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"The Last Days Of Rome" von Snog
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"The Last Days Of Rome" von Snog

a steht er, der Gladiator, und verkündet den Untergang Roms. Gleich wird er von einem Auto überrollt und wer weiß, ob ihn seine Rüstung davor schützen kann. Vielleicht sind die Gefahren ja auch ganz andere. Die letzten Tage Roms als Parabel auf unsere Zeit? Auf der neuen Platte von Snog geht es auch noch um die alten Ägypter. Und Piraten. Und das kleine Australien. Und was uns David Thrussel, das kreative Herzstück von Snog, damit sagen will, ist: In unserer Welt läuft etwas schief. Dazu greift er zu verschiedensten Ausdrucksformen, die sich kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen.

„Last Days Of Rome“, übrigens schon das zwölfte Album von Snog, bewegt sich irgendwo zwischen Hörbuch, Techno und ambient music, zwischen Kirchen- und Lagerfeuermusik, zwischen Marilyn Manson und Funny van Dannen. Dieser Vergleich ist gar nicht so abwegig wie er scheint, denn Thrussel versteht sich auch als Geschichten-Erfinder – er hat erst kürzlich mit seinem Release „The Fetid Fungi“ eine Vertonung seiner Kurzgeschichten rausgebracht. Daran knüpft „Last Days of Rome an“, so hat der Titelsong der Platte ebenfalls einen poetischen Ursprung: „I chewed the chewing gum of hate, I chewed it long, I chewed it late and I chewed that chewing gum of hate […] and I chewed before sun-up and after sun-down and I chewed above and under the ground” heißt es in mantrahafter Wiederholung und Thrussels düstere Stimme klingt nicht als käme sie aus den Boxen Deiner Anlage, sondern aus Deinem eigenen tiefsten Inneren…
Snogs Texte sind gesellschafts- und globalisierungskritisch, die Australier stellen sich gegen Kapitalismus, Konsumterror und den Überwachungsstaat, thematisieren das Fremdheitsgefühl von Großstadtbewohnern - das alles aber parabelhaft in kleinen Geschichten verschlüsselt, die von Gladiatoren und auf hoher See umhertreibenden Piraten erzählen. Oder von der Erbauung Londons.
Das wohl verrückteste Stück der Platte ist „One Speck of Dust“. Ein wunderschöner mehrstimmiger a cappella Choral, der nur hin und wieder von einer sehr getragen gespielten Orgel untermalt wird. Das kommt nach all den viel freakigeren Stücken vom Anfang der Platte vollkommen überraschend und überrumpelnd. Und wie um sich von diesem Schock erholen zu können, kommt danach Stille. 1:59 min Stille. Damit es dann in gewohnt düsterer Manier mit einem Remix des Titelstücks weitergeht. Und danach wieder 2:01 min Stille. Und das nächste Stück bringt die Verwirrung des Hörers dann auf den Punkt: „D. I. V. O. R. C. E. D. – divorced from reality“. Es folgt der Akustikgitarren-dominierende letzte Part des Albums. „It’s about money, lots and lots of money. It’s about money, piles and piles of money. Cars and loans and mobile phones, credit, debit and all of this shit, son… It’s all about money” plätschert es dahin und verklingt in einem traurigen, demütigen und resignativen Mollakkord.

„Last Days of Rome“ ist eine Platte, die avantgardistischer kaum sein könnte. Vermutlich wird sie es deswegen auch schwer haben, sich in irgendeiner Weise auf dem Markt behaupten zu können. Sie ist für die durchschnittlichen Musikansprüche eines Hörers zu kompliziert, zu anspruchsvoll, zu anstrengend. So wie der Durchschnittsleser von heute auch eher abends zum Entspannen Henning Mankell liest und nicht Kafka oder im Fernsehen Germany’s Next Topmodel anstelle einer Arte-Reportage anschaut. Solche Hörer will Snog vermutlich sowieso nicht haben. Sie fordern ihre Rezipienten, was ein durchaus löbliches, fast aufklärerische Prinzipien verfolgendes Ziel ist. Dennoch wird sie für die allermeisten Ohren zu geschraubt und sperrig klingen. Diese Platte ist keine Musik, die man mal eben so nebenbei hören kann und vielleicht finden sich schlicht keine Gelegenheiten, um Snog in den CD-Player einzulegen. Wenn Du es doch tust, dann am besten mit gespitzten Ohren und aufmerksamer Konzentration: Snog ist auch nicht nur anstrengend, sondern auch durchaus sarkastisch-ironisch und einfach witzig: „I can make new friends on myspace. All is well. All is well. […] I can check my emails. It is midnight and all is well”… Wenn das nicht beruhigend klingt?

L. Krutzinna
titel
01 One Grain Of Sand | 02 The Last Days Of Rome | 03 Lost At Sea | 04 It's All Lies | 05 City | 06 Vaguely Melancholic | 07 Whateverman | 08 Christmas Everyday | 09 I Do Know Now | 10 The Billionaire's Bullshit Machine | 11 Go To Sleep (Little Australia) | 12 One Speck Of Dust | 13 The Last Days Of Rome (Sir Real Remix) | 14 D.I.V.O.R.C.E.D | 15 Sleepwalk | 16 Money | 17 Sedate Me | 18 A Nation At War
Release: 01.11.07 bei Hymen Records
|http://www.hymen-records.com/|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/snogtheband
cover
Bewertung:
4/5