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"Our Moon is Full" von Strings Of Consciousness
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"Our Moon is Full" von Strings Of Consciousness

m Namen “Strings Of Consciousness” sind schon einige Informationen über die dazugehörige Band versteckt. Der “Stream Of Consciousness” ist ja eine Erzähltechnik in der Literatur, wobei ein Gedanken- oder Bewusstseinsstrom einer Figur zum Einsatz kommt. Die acht Stücke auf “Our Moon is Full” scheinen auch direkt einem menschlichen Geist entsprungen zu sein, so langatmig, zerzaust und authentisch wirken sie. Zur Authentizität trägt hier der zweite Teil des Namens, die “Strings” bei - denn die neun Mitglieder des Ensembles bauen mit größter Sorgfalt “echte” Instrumente (wie eben Streicher) zusammen mit digitalen Klängen in die Kompositionen ein.

Was ließe sich nicht alles über dieses Debüt-Album schreiben. Dass die Band über die ganze Welt verteilte Musiker per Internet in die Produktion von “Our Moon is Full” mit einbezogen hat. Dass die neun festen Mitglieder aus so unterschiedlichen Städten wie Marseille, London, Paris und Chicago stammen. Dass diese Leute so exklusive Instrumente wie die Harfe, das Teremin, den Kontrabass, die Trompete und das Cello beherrschen. Und allein die Biografien der sieben Gastsänger würden den Platz für dieses Review sprengen.

Gehen wir Schritt für Schritt durch den Longplayer. Gleich am Anfang ist mit “Asphodel” ein großartiges Stück Musik dabei, das mit den Lyrics und Vocals von J.G. Thirlwell (Foetus) ausgerüstet so unheimlich, stimmungsvoll und auch einfach ästhetisch daher kommt, wie es wohl jeder andere Track auf dem Album auch sein möchte. Leider gelingt es weder “Crystallize It” mit Scott McCloud von Girls Against Boys, noch “Cleanliness Is Next To Godliness” mit Eugene Robinson von Oxbow dieses Niveau zu halten. Wenn man sich die Lyrics im Internet besorgt und beim Hören mitliest, der Musik also seine volle Konzentration schenkt, kann man da schon was mitnehmen. Vor allem die Texte, die sich meist aus Lyrik und lyrischer Prosa zusammen setzen, erwarten volle Aufmerksamkeit. Vielleicht liegt das ja daran, dass ich kein native speaker bin, was bedeutet, das die Texte nur durch Schrift vermittelt und nicht direkt auditiv in meinen Kopf können - für eine komplette CD ist mir diese ständige Gebrumme mit reichlich Alkohol, Zigaretten und wahrscheinlich auch anderen Drogen tief gesättigter Männerstimmen aber auch einfach zu anstrengend. Mit Lisa Smith-Klossner ist zwar auf “Defrost_Oven” auch eine Frau dabei - dieses Lied ist aber mit nur 1:23 Minuten Länge der große Aussenseiter auf dem Album.

So ist auch das Klangspektrum auf “Our Moon is Full” äußerst umfangreich und interessant - oben war ja bereits angedeutet, dass die Musiker neben dem Schatz an konventionellen Instrumenten auch auf digitale Tonquellen zurück greifen. Daraus schöpfen sie vor allem die Beats und einige Samples, die das Ganze aber gerne noch mehr verwirren. “Sonic Glimpses” mit Barry Adamson klingt dann auch ein bisschen so, als hätte Nils Petter Molvaer dafür Pate gestanden - nur, dass ein Saxophon statt der Trompete zu hören ist. Adamsons Vergangenheit lässt sich auch recht easy mit den Referenzen für dieses Album in Einklang bringen. Arbeiten für David Lynch (“Lost Highway”), sowie die Mitarbeit in den Nick Cave-Projekten The Bad Seeds und The Birthday Party sind da schon sehr signifikant. “While The Sun Burns Out Another Sun” mit Black Sifichi schließlich ist ein dunkles Philosophieren über die Liebe, und mit dem Schlusspunkt “Midnight Moonbeams”, ebenfalls mit dem Franzosen, kommt noch mal ein wirklich beeindruckendes Stück.
Wenn man gerne richtig gut aufpasst beim Zuhören und außerdem noch eine rege Fantasie besitzt, kann dieses Album einen kompletten Film ersetzen. Wer Musik aber auch einfach mal nebenbei hören und nur die Stimmung genießen möchte, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, der wird hier mit jedem Track am Schlafittchen gepackt, direkt an die Box gestoßen und zum Aufpassen gezwungen. Dann ist es auch ein echter Trip, der eine zumindest gefestigte Psyche voraussetzt. Löblich ist natürlich das Vorstoßen in weitgehend unbesiedelte Musik-Terrains - dem ich auch in Zukunft gerne mein Ohr leihen möchte.

K. Haller
titel
01 Asphodel (vocals: J.G. Thirlwell) | 02 Crystallize It (vocals: Scott McCloud) | 03 Cleanliness is Next to Godliness (vocals: Eugene Robinson) | 04 Sonic Glimpses (vocals: Barry Adamson) | 05 Defrost_Oven (vocals: Lisa Smith-Klossner | 06 While The Surn Burns Out Another Sun (vocals: Black Sifichi) | 07 In Between (vocals: Pete Simonelli) | 08 Midnight Moonbeams (vocals: Black Sifichi)
Release: 28.09.07 bei Central Control International
|http://www.centralcontrol.co.uk/|
Künstler-Homepage: http://www.stringsofconsciousness.info/
cover
Bewertung:
2/5