in Jazz-Trompeter, der auf seinem Cover mit Styler-Sneakers und Bandana posiert - Verdammt. Das ist doch mal cool! In dieser Montur schmeißt Christian Scott sein zweites Album „Anthem“ in den konservativen Jazz-Betrieb
In diesem wird wahrscheinlich nicht jeder besonders angetan sein vom Outfit des 23-jährigen Berklee College-Absolventen und auch seine Musik ist nicht so das Ding der alteingesessenen Kritiker-Riege. Schon beim ersten Album wurden die vielen HipHop-Anleihen kritisiert (ist ja auch ekelig) und auch bei „Anthem“ wird es in der Hinsicht wieder viel zu meckern geben. Auf der anderen Seite gab es aber auch jede Menge Lob und eine Grammy-Nominierung. Zu Recht. Christian Scotts Können als Trompeter und vor allem Komponist ist beeindruckend, und das nicht nur für einen 23-jährigen!
Das Album ist natürlich geprägt von dem tiefen Einschnitt den Hurrikan Katrina dem Leben in seiner Heimatstadt New Orleans verpasst hat. Dieser hat er „Anthem“ auch gewidmet. So hört man den recht düster gehaltenen ersten Tracks des Albums „Litany Against Fear“ und „Void“ die bedrückte aber dennoch irgendwie optimistische Stimmung einer verwüsteten Stadt an. Ein schwieriger Spagat der großartig gelungen ist. Dass hinter dem Frontmann Scott eine erstklassige Combo steht, merkt man erst auf dem Titeltrack „Anthem“ deutlich. Wie einfühlsam melancholisch und doch druckvoll Keyboarder Aaron Parks die Töne aus seinem Instrument presst ist ein Genuss. Marcus Gilmore an den Drums darf dazu weit mehr als nur den Takt angeben. Die Dramatik des Albums ist zu großen Teilen auf ihn zurückzuführen. 26 Jahre ist das älteste Bandmitglied. Von den Jungs werden wir also in den nächsten Jahren noch viel zu hören bekommen.
Auf „Re:“ hingegen spielen neben der Trompete nur Bass und Drums eine Rolle. Dieser HipHop-infizierte rohe und dunkele Beat hätte sicher im Queensbridge der 90er bei dem ein oder anderen Rapper Verwendung gefunden. Im Kontrast dazu kommt z.B. „Dialect“ mit deutlichen Rock-Anleihen daher und wird damit zum aggressivsten Stück des Albums.
Nach zehn aufwühlenden Tracks schließt das Album fast versöhnlich mit der Ballade „Like That“ ab, bei der Scott seine Trompete gegen das sanftere Flügelhorn eintauscht.
„Anthem“ ist das beeindruckende Werk eines jungen Jazz-Musikers der es versteht Stimmungen durch Musik auszudrücken und dabei ohne Worte auszukommen. Auch wenn Christian Scott nun schon einige Jahre in New York wohnt, spürt man in jedem Track des Albums wo seine Gedanken bei der Komposition waren. Dem zerstörten New Orleans wurde mit „Anthem“ ein Denkmal gesetzt.










