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"Some Other Country" von Swayzak
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"Some Other Country" von Swayzak

ährend sich der Staub auf dem Kölner Minimalismus zu Wollmäusen mausert, legen Swayzak einen überzeugenden Gegenentwurf zur musikalischen Yuppie-Lethargie vor. Swayzak zeigen eindrucksvoll, dass auch in schlichten Tracks viel passieren kann - und dass Bass auch mal Wumms haben darf.

Es scheint beinah, als hätte sich das Duo nach verdientem Vaterschaftsurlaub von James Taylor nur wiedervereinigt, um die Welt daran zu erinnern, was in schlankem Techno alles möglich ist. Der Opener-Titel „Quiet Life“ kann um Längen einfacher als Seitenhieb gegen die Schnarchnasen in der Domstadt verstanden werden, denn als ernsthafte Beschreibung des Tracks. Nach einem beschämend verträumten Anfangsmotiv, findet man sich schnell in einem geräumigen Klanglabyrinth, dessen Wände massiv verhallter Bass in schwindelnde Höhe steigen lässt. An Modulationen, was die Feuchtigkeit des Basses angeht, wird zwar schon etwas gespart, aber dafür gibt es erstaunlich glitchige Störsounds für den IDMer und disco-feeling mit Gesang von Cassy. Tatsächlich ist der Track aber so deep, dass man den Begriff Dub hier nicht mal mehr anwenden kann. Junge Junge.
„No Sad Goodbyes“ hat diese wunderbaren Bässe, die zwar wie junge Kaninchen über saftige Wiesen hoppeln, aber gleichzeitig diesen Schatten urbaner Melancholie transportieren. Die Stimmte von Richard Davis, den man auch von Kitty-Yo kennen kann, macht das ganze auch prima mit. Sein Gesang hält genau die Waage zwischen naiver Versonnenheit und unbewusster Wehmut.
„Distress And Calling“ ist für mich auch ein Schlüsselstück der Platte. Im Grunde völlig unspektakulär arbeitet der Song mit ähnlichen Mitteln wie der Minimal Techno – nämlich mit kaum welchen. Unscheinbare Modulationen von Drummustern, Basslinien und maximal stereoverteilten Synthies bringen kaum wahrnehmbare Veränderungen im Track. Während Minimal sich aber häufig in seiner Domestiziertheit sonnt und dabei todlangweilig verblasst, bleibt und entwickelt sich hier ein äußerst angenehmer Groove. Hier ist Action obwohl nix passiert. Das ist n bisschen wie Thomas Mann lesen. Erhaben, kunstvoll, unterhaltsam, einfach gut.
„Silent Luv“ ist mal ein etwas flotterer Ausreißer. Die Vocals von der italienischen Band „Les Fauves“ sind schläfrig und genervt und bilden einen spannungsvollen Kontrast zur fiebrigen Instrumentierung mit rasant wabernden Tiefen und piepsigem Allerlei.
Mein großer Favorit kommt jedoch zum Schluss. „They Return“ findet nach dubbigen Irrwegen trotz wegweisender Funksprüche erst nach vier Minuten zum Höhepunkt. Aber dann richtig! Da kann man ohne Witz nicht anders, als wild mit dem ganzen Körper mitzubouncen, selbst wenn man bloß alleine im dunklen Zimmer vorm Laptop hängt und Saft trinkt. So verflucht viel Kick hat dieses funkelnde Finale und auch bei diesem Abschied wird deutlich in welche Richtung Swayzak weisen: Lasst uns wieder schwungvoll werden, mit frischer, junger Musik. Dass man sich so was von alten Hasen, die 10 Jahre im Biz sind, sagen lassen muss, ist auch lustig, aber scheinbar geht’s nicht anders. Das Publikum wird die Platte feiern – hoffen wir, dass auch ein paar Musiker dieses gut 60-minütige Audio-Lehrbuch kaufen werden!

S. Krutzinna
titel
01 Quiet Life | 02 So Cheap | 03 No Sad Goodbyes | 04 Distress And Calling | 05 Smile And Receive | 06 Claktronic | 07 Silent Luv | 08 Pukka Bumbles | 09 By The Rub Of Love | 10 They Return
Release: 24.08.07 bei Studio !K7
|http://www.k7.com|
Künstler-Homepage: http://www.swayzak.com
cover
Bewertung:
4/5