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"Shotgun Reality" von Lahannya
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"Shotgun Reality" von Lahannya

“othic rock meets alternative” verrät die Homepage. “A less commercial Evanescence” urteilt Rock Sound UK. Gut, schon Evanescence haben eben jenen Stil mit dem anderen gemixt und Musik geschaffen, die eher von geschmacklich noch nicht so ganz gefestigten Teenagern für gut befunden wird.

Äußerlich betrachtet lassen sich auf den ersten Blick auch durchaus Parallelen feststellen: Eine Frontdame zum Beispiel ist beiden Formationen eigen. Auch das Aussehen der beiden lässt vermuten, dass der gleiche (geschmacklose) Stylist seine Finger im Spiel hat. Aber egal: Es geht hier um die Musik. Und diese setzt sich aus Frauengesang vor schweren Gitarrenriffs zusammen. Während Evanescence den eher klassischen Weg einschlägt – Frontdame Amy Lee spielt immerhin gar nicht schlecht Klavier – verzichtet Lahannya weitestgehend auf derartige musikalische Einflüsse. Wenn das Piano dann doch mal zum Zug kommt, dann in einer ziemlich primitiven Form, so beispielsweise in „Roundabouts“. Hier wäre es schon besser gewesen, die Finger ganz von den Tasten zu lassen, denn das klingt ziemlich ungewollt poppig, was - ohne Schwarzweiß-Malerei betreiben zu wollen - einfach nicht zu diesem Genre passt.

Lahannya ist in dieser Hinsicht schon zugute zu halten, dass sie vielleicht gar nicht so sehr auf diesen Genregrenzen beharrt. Stilrichtungen wie Gothic, Metal, wie auch immer sind ja schon häufig ziemlich in ihrem eigenen Dogmatismus gefangen, was zwar hin und wieder virtuose Gitarrenkünste zur Folge hat, ansonsten aber ziemlich nach Schema F arbeitet. Lahannya will sich davon vielleicht gerade abgrenzen, der Weg der dabei eingeschlagen wird, mündet aber in ein Labyrinth, aus dem es keinen Ausweg gibt. Nach Track eins tippt der Hörer aufgrund eines seltsamen Synthesizer-Gitarrengemischs auf 80s (darauf deuten auch sowohl die inhaltliche Komponente hin, die auf irgendeine „Beauty-Queen“ verweist als auch der Refrain, in welchem zu „oh-oh“ – Silben gegriffen wird). Das nächste Lied ist dann durch und durch durchschnittlich, wenig einprägsam und wirkt sich sozusagen retardierend auf das Hörerurteil aus. Tja, und im Großen und Ganzen wird dann viel zu viel zusammengeschmissen, was nicht zusammen passt. Auch die Elektroschiene wird nicht ausgelassen, was zumindest oder eigentlich nur in „Charades“ auch ganz gut gelingt. Dieses Lied ist vielleicht sogar der Höhepunkt der Platte. Alles andere ist Kuddelmuddel, sodass beim mehrmaligen Durchhören einfach nichts hängen bleiben will.
Lahannya will tragisch und schwermütig sein (so in „Wandering“), aber auch jung und flippig (so in „Beautiful Girl“), dann wieder tanzbar und clubmäßig-freakig („Charades“) und Pianoballaden-beladen („Roundabouts“). Streicher, Klavier, Elektroparts, Gitarrenriffs werden nicht sinnvoll kombiniert, sondern einfach mal hier und da eingestreut, sodass die Stücke letztlich einfach keine eigene Identität bekommen. Bedauerlich ist das vor allem, weil Lahannya musikalisch bestimmt gar nicht unbegabt ist. „Shotgun Reality“ ist aber leider noch zu unausgereift und wird wohl auch gerade deswegen „less commercial“ und vor allem weniger erfolgreich als die durchaus stilsichereren Evanescence bleiben.

L. Krutzinna
titel
01 Beautiful Girl | 02 Bleed For Me | 03 Narcotic (2007) | 04 Doors | 05 Wandering | 06 Rain | 07 Charades | 08 Losing Yourself (2007) | 09 Heaven | 10 Roundabouts | 11 Silent Victim | 12 Payback
Release: 12.10.07 bei Kabuki
|http://www.kabuki.co.uk/|
Künstler-Homepage: http://www.lahannya.com/
cover
Bewertung:
2/5