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"Autumn Of The Seraphs" von Pinback
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"Autumn Of The Seraphs" von Pinback

as soll der Herbst der Seraphim sein? Ich kann zumindest bei einem beiläufigen Blick aus dem Fenster keine Engel mit sechs Flügeln entdecken. Überhaupt sieht dort draußen alles recht normal aus. Blätter sind bunt geworden und fallen von den Bäumen auf den Boden. Vielleicht höre ich mir “Autumn Of The Seraphs”, das mittlerweile vierte Pinback-Album, erstmal an...

Und in der Tat: Die Welt hat doch eindeutig mehr zu bieten, als sie zunächst preisgibt. Der gleiche Blick aus dem Fenster wird mit der richtigen Untermalung, wie sie diese Musik nun mal ist, zum Hochgenuss. Ein Zauber legt sich über die Welt...

Der Output des Duos aus San Diego ist auf “Autumn Of The Seraphs” konzentrierter und dichter denn je. Rob Crow und Zach Smith brauchen eigentlich nur Gesang und Gitarre; sie stapeln, reihen und verbasteln Riffs; sie singen abwechselnd, zweistimmig und im Kanon. Jeder Song ist so komprimiert, dass er auf einen Bierdeckel passen würde. Das scheint unglaublich einfach, ist aber natürlich wahnsinnig komplex. Schlagzeug, Synthi und Klavier bekommen auch ihren Platz in dem dichten Gefüge - ersteres bringt eine leichte Aggressivität mit, letzteres erweitert das Klangbild um eine lyrische Komponente und die sehr sparsam eingesetzten Synthesizer machen gleich beides.

Womit wir zu den Texten kommen. Wenn die Musik sich schon als die dichteste aller flüssigen Massen beschreiben lässt (denn diese Musik ist tatsächlich weder gasförmig/luftig noch fest/statisch), gehen mir angesichts der Texte die Metaphern aus. Im ersten Moment hält man das alles für einen Code, den es zu entschlüsseln gilt. Es stürzen Planeten durch die Gegend (”This planet's old, cold, dead and crashing into us” aus “Torch”) und Sonnen frieren ein (“We're stuck in traffic here / We'll watch the sun freeze” aus “Barnes”), aber auch die tiefsten Meere werde bereist (“And I consume the raging fire / And I can feel the depths of the ocean / And I become consumed by desire / And I swear I thought of you” aus “Subbing For Eden”). Eine vertikale Achse ist sozusagen der Dreh- und Angelpunkt in den Texten.

Pinback jonglieren dabei mit den Elementen als wären sie Magier. Das ist alles sehr romantisch und auch gut - auch wenn man sich immer wieder ärgert, weil man nicht hinter die Fassaden kommt und die überfärbten Bilder nicht entschlüsseln kann. Dabei ist die Bedeutung der Texte aber nebensächlich - auch wenn die Zeilen im Gesamtbild keinen schlüssigen Sinn ergeben wollen, so besitzen sie im einzelnen eine immense intuitive Kraft, der man sich beim Hören automatisch hingibt.

Das alles macht die Band großartig und das lässt meinen Blick aus dem Fenster zum Erlebnis werden. Rob Crow und Zach Smith rennen als Gespenster durch die Gegend und polieren alles auf. Aber Vorsicht: Sie sind scheu! Wenn du “Autumn Of The Seraphs” alleine hörst, fängt alles an zu blühen. Wenn du jedoch andere teilhaben lassen willst, kann es sein, dass nichts geschieht und du dich blamierst. Die anderen werden behaupten, du habest nur geträumt.

”These shadows take care of us / They cover us up in the shade” (aus “From Nothing To Nowhere”)

K. Haller
titel
01 From Nothing To Nowhere | 02 Barnes | 03 Good To Sea | 04 How We Breathe | 05 Walters | 06 Subbing For Eden | 07 Devil You Know | 08 Blue Harvest | 09 Torch | 10 Bouquet | 11 Off By 50
Release: 14.09.07 bei Touch And Go
|http://www.tgrec.com/index.php|
Künstler-Homepage: http://www.pinback.com/
cover
Bewertung:
5/5