell ist. Sehr gekonnt haben sie schließlich Geige, Cello und das restliche Gitarrenmusik-Gerödel zusammengemixt und heraus kam ein schwarzer Adler mit großer (Flügel-)Spannbreite, dessen Ruf lyrisch durch die Flammen des Fegefeuers hallte.

Jetzt: Neues Album, neuer Sänger: da hallt nix mehr lyrisch durch irgendwelche Flammen. Was Letzte Instanz da präsentiert ist mehr eine Art Rammstein-Vorband-Musik. Songs, die einfach so nebenbei dahindudeln können, ohne dass mehr als 1-2 Mal die Aufmerksamkeit geweckt wird. Der Schuldige ist schnell gefunden: Das ist nämlich Holly. Ja, klingt wie der Name einer Backgroundsängerin aus den Charts, eigentlich ist das aber der frühere zweite-Reihe-Klampfer der Combo, der sich jetzt mal ganz vorne am Mikro versucht. Die alte Zauberstimme Robin hatte nämlich die Faxen dicke und ist gegangen. Tja, dass sich der beste Sänger nicht immer in den eigenen Reihen findet, zeigen diverse Tracks des Albums, in denen Hollys Stimme einfach nicht den Druck, nicht das Volumen und schon gar nicht das Charisma hat, was eigentlich alles für die recht pathetische Musik von Letzte Instanz nötig ist. „Nimm mich!“ ist da so ein Kandidat. Die majestätischen Streicher, das Galeeren-Schlagzeug und die tiefen Gitarrenriffs bauen einen prächtigen Palast auf, prunkvoll und einschüchternd. Als man dann aber eine Audienz beim König bekommt und in den Herrscher-Saal vordringen darf, wandert der Blick hinauf zum Thron – doch wer sitzt da? Ein Erdmännchen (ein gewöhnlich verpeilt in die Gegend glotzendes Erdmännchen dient hier ausschließlich zur Kontrastierung und Personifizierung der durch die herrschaftliche Instrumentierung hochgepeitschtena, aber schließlich doch bitter enttäuschten Erwartungen). Und dass Erdmännchen keine kraftvolle Metal-Stimme haben, dürfte ja wohl allgemein bekannt sein. Das „Nimm Mich!“ soll wie ein Gong einen getragenen Rhythmus schlagen, aber dafür fehlt einfach zuviel, als dass es authentisch wirken könnte.
Der Track darauf „Krieg der Herzen“ setzt da noch einen drauf. Blubbernde Verzerrer auf dem Bass schaffen schon mal eine angenehme Basis für ein Industrial-Stimmung, quietschige Streicher tun ihr Übriges dazu um eine entrückte Atmosphäre zu schaffen. Aber wieder wird ein Raum aufgebaut, die wieder nicht von der Stimme gefüllt werden kann. Stattdessen wartet Holly im Refrain mit den Worten auf: „Mir geht’s beschissen und selbst das ist noch gelobt – Du willst du willst nicht wissen, wie sehr der kalte Krieg in mir tobt“ - ausgesprochen geistreich, sag ich mal.
„Agonie“ ist da noch ein trauriger Höhepunkt der verlorenen Originalität, dem man nicht mal unterstellen möchte an die kecken Kompositionen aus der Schublade Akustik-Balladen anknüpfen zu wollen. Der letzte Track „Silber im Stein“ versucht dann auch noch mal gefühlvoll zu sein, indem Holly teilweise etwa 14 Oktaven höher singt als sonst. Dass das leider über weite Strecken eher klingt wie ein misslungenes „Echt“-Cover, können auch die melancholischen Streicher nicht verhindern, die eher noch die Betrübtheit über das misslungene Album in diesem letzten Song schüren.
„Ins Licht“ ist einfach viel zu konform für die Letzte Instanz. Nur Kraftausdrücke, Streicher und tiefe Gitarren reichen nicht um gute Musik zu machen. Es bleibt nur auf die traditionelle Wandlungsfähigkeit der Instanz zu hoffen, denn das wo sie jetzt angekommen sind, ist leider eine Sackgasse.

S. Krutzinna
titel
01 Sonne | 02 Unerreicht | 03 Ohne Dich | 04 Nimm Mich | 05 Krieg Der Herzen | 06 Womit Die Welt Begann | 07 Sandmann | 08 Tanz | 09 Das Stimmlein (feat. Eric Fish, Thomas Lindner, Sven Friedrich) | 10 Mein Herz | 11 Agonie | 12 Traumschwere | 13 Silber Im Stein
Release: 03.02.06 bei Drakkar
|http://www.drakkar.de/|
Künstler-Homepage: http://www.letzte-instanz.de
cover
Bewertung:
1/5