an kann Dashboard Confessional als extrem emotionale Musik wahrnehmen, aber auch als 08/15-Weichspülplatte zum Geldmachen. Obwohl sich dies mächtig zu widersprechen scheint, gibt es jeweils gute Argumente. Und wenn man genau drüber nachdenkt, lässt sich dieses Dilemma sogar einigermaßen widerspruchsfrei lösen!
Chris Carrabba prangt auf dem Cover genau richtig. Schwächlich, fast unterernährt steht er in schwarzen Klamotten und schwarzen Haaren im goldenen Schnitt des Bildes. Seine Augen sind niedergeschlagen und im Hintergrund brandet sanft das Meer an den makellosen Sandstrand. Makellos ist auch das Booklet. Nach zwei Nahaufnahmen vom schönen Mann (für Teenie-Girls zum träumen!) posiert nochmal die ganze Band am Strand. Man gibt sich unspektakulär, ruhig und beinah freundlich. Dass hier eigentlich ein Emo-Musiker im Mittelpunkt steht, ist nicht leicht zu erkennen. Wenn ich mich richtig erinnere, sind viele Kuschelrock-Platten ähnlich aufgemacht.
Beim ersten Durchhören des Albums fällt die absolut saubere Produktion ins Auge. Im ersten Track „Don’t Wait“ zockt eine akustische Lead-Gitarre stoisch den ganzen Track durch ohne dass groß was passiert. Aber jeder, wirklich jeder Anschlag hört sich gleich an. Im Grunde ja völlig erstaunlich, da ja Akustikgitarren eigentlich kaum wirklich 100 Prozent exakt zu spielen sind. Aber tatsächlich ist jede einzelne Spur total sauber: Keine Unreinheiten, kein Rauschen, keine ungewollten Obertöne, nix. Selbst der Gesang von Chris Carrabba kommt einer Eisenbahn gleich niemals auch nur ansatzweise vom Weg ab.
Diese Perfektion in der Produktion mag auf erfreuliche Professionalität hinweisen. Tatsächlich ist für die ausschließlich sehr emotionalen Songs von Chris, dieser Rahmen eher ein einengendes Korsett denn eine kreative Grundlage für freiheitliche Selbstverwirklichung.
Keine Ahnung, ob Dashbord Confessional das ganze so erdacht hat, wie ich es interpretiere. Aber mir scheint tatsächlich, dass sie dieses total exakte Framework haben wollten. Selbst die Scream-Parts bewegen sich in einem sehr moderaten Rahmen, wo sich niemals die Stimme bricht oder so was.
Die alles entscheidende Frage ist dann halt: Können Dashboard Confessional dennoch ihre Emotionalität in den Songs rüberbringen - trotz des Korsetts? Definitiv jein. Auf der einen Seite ist schon spürbar, dass die Emotionalität nicht ausufernd ist, wie sonst bei richtigem Emo. Aber dadurch, dass man auch merkt, dass es ihr verwehrt bleibt, auszuufern, und stattdessen gefangen ist und nicht rausgelassen werden kann verstärkt sich durchaus die Wirkung. Es bleibt wo einiges unausgedrückt ist nämlich Raum, die tatsächliche Dimension der Traurigkeit zu erahnen, was etwa in „Slow Decay“ ganz gut gelingt. Im Song „Stolen“, das für den europäischen Markt mit deutschem Feature-Gast „Juli“ gepimpt wurde, schießt man leider mit Bewegtheit etwas übers Ziel hinaus. Dagegen wäre Jeff Buckley die personifizierte Unbeschwertheit.
Aber in vielen Songs passiert dann einfach schlicht zu wenig und es bleibt beim Teenie-Weichspül-Rock., wie etwa in „Heaven Here“ oder „Reason To Believe“.
Somit ist „Dusk and Summer“ schon irgendwie eine interessante und auch gut gemachte Platte. Aber wohl eher für Mädchen.










