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"This Harness Can't Ride Anything" von Chin Up Chin Up
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"This Harness Can't Ride Anything" von Chin Up Chin Up

ypischen amerikanischen Indie-Pop bietet das Quintett Chin Up Chin Up aus Chicago auf ihrem Zweitling “This Harness Can’t Ride Anything”, was nicht nur an Produzent Brian Deck (Modest Mouse) liegt. Wackeliger Gesang, irgendwie ausgeflippte Texte und frech durcheinander kopulierende Gitarren sind die Grundlage dieser Musik, die aber eigentlich gar nicht fröhlich ist - wofür es auch einen triftigen Grund gibt.

Im Februar 2004 wurde der damalige Bassist von Chin Up Chin Up, Chris Saathoff, von einem Auto überfahren als er gerade von einem Konzertbesuch mit seiner Freundin nach Hause schlenderte. Damals war die Band gerade dabei, die Demos für ihr erstes Album “We Should Have Never Lived Like We Were Skyscrapers” zu mixen. Was macht man in einer solchen Situation? Die Band machte nichts - nach ein paar Shows, um dem verstorbenen Freund zu gedenken, hing man zusammen rum, dachte aber nicht mehr ans Musizieren. Erst im Herbst reformierte sich die Band, brachte das Album auf den Markt und legte wieder los.
Deshalb nun darf ich zu den schönen Stücken auf “This Harness Can’t Ride Anything” mitwippen. Irgendwie erfüllt die Musik einige typische Merkmale des Stils und machte auf mich von Anfang an keinen “besonderen” Eindruck. Trotzdem aber ist das - im Rahmen der Dinge - erstklassig. Mir fransen beim Hören die Klamotten aus! So klingen die Songs, wie das beim Attribut “independent” eben immer so ist, auch nicht durchgestylt, sondern wirken mehr durch ihre entwaffnende Offenheit. Vom Text verstehe ich leider so gut wie gar nichts, es muss sich aber wohl um lyrische, aber trotzdem lockere und vor allem fantasievolle Zeilen handeln, die Sänger Jeremy Bolen da von sich gibt - das geben die Fragmente, die mein Hörapparat entschlüsseln kann, großmütig preis.

Eine Vielzahl von Instrumenten, perfekt unter die Gitarren geordnet, inspiriert die Fans von elektrischen Saiteninstrumenten - solche spielen hier nämlich die Hauptrolle und sind eindeutig das Salz in den komplex-schönen art-pop Songs. Somit gelingt Chin Up Chin Up eine schön anzuhörende Platte, die mal weich, mal knusprig ist; meistens wohlig schnurrt, aber auch kratzbürstig zulangen kann; gerade aus geht und dabei Spuren im Zickzack zurück lässt. Das verlangt beim Zuhören Konzentration und guten Willen, belohnt scheinbar nicht besonders reichlich. Aber: Welcher echte Liebhaber - sei es von Wein, Buch, Kunstwerk, Film, Musik, etc. - würde den subtilen, sich nur langsam entwickelnden und für den Anfänger womöglich sogar spröde anmutenden Genuss schon gegen Mononatriumglutamat-Bomben eintauschen, die die Nerven für alle Zeit abstumpfen?

K. Haller
titel
01 This Harness Can't Ride Anything | 02 Water Planes in Snow | 03 We've Got to Keep Running | 04 Islands Sink | 05 Mansioned | 06 I Need a Friend With a Boat | 07 Blankets Like Beavers | 08 Landlocked Lifeguards | 09 Stolen Mountains | 10 Trophies for Hire
Release: 24.08.07 bei Suicide Squeeze Records
|http://www.suicidesqueeze.net/|
Künstler-Homepage: http://www.chinupchinup.com/
cover
Bewertung:
4/5