ueen Latifah begann zu rappen, als es in Deutschland noch gar keinen Hip-Hop gab. Aber das Scheidungskind aus der US-amerikanischen Provinz ging seither ihren Weg und schaffte das, was man so unter „from rags zu riches“ versteht. „Trav’lin’ Light“ ist ihr zweites „erwachsenes“ Album.
Die Karriere von Queen Latifah ließ im Übrigen kaum eine Station im Entertainment-Biz aus. Auch wenn ihre Verdienste für den Rap ihre Grenzen haben, so zeigt die Geschichte doch, dass es eher ganz besonderen Persönlichkeiten vorbehalten ist, so arg im Unterhaltungsmeer kreuzen zu können wie es Queen Latifah getan hat – und es bis heute tut.
1989 kam im Alter von 19 ihr erste Album in die Läden. Ab 1991 folgten dann die ersten drei Auftritte als Schauspielerin in Spielfilmen. 1993 spielte sie in einer Telenovela mit, für die sie auch Titelmusik etc. schrieb. Ab 1996 ging es dann schauspielerisch etwas steiler bergauf, bis sie sich 1999 in „Der Knochjäger“ an Seite von Denzel Washington und Angelina Jolie wiederfand. Das ganze ließe sich jetzt ewig so fortsetzen. Am interessantesten ist höchstens noch, dass sie ein dickes Mammut in Ice Age 2 synchronisiert hat und nebenbei auch mal n Drehbuch geschrieben hat; beim mächtig erfolgreichen Musical-Film „Chicago“ war sie auch dabei. Aktuell filmt sie eine neue Serie, bei der sie neben Snoop Dog und The Game eine Hauptrolle haben wird.
Mit Rap hat die Gute allerdings nicht mehr viel am Hut. Schon im Jahr 2004 wandte sie sich musikalisch mit dem Album „The Dana Owens Album“ Soul und Jazz zu. Und weil sich das gut bewährt hat, ist nun die nächste Platte am Start.
Beim Opener „Poetry Man“ zeigt Queen Latifah, dass ihre sanfte, aber immer kraftvolle Stimme sehr gut bei vorsichtiger Instrumentierung bestehen kann. Und auch in „Georgia Rose“ kann es leicht passieren, dass man ins Träumen gerät bei den langen, weichen, aber überhaupt nicht angestrengt klingenden Melodien Queen Latifahs Stimme. Dieses Album hat nichts zu tun mit dreckigen Keller-Jazz-Sessions, sondern eher mit Glamour-Musik mit weißen Flügeln und so – für die sich aber eben auch zum Beispiel Stevie Wonder hergibt, der für „Georgia Rose“ zur Mundharmonika griff (ja, der Stevie Wonder). Aber 12.400 begeisterte Besucher bei einem Konzert im Juli diesen Jahres in L.A. bezeugen außerdem die Qualität des von Latifah Gebotenen.
Madame kann aber auch anders. In „Don’t Cry Baby“ raschelt die Snare herrlich unberührt und das Piano trippelt wie ein aufgescheuchtes Feldmäuschen virtuos in hohen Oktaven herum. Dabei legt Queen Latifah erstmals auf dem Album ordentlich Kraft in Stimme. Aber völlig gleich, wie laut, lang oder in welcher Tonlage sie singt– sie bleibt souverän bis zum letzten Ton.
Selbst Evergreens wie „I’m Not In Love“, die dazu prädestiniert sind, dass Künstler an ihnen scheitern, bringen Queen Latifah nicht in Straucheln. Vielmehr gelingt es ihr, den Song Kraft ihrer Stimme zu ihrem Song zu machen, der noch über den Tonträger den Esprit der Dame weiterträgt. Und das ist ja das höchste Ziel einer solchen Interpretation.
In den ruhigen wie in den wilderen Stücken, wie sie unter anderem mit „I Love Being Here With You“ oder „I’m Gonna Live Till I Die“ in der Mitte des Albums zu finden sind, wird klar, dass nicht nur Queen Latifah eine Könnerin ist (und ihre Lebendigkeit und Freude bei diesen Songs ist wirklich spürbar). Nein, auch ihre Musiker sind keine Anfänger. Christian McBride als Bassist, dürfte dem ein oder anderen etwas sagen, genauso George Duke. Diana Kralls Gitarrist ist dabei und Tommy LiPuma als einer von zwei Produzenten ist ebenso kein Niemand. Das sind natürlich einfach Bedingungen unter denen es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, ein schlechtes Album zu machen. Aber schmälert das die Leistung? Nö! Ist in erster Linie wichtig, dass man das Album gern hört und auch wieder aus dem Schrank holen wird, selbst wenn kein Damenbesuch zu erwarten ist? Allerdings! Und das ist hier der Fall. Nur Live wird’s wohl noch besser sein – aber das ist in der Musik mitunter so.










