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"Le Jouet" von Twinkle
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"Le Jouet" von Twinkle

enn man sich die Tracklist des Soundtracks für den ersten Teil von „Matrix“ anschaut, kriegt man das Gefühl, dass die Wachowski-Brüder das gesucht haben, was Twinkle mit
ihrem Debüt-Album abliefern: Musik, die einen Eindruck von einer kalten maschinendominierten Zukunft vermittelt – und cool ist, in jeder Hinsicht. Rob Zombie kann jetzt endlich aufhören Musik zu machen…

Um direkt einzusteigen: „Joue Avec Moi“ rollt wie ein Panzer-Bataillon über den Hörer weg. Dumpf und laut und mit einer völlig kompromisslosen Bassline, aus der industrielle Beats herausstechen. Alles klingt wie eine riesige Maschine. Obendrein ist der Sound so dermaßen Distortion-beladen, dass kein Wort des heiseren Gesangs verständlich ist. Das klingt mächtig nach Rob Zombies „Dragula“, das man zwar als cool in Erinnerung hat, aber verglichen mit heutigen Maßstäben ziemlich schwach auf der Brust wirkt und ist (davon abgesehen ist der Rest von Rob Zombie auch nur Schund – das mal am Rande). Aber der Unterschied ist eben, dass Twinkle nicht nur mal einen guten Song abliefert, sondern ein ganzes, durchweg gutes Album. Wer jetzt denkt: Klasse, 15 mal Dragula! – der liegt falsch. Die beiden Franzosen, die mit diesem Album auch noch ihr Debut feiern, schaffen es, diesen Soundcharakter ganz unterschiedlich anzuwenden, sodass ein abwechslungsreiches, aber dennoch homogenes Album bei herausspringt.
Das wichtigste Leitmotiv ist hier in jedem Fall die Entartung von Spielzeug und das Spiel mit dem damit verbundenen Horror – wie man ihn ja vielleicht schon von Steven King kennt. Der Albumtitel „Le Jouet“ heißt übersetzt „das Spielzeug“. So wird beispielsweise im Track „Ton Style“ eine geradezu liebliche Melodie, die einer Spieluhr entspringen könnte, nach und nach variiert und mit Effekten beladen, was schließlich im Refrain in einer diabolischen Verzerrung gipfelt, die zudem auch noch viel schneller ist als zu Beginn. Die völlige Entartung – in einem ästhetischen Sinn – geschieht zum Ende des Tracks, der schon verdächtig nach Venetian Snares klingt: wild, konfus, erschreckend komplex und schlicht verstörend kummulieren die Beat-Muster zu einem Monstrum, vor dem sich Kinder wohl tatsächlich fürchten könnten (zumindest kleine, blonde Mädchen).
Und fürwahr: In „La Boite A Musique“ vergießen dann tatsächlich Kleinkinder zu Spieluhrmusik Tränen. Das wurde auch allerhöchste Zeit, denn in den Songs zwischen letztgenanntem und diesem lieferten Twinkle jede Menge Gründe dafür, verstört zu sein. Zumindest was das Kleinkind angeht. Der erfahrene Musikfreund wird jedoch seine Freude haben, an den rollenden Bässen wie in „Les Voies Infecteés“, das sehr passende Sprachsamples mitbringt. Herrlich ist auch das kürzere „L’envers De La Vague“ unter dem man sich wirklich gut, eine sehr komplexe Maschine vorstellen kann, die – keine Ahnung – vollautomatisch Bulldozer zusammenschraubt oder so was. Der fast gregorianische Gesangsschnipsel einer Frauenstimme verbunden mit Windgeheul (in der Fabrikhalle!) schafft dann wieder genau diese Matrix-Atmosphäre, die futuristisch ist, aber Reminiszenzen an vorindustrielle Zeiten transportiert. Mag intellektuell klingen – ist aber einfach großartig.

S. Krutzinna
titel
01 La Mise En Rayon | 02 L'Altération Cinglante | 03 Ton Style | 04 La Victime Volontaire | 05 Joue Avec Moi | 06 L'Envers De La Vague | 07 Les Voies Infectées | 08 Le Joueur | 09 Tu Es Perdu | 10 La Peur De L'Abîme | 11 Le Dernier Vivant | 12 Le Spectre | 13 L'Auto-Dictée | 14 La Boite A Musique | 15 Les Poupées Capitonées
Release: 24.10.07 bei Ant-Zen
|http://www.ant-zen.com/|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/twinkleaudiotrauma
cover
Bewertung:
5/5