“ifeline” ist das achte Studioalbum von Ben Harper. Zum ersten Mal hat er es nicht vor, sondern nach der Tour eingespielt: In einer Woche à Paris. Dabei heraus gekommen ist die gewohnte Mischung aus Folk, Blues, Funk und Songwriting - in einer vielleicht etwas spontaneren, intuitiveren und unmittelbareren Form. Ich finds vor allem langweilig.
Ben Harper hatte das Glück, dass er quasi in einem Musikgeschäft in der Wüste nahe Los Angeles’ aufwachsen durfte. Dadurch wurde ihm die Gitarre quasi in die Wiege gelegt, was ihn heute zu einem der respektiertesten Männer seines Fachs weltweit macht.
Alle Gitarrenlehrer horchen auf, wenn Harper ein Album rausbringt. Denn hier bekommt man eigentlich immer astreinen Stoff; aktuelle Sachen halt, die die Schüler nachspielen können. Dementsprechend stelle ich mir Harpers Band “The Innocent Criminals” als geeignete Masturbations-Vorlage des typischen “Gitarre&Bass”-Fetischisten vor - erstens, weil die soviel richtig machen, was Sound, Stilsicherheit und Präzision angeht, aber auch, weil sich auf die Musik vermeintlich jeder einigen kann.
Ich hab da aber so meine Probleme, in erster Linie durch Langeweile bedingt. Harpers Musik ist nicht unbedingt vorhersehbar - aber originell, überraschend und unkonventionell sind Attribute, die mal gar nicht zu “Lifeline” passen wollen. Stattdessen sind die Songs altbacken. Genau das, was die Kundschaft wohl auch will: Gewohnte Qualitätsware. Sicher kann man die eine oder andere Perle auf dem Album finden (tolle Momente sind auf jeden Fall dabei), schließlich ist Ben Harper auch ein gnadenlos talentierter und zum Topstar gereifter Musiker. Seine Stimme aber - das ist wohl ein Paradigma, aber das ist mir jetzt mal scheißegal - kann ich einfach nicht leiden. Die ist so gerade in der Schwebe zwischen lockerem Trällern und ausgebildetem Organ, versehen mit einer krassen Portion Weichspüler. Das fühlt sich dann einerseits so an, als könnte er mehr geben - andererseits ist aber auch eine unangenehme Anspannung dabei.
Für Harper-Fans ist dieses Album aufgrund der Aufnahme-Umstände sicher eine interessante Investition, allerdings sollte man besser auch kein absoluter Perfektionist sein. Ich selber werd die von der Plattenfirma zur Verfügung gestellten MP3s sicher nicht gleich löschen - aber bis ich gut Freund mit diesem Album werde muss noch viel Strom durch die Anlage fließen.











