“n Our Bedroom After The War” ist das vierte Album der kanadischen Band Stars. Soviel darf ich schon mal vorweg nehmen: Das Quintett liefert einen echten Anwärter auf den Titel “Platte des Jahres” und mit der Single “Take Me To The Riot” sowieso für mich den “Song der Stunde”. Großer Pop ohne Angst vor Streichern; Traummusik für Jedermann; ein Manifest der Liebe - klingt alles wahnsinnig kitschig, trifft auf “In Our Bedroom After The War” aber definitiv zu.
Da sitze ich gerade im Zug von Oslo nach Trondheim, müde, fern von Zuhause, unter lauter fremden Gesichtern. Da passen doch Text wie Video zu “Take Me To The Riot” wie die Faust aufs Auge. Hier wird Mut gemacht: Ängste überwinden! Dinge wagen! Beleidigungen nicht hinnehmen! - ob das nun in der Prügelei endet oder im friedlichen Discobesuch ist dann frei nach dem Adrenalin-Normalpegel jedes Einzelnen zu entscheiden. Ich z.B. kann mich weder als “Globetrotter”, noch als “Backpacker” und schon gar nicht als “Hitchhiker” bezeichnen, bin aber trotzdem unterwegs. Und so eine Reise ist nicht für jedermann Alltag. (Heute ist ein Discobesuch für mich immer noch kein Alltag, wenn auch nicht mehr mit der Aufregung verbunden wie noch vor einigen Jahren). Schritt für Schritt gehts weiter... Aber das sei hier nur am Rande erwähnt.
Worum geht es denn? Um das neue Stars-Album, das nicht weniger als Liebe und Gewalt thematisiert. “In Our Bedroom After The War”, der Titel der Platte, sagt da schon so einiges aus: Wenn der Krieg vorbei ist Liebe machen. Vor dem Sturm kommt die trügerische Ruhe - und erst danach die große Erlösung. Das klingt in Songs wie dem angesprochenen “Take Me To The Riot” an, aber auch schon im eigentlichen Opener “The Night Starts Here”: ”The dust at dawn / Is reigned upon / Attaches itself / To everyone / No one is spared / No one is clean”. Ich denke da an eine Traumwelt, ein bisschen postapokalyptisch, wo echt viel Materielles wie Geistiges abgerissen worden ist und neu - besser - wieder aufgebaut werden kann. “What is the darkest possible situation that I could try to turn into a beautiful pop song?” sagt Frontmann Torquil Campbell, “That was sort of my mission with this record.”
Ein weiteres Beispiel ist das im Wust von Revolutionsgewalt romantisierende “Barricade”: ”We stalked the streets like animals / And danced as windows shattered / For the island, for the thrill of it / for everything that mattered”. Nun - ich kann hier echt nur mit Textausschnitten arbeiten, die mir besonders einleuchten, weil der Rest einfach zu viele Leerstellen aufweist. Da wird ganz stark an die Kreativität des Zuhörers appelliert, was eine Supersache ist. Als würde man einen Lückentext schließen, ohne es zu merken und ohne, dass ein Rotstift Fehler markieren könnte. Das passt zu dem Märchenhaften, was die Band umgibt. Die Stimmen von Torquil Campbell und Amy Millan erzählen so weich und mit ehrlicher Faszination, dass sie auch wunderbar als Märchenonkel und -tante funktionieren würden. Das dabei ein männlich-weibliches Dialogspiel entsteht, unterstützt die Themenkomplexe Krieg und Liebe ungemein delikat.
Dieses Album macht auch wirklich einfach Spaß beim Anhören. Ich freue mich selbst nach vielen Durchläufen immer noch auf fast jeden Song - und das schon nach wenigen Takten, Tönen oder Geräuschen. Das ist immer ein Zeichen davon, dass die Band etwas Großes geschaffen hat, voll ins Schwarze getroffen, ein Meisterwerk. Da braucht man gar nicht mehr kleinlich zu erwähnen, wie meisterhaft Synthesizer, Akkordeon, Streicher, etc. eingebunden werden, denn diese Instrumente runden nur ab: Magnetisch angezogen und perfekt arrangiert.
Da bleibt nur noch der Hinweis: Ihr könntet dieses Album schon jetzt hören, weil es kurz nach seiner Fertigstellung Anfang Juli zum (zu bezahlenden) Download freigegeben wurde - mehr als zwei Monate, bevor CD und Vinyl rauskommen. Kaufen, anhören, genießen! Ich jedenfalls weiß: Hoffnung ist immer da. Das macht Mut für neue Wege.











