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"Pan-O-Rama" von Pan-Pot
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"Pan-O-Rama" von Pan-Pot

lle Anzeichen deuten darauf hin: Die jüngste Generation Techno-Deutschlands wird erwachsen. Die Riege der Künstler, die vor 1-2 Jahren starteten und seither eine geile 12“ nach der anderen rausgehauen haben, wagen sich an die Aufgabe Album. So auch Pan-Pot, die maßgeblich am phänomenalen Aufstieg von Mobilee Records beteiligt waren und natürlich immer noch sind.

Nun gibt es allerdings wirklich keine Anzeichen dafür, dass Pan-Pot sich vom neuen Format einschüchtern lassen. Bereits der erste Track „Threesixty“ ist neun Minuten lang und bleibt den Clubsound-Qualitäten von Pan-Pot völlig treu. Obgleich mystische Schwingungen durchaus einen Platz eingeräumt bekommen, sind es doch die wummernden Bässe, die den Track ausmachen – und bei denen man gar nicht anders kann als an ekstatische Clubnächte zu denken. Trotz der langen Spieldauer kommt beileibe keine Monotonie auf. Vielmehr navigieren Pan-Pot sehr straight durch den Track und wissen immer wieder mit Breaks und Beatwechseln Abwechslung hineinzustreuen.
„Ape Shall Never Kill Ape“ – ein Titel, der wohl am ehesten Streetwear-Freunden was sagen wird. So ziert dieser Slogan die Rücken-Schildchen der Bathing Ape-Shirts (die halb Deutschland gefälscht bei ebay kauft). Scheiß drauf. Zwar sind ein paar düstere Sprachsamples im Track unterwegs (in denen allerdings eher die Rede von „Twelve Monkeys“ ist, was wiederum eine andere Geschichte ist), ansonsten verbirgt sich hinter dem Titel ein Stück Musik, das nach einer mittelspektakulären ersten Hälfte nochmal einige Schippen an freshness drauflegen. Wiederum schaffen es Pan-Pot mit ihrem Minimal-Werkzeug einen sehr treibenden, griffigen Groove zu erzeugen, der schlicht Spaß macht.
Das Verrückte an Pan-Pot ist wirklich, dass ihre Musik völlig universal ist. Sie hat soviel Biss und Kick, dass sie super im Club funktioniert – was ja schon allein durch ihre weltweiten Bookings belegt ist. Auf der anderen Seite, lässt sie sich aber auch prima zuhause auf dem Sofa genießen – mit staubtrockenem Rioja und Houellebecq-Büchern.
Düster und urban tropfen die saftigen Bässe auch in „Dog’s Dinner“. Gute Kinderbücher erzählen ja immer nur das Nötigste, damit sich die Phantasie die Geschichte selber erzählen kann. So ist es auch mitunter bei Pan-Pot – zum Beispiel eben bei „Dog’s Dinner“. Die Metapher lässt sich noch weiter treiben. Wo beim Text die Lücken zwischen den Worten der Phantasie den Raum geben, sind es hier die akustischen Räume, die schon aufgezeigt werden, aber in letzter Konsequenz offen bleiben. Der verhallte Bass und die verschiedenen düstereren Spuren, die hereingefadet kommen und sanft aber bestimmt in den Hintergrund zurücksinken, machen große Räume auf, die geradezu visuell vor dem Hörer liegen. Mobilee Records sieht hier Parallelen zu Plastikman (aka Richie Hawtin). Aber ich finde dessen Musik viel zu blass für den Vergleich mit den Pan-Pot-Jungs. Wenn schon vergleichen, dann eher mit den verloren-treibenden Dubstep-Sounds von Burial, der mit anderen Mitteln einen ganz ähnlichen Ton trifft.
„Black Fusion“ scheint vom Titel etwas an die „Black Lodge“-Platte von vor über einem Jahr angelehnt zu sein und knüpft auch in Sachen extrem finstere Bässe an die beiden Tracks von damals an. Und zwar sehr gut.
Der wohl großartigste Track des Albums ist sicherlich „Crank“ – und (yeah!) mit fast neuneinhalb Minuten auch der längste. Knurrig, groovig, mürrisch, selbstbewusst, cool und vor allen Dingen mit dem griffigsten Hauptmotiv des Album ist der Track ein Must-Have für jedes DJ-Set (und damit tut sich jeder DJ echt mal selbst einen Gefallen – und vor allen Dingen seinem Publikum auch).
Während das Kino noch danach sucht, wie man den Film noir ins 21. Jahrhundert transponieren soll, ist die Musik mit Pan-Pot spätestens jetzt fündig geworden. Fruchtige Bässe (ja so wie Obst), dezente aber im Kontext genau richtige Beats und eine Atmosphäre, die so dunkel, dicht und plastisch ist, dass man meint, sie anfassen zu können. Das ist Pan-Pot. Und ihr sollt ihre Platte kaufen.

S. Krutzinna
titel
01 Threesixty | 02 Ape Shall Never Kill Ape | 03 Dog's Dinner | 04 Black Fusion | 05 Charly (feat. Hugh Betcha) | 06 Apocalyptic Horseman | 07 Crank | 08 Hypnotized Shark | 09 Moving Space | 10 Faces (feat. Vincenzo)
Release: 08.10.07 bei Mobilee Records
|http://www.mobilee-records.de|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/panpot
cover
Bewertung:
5/5