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"Venus Doom" von HIM
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"Venus Doom" von HIM

IM war für mich immer ein rotes Tuch und wurde dementsprechend stiefmütterlich behandelt. Zu Recht! Für gotische Mädchenmusik ohne Feuer ist kein Platz im Plattenschrank. Das siebte Album „Venus Doom“ der Finnen um Ville Valo ist hingegen wesentlich maskuliner und verdient vollste Beachtung und Respekt.

Die Vorhut des Albums bildete der Track „Passon’s Killing Floor“, der sich als Titel zum Transformers-Film vor Albumveröffentlichung seinen Weg in die Ohren vieler Menschen bahnte. Der fünfminütige Epos zeugt wirklich von Größe und ist viel zu erwachsen für den Bravo-lesenden Teil der HIM-Fanbase. Der harte Main-Riff des Songs, der fast das ganze Stück durchzieht, ist extrem griffig und bildet einen angenehm harten Kontrast zum Refrain, der die bekannte leidenschaftliche Seite von Bandleader Ville Valo offenbart. Großartig ist das Interlude bei dem zu schweren Metalriffs Kirchturmglocken einen düsteren Pathos ins Lied zaubern.
Bereits dieser Track zeigt die Richtungen auf, in die sich HIM so positiv weiterentwickelt haben. Die Gitarrenriffs haben wirklich eine so enorme Kraft und Dynamik, dass auch konservative Metaller anerkennend die Augenbrauen heben werden. Auch die Gitarrensoli sind zweckdienlich dort wo sie hingehören – nicht zu lang, nicht zu schnulzig und nicht zu Dream-Theater-Streber-mäßig. So solls sein. Aber das allererfreulichste ist, dass Ville Valo seine Stimme nun endlich weite Streifzüge in den tieferen Frequenzbereich machen lässt.
Dies macht besonders beim wunderschönen Titeltrack „Venus Doom“ große Freude. Vielfach übereinander geschichtet klingt Valos Stimme erfrischend breitschultrig und betörend. Gerade beim sehr ruhigen Interlude mit leiser Gitarre und Schlagzeug erreicht er eine Tiefe, die so einige Black-Metal-Sänger bloß mit Pitch-Shifter erreichen. Die organische Rauchigkeit in den Bässen steht dem zärtlichen Gesäusel (im positiven Sinne!) in den Strophen gegenüber und erzeugt greifbare Spannung.
Mit nur neun Tracks auf dem Album bleibt natürlich Raum für epische Songs. Davon abgesehen, dass kein Track überhastet beendet wird, findet sich mit „Sleepwalking Past Hope“ ein wirklicher Zehnminüter, den ich wirklich gerne einmal live erleben würde. Zwar hat der Track durchaus seine Längen und fällt streckenweise in die lethargische Soundästhetik vergangener Tage zurück – hat aber eben auch seine magischen Momente. Wenn aus einer Stille, die nur von leichtem Windrauschen durchweht wird, ein aggressiver, verzerrter Bass herausbricht und einen orgiastisch wilden Orkan generiert, in den sich dann wieder schüchterne Piano-Motive mischen und wieder verlieren – das ist schon großes Kino für die Ohren.
Ganz grundsätzlich muss auch der Einsatz der Synthies gelobt werden. Bei solch deutlich Gothic-affiner Musik läuft ja jeder Synthie leicht Gefahr Depeche Mode-Assoziationen zu provozieren und damit ganz eklig zu werden. Ist hier nicht der Fall. Die Synthies füllen dezent die Räume zwischen den Instrumenten und tragen dazu bei, dass der Sound insgesamt unheimlich dicht und selbstbewusst ist. Starproduzent Tim Palmer (u.a. U2) wird da sicher auch seinen Beitrag zu geleistet haben.
Zwar hat das Album auch ein paar Momente, in denen HIM versäumen, endgültig klar zu machen, warum sie ab sofort die Tollsten in der Szene sind (z.B. „The Kiss Of Dawn“ finde ich etwas konturarm). Aber insgesamt bleibt doch die Gewissheit ein echt gutes Stück Musik in Händen zu halten. Abschlusstrack „Cyanide Sun“ (so Titel find ich super) resümiert die neuen Stärken. Mit einer psychedelischen Schwere strömt der Track durch die Zeit und Ville Valos Stimme schwebt mit einer Intensität über den instrumentalen Verstrickungen und erinnert an prophetische Seufzer eines fallenden Engels.

S. Krutzinna
titel
01 Venus Doom | 02 Love In Cold Blood | 03 Passion's Killing Floor | 04 Kiss Of Dawn | 05 Sleepwalking Past Hope | 06 Dead Lover's Lane | 07 Song Or Suicide | 08 Bleed Well | 09 Cyanide Sun
Release: 14.09.07 bei Warner Music
|http://www.warnermusic.de|
Künstler-Homepage: http://www.heartagram.com
cover
Bewertung:
4/5