“lamm” nennt die Combo Poems For Laila ihr neues Album und das ist irgendwie ein treffender Name. Nachdem das Album mit dem unglaublich pathetischem Pop irgendwo zwischen Grönemeyer, Biermann, Lindenberg und Roger Cicero einmal durchgelaufen ist, fühlen sich deine Klamotten nämlich so an. Entweder, weil du dir vor Begeisterung in die Hosen machst oder weil die nicht enden wollenden 17 Titel dich das Gruseln gelehrt haben und das Textil vom Angstschweiß getränkt ist. Aber auch diese Sünde hat ein Ende.
Mein Problem mit dieser Band: Sie ist mir mega unsymphatisch. Vor zehn Jahren hätte mich so was vielleicht gekriegt, aber da durfte ich ja noch nicht mal Alkohol kaufen. Poems For Laila gibt es jedenfalls schon fast solange wie mich und das hört man auch. Denn handwerklich ist das schon ganz ordentlich gemacht, das “Klamm” darf sich auf dieser Ebene wahrscheinlich sogar mit den oben genannten Referenzen messen. Ehrlich gesagt ist es mir aber vollkommen egal. Denn dieses überdeutliche Gesäusel, mit dem Sänger Nikolai Tomás sich wie die schlechte Fälschung einer Figur aus der Dreigroschenoper benimmt ist nicht nur antiquiert, sondern steht auch gewissermaßen unter einem Denkmalschutz, der hier deutlich verletzt wird. Die unlyrische Seichtheit, mit der Poems For Laila Lieder machen, erinnert schon fast an Xavier Naidoo. Oder: “Überlyrisch” trifft es wohl besser. Wo in einer Tour “Wege gegangen”, “Lichter gesucht” und “Augen geöffnet” werden, da weht der maue Wind der Alltagspoetik.
Ganz besonders schwierig: In “America” heißt es: “I don’t like Americans like my brothers do / I don’t like the movie stars like my brothers do / I don’t like the president of the U.S.A. / I don’t like Americans anymore”. Für mich ist das ein so unglaublich dämlicher Unsinn, dass ich eigentlich auch gar keine weitere Zeile über diesen Song verschwenden möchte.
Das alles ist schade, denn Poems For Laila haben sich wirklich viel Mühe mit “Klamm” gegeben. Und: Zu all den schönen Geigen, Flöten, Akustikgitarren, Duetten und Kontrabässen, die die “normale” Bandbesetzung konventionell, aber gelungen ergänzen, können sich immer noch 40jährige Jungfern, die keinen abgekriegt haben einsam in den Schlaf wiegen. Die Musik aber leidet, z. B. weil die Band meint, möglichst viele Stile ausprobieren zu müssen. So findet sich neben den reichlich vorhandenen Balkan-Einflüssen - die an sich auch ganz gut sind, aber die CD zu einer Art Flickenteppich zerfasern, auch ein Ausreißer in Richtung Nick Cave. Warum, warum nur singt Tomás in “Time Away” auf einmal komplett anders, als bisher - eben wie eine mittelprächtige Cave-Kopie?
Weil es Streber sind, die hier Musik machen. Die wollen Klassenbeste werden und sitzen deswegen mit dem breiten Arsch voll im Pathos. Ich hab den Eindruck, dass die den besseren Musiker dem besseren Freund vorziehen. Was vollkommen auf der Strecke bleibt, das ist die Sympathie. Wenn die Platte zu Ende ist, jeder Ton gespielt und jede Zeile gesungen - was bleibt denn dann noch von der Band? Große Musiker brennen sich nicht in mein Gehirn ein, weil sie eine Gitarre richtig halten können. Sondern weil sie mich auf eine natürliche, ihnen und mir eigene Weise ansprechen. Damit erreicht man nicht so viele Menschen, aber man erreicht sie richtig. Und daran scheitern Poems For Laila trotz aller Fähigkeiten total.











