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"Schrottism" von Schrottgrenze
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"Schrottism" von Schrottgrenze

„chrottism“ ist das sechste Album von Schrottgrenze und trägt den mit Abstand beklopptesten Titel aller in der Discographie verzeichneten Scheiben. Die Kapelle gibt es seit 13 Jahren. Doch wenn man von dem was außen dran steht auf das sich darin Befindende schließen will, zeigt sich, dass hier ganz schön tief gestapelt wird. Den Schrott ist „Schrottism“ von Schrottgrenze nicht.

Wie viele andere deutsche Bands auch erblickte Schrottgrenze in der Schule das Licht der Welt. Nein, nicht in Hamburg, sondern in – Peine. Das ist nun wohl keine Heimat, auf die man stolz ist. Vielleicht musste Schrottgrenze auch deshalb den Umweg Deutschpunk in Kauf nehmen und lange vor post-Curt-Cobainschem Teeniepublikum in Jugendzentren spielen. Auch heute ist es wohl niemandem vorzuwerfen, wenn man noch nichts von Schrottgrenze gehört hat. „Schrottism“ soll nun aber der große Durchbruch werden…
Dazu trägt vielleicht Tobias Levin bei, der schon Kante und Tocotronic gemischt hat. Und ja à propos: Die Tendenz in Richtung Hamburger Schule ist bei Schrottgrenze auf jeden Fall erkennbar. Zum Beispiel „In den Zentren“ ist phasenweise fast so assoziativ lyrisch wie Blumfeld. Auch sonst findet sich gerade textlich das ein oder andere Schmankerl, häufig in sehr verdichteter Form: Von „Achtundzwanzig“ könnte sich der ein oder andere Rap/Hiphop/Sprechgesangsartist eine Scheibe abschneiden. Auch „Künstler muss schön sein“ ist in dieser Hinsicht interessant. Das Lied ist eine witzige Collage aus Rio Reiser und vielleicht Mediengruppe Telekommander und vielleicht noch vielem mehr. Sänger und Texter Alex Tsitsigias versteht auf jeden Fall etwas von seinem Handwerk.
Trotzdem sind Schrottgrenzes Wurzeln im Punkrock noch nicht so ganz vergessen: „Ich würd den Posten gerne schmeißen. Man ist hier immer schlecht bezahlt. Man steckt immer in den Miesen - in Verhältnissen dieser Art“ heißt es in „In Verhältnissen dieser Art“. Das ist dann eben doch noch traditionell Punk, wo es an Experimentierfreude fehlt und wo ein bisschen hermetischere Sprache und ein bisschen lockererer Umgang mit der 3-Akkorde-Regel schon Wunder wirken würden. Andere Stücke der Platte zeigen dieses Potenzial bereits, so zum Beispiel in „Schuldizm“, das zwar ein bisschen verrückt, aber innovativ und leider viel zu kurz geraten ist.

Schrottgrenze „erinnert sich“ („Kanari“) vielleicht noch ein bisschen zu gern. Wenn es mit dem erwünschten Durchbruch noch nicht klappt, dann vielleicht deswegen. Dann wird es aber bestimmt nächstes Mal was, wenn die Mauern der Jugendzentren eingestürzt sind und Schrottgrenze noch älter geworden ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die Nostalgie bis dahin – wie im Alter ja durchaus üblich – nicht Überhand gewinnt und Schrottgrenze sich ein bisschen seiner jugendlichen Innovativität bewahrt und diese weiter ausbaut.

L. Krutzinna
titel
01 Judas Maxi Priest | 02 Achtundzwanzig | 03 Künstler muss schön sein | 04 Das neue Wir | 05 Die ewigen Patienten | 06 In Verhältnissen dieser Art | 07 Diese Schmerzen | 08 Jesus allein zuhaus | 09 Hinterland | 10 Schuldizm | 11 In den Zentren | 12 Kanari
Release: 19.10.07 bei Motor Music
|http://www.motormusic.de/|
Künstler-Homepage: http://www.schrottgrenze.de
cover
Bewertung:
4/5