http://magagin.de/reviews/214
"Noob" von De/Vision
E
"Noob" von De/Vision

s grenzt an Zauberei! De/Vision fing 1988 zu viert an, elektronischen Pop zu machen. Nachdem man sich damals schnell zu einem Trio verschlankte, ist man seit wenigen Jahren nur noch zu zweit. Wie es De/Vision als Duo schafft eine Platte zu viert aufzunehmen, soll hier einmal aufgelöst werden.

Aber vorher mal ein paar Worte zu der neu erschienen Platte „Noob“. De/Vision knüpft mit ihr an eine ansehnliche Karriere an, die sich nie zum großen Durchbruch mausern konnte. „Noob“ wird – das lässt sich schnell erkennen – auch kein großer Wurf. Zweifellos hört man ihr zwar an, dass Menschen am Werk sind, die ihr Handwerk beherrschen, aber ein Feuerwerk an Kreativität klingt anders. Songwriting und Arrangement ist durchweg ganz souverän gelöst: es gibt Übergänge die ganz schwungvoll sind, ab und an mal Passagen, wo man dann auch mal den Körper den Rhythmen folgen lässt. Aber der Gesamtrahmen folgt schon ziemlich konsequent der dilettantischen Sound-Ästhetik der Elektro-Pop-Freaks der 1980er und 1990er. Damit erfüllen De/Vision tatsächlich nicht gerade die klanglichen Ansprüche der Gegenwart, treffen dafür aber voll ins Schwarze in Bezug auf mein Synthie-Pop-Aversion als Opfer einer musikalischen Sozialisation in den 1990ern. Es ist jetzt auch nicht so, dass ich nach dem ersten Track gleich würgen muss, aber ich kann mir selbst beim aufmerksamen Lauschen partout nicht vorstellen, wie jemand solche Musik super finden kann. In welcher Situation denn? Feiern kann man zu den unspektakulären Tunes auf keinen Fall - vielleicht mal von ein paar Geschmacksverwirrten ostdeutschen Mitdreißigern abgesehen (und tatsächlich sind bei ihrer Tour die neuen Bundesländer auch überrepräsentiert).
Für gemütliches Abhängen aufm Sofa ist die Musik dann aber auch wieder zu aalglatt. Keine Ecken und Kanten, das meiste klingt nach Presets von Ableton Live und Konsorten. Ist natürlich auch nicht alles scheiße. Bei „Living Fast Dying Young“ ist die Bassline zum Beispiel klasse, aber das war’s dann auch. Der Gesang versaut hier – wie auch in den allermeisten Songs die manchmal noch ganz netten Sounds. Die Stimme von Steffen ist eine Art Gleichschaltungsmechanismus, da er mit seiner lethargischen pseudo-sphärischen Art zu singen jedem Song die Dynamik nimmt. Vielleicht müsste seine Stimme einfach leiser sein. Oder ganz weg. „The Far Side Of The Moon“ würde mir womöglich sogar ganz gut gefallen, da es viele druckvolle Tiefen gibt. Aber Steffens Stimme lässt filigranen Modifikationen in den Loops und Melodien keinen Raum. Dabei ist das doch eigentlich das Spannende bei Electro-Pop! Einfach lauschen, wie sich ein Arrangement in Details wandelt und bestimmte Eigenschaften abstreift oder gewinnt.
Beim dritten Track „Nine Lives“ überlässt Sänger und Haupt-Arrangeur Steffen dann mal den Song sich selbst und schon kommt auch Spannung ins Game. Gleiches gilt auch für das vorletzte Lied „What It Feels Like“. Der Song beginnt mit mächtig Groove und das trashige Geklirre und das verhallte Gitarrezupfen ist ein Tribut, den man zu zahlen bereit ist. Hier tun De/Vision ebenfalls gut daran, zunächst die Bridges aber dann auch den Schlussteil sein eigenes Ding machen zu lassen, ohne dass gesungen wird. Schnell ist man dann auf einem Spannungsniveau, was sogar ein wenig an das martialische Pathos von Rammstein erinnert.
Es ist leider auch nicht gerade ein Pluspunkt, dass man dem Sänger (aber auch den Texten von Thomas) deutlich anmerkt, dass hier keine Native-Speaker am Werk sind.
Nun gut. Um es auf den Punkt zu bringen: „Noob“ ist eine Platte, die nicht von Anfängern gemacht ist, aber vielleicht für Anfänger. Der erfahrenere Musikliebhaber, der sich im elektronischen Bereich auskennt und wohl fühlt, findet in „Noob“ weder eine Innovation noch einen wirklichen Burner. Solide Arbeit mag zwar generell nichts Verkehrtes sein, will sie aber als Kunst wahrgenommen werden, kann ich mich dafür nicht begeistern.
Dann noch abschließend die Auflösung des Rätsels: Die beiden Haus-und-Hof-Produzenten von De/Vision haben an dem Album vollständig mitgearbeitet. Vielleicht singt ja bei der nächsten Platte einer von den Jungs.

S. Krutzinna
titel
01 What You Deserve | 02 Obsolete | 03 Nine Lives | 04 Life Is Suffering | 05 Death Of Me | 06 Flavour Of The Week | 07 Deep Blue | 08 Love Will Find A Way (NOOB-Version) | 09 See What I See | 10 Living Fast, Dying Young | 11 The Far Side Of The Moon | 12 What It Feels Like | 13 The Enemy Inside
Release: 24.08.07 bei Drakkar Entertainment
|http://www.drakkar.de|
Künstler-Homepage: http://www.devision-music.de
cover
Bewertung:
3/5