ear Euphoria ist das musikalische Alias von Elina Johansson. Die Schwedin legt ihr selbstbetiteltes Debütalbum vor, das eigentlich schon einmal in Eigenregie erschienen war; die selbstgemachten Aufnahmen (Gesang und Klavier) waren aber so schnell ausverkauft, dass das Label Stereo Test Kit auf die junge Frau aus Dalarna aufmerksam wurde. So gibt es “Dear Euphoria” jetzt mit professionellem Anstrich und vier neuen Liedern international - ich applaudiere.
- Kennt ihr den Film “Wie im Himmel”? Wahrscheinlich nicht, muss man auch nicht unbedingt. Dear Euphoria (ich finde den Namen schon ein bisschen beknackt und verwende ab jetzt lieber Elinas bürgerlichen Namen) erinnert mich sehr an ein Mädchen aus diesem Film von Kay Pollack. Der Protagonist Daniel, ein erfolgreicher Star-Dirigent, kehrt zurück in seine schwedische (!) Heimatstadt, weil er eine Pause braucht. Dort arbeitet das Mädchen - sie heißt Lena - als Kassiererin und singt in dem Dorfchor, den Daniel bald leiten wird. Gleich bei ihrer ersten Begegnung drückt sie ihm eine Kassette in die Hand, auf der sie singt und sich am Klavier selbst begleitet. Die Musik darauf ist einfach, aber hübsch. Die beiden verlieben sich natürlich ineinander und so weiter und so fort.
Warum ich eine Plattenrezension mit der Inhaltswiedergabe eines Films beginne? Weil da einfach so viele Parallelen sind; schließlich heißen die nicht nur fast gleich - die machen auch noch ähnliche Musik! Die ist einfach, konzentriert sich auf das weibliche Organ und wird in erster Linie von simplen Klavierpassagen begleitet. Ja, das Prädikat “simpel” passt eigentlich zu allen inhaltlichen Bestandteilen dieses Debüts. Textauszug gefällig? ”I came close to love / one day / one day / I was not used to love / pushed him away / away / oh, the softness that came upon your face / everytime that I moved near / oh, the sweetness / with which you gave / your life / your heart / your tears” (aus “Oh, The Softness”). Diese ja gar nicht schlechten Zeilen singt Frau Johansson so schön aus, dass ihre Stimme den Song zu 99% allein trägt. Auch die anderen Lieder greifen meist auf einfaches Vokabular, klare Sätze und leicht verständliche Themen zurück - warum auch nicht? Elina schildert damit ihr Gefühlsleben deutlicher, als so mancher Art-Rocker einen Blumentopf beschreiben könnte.
Ab dem dritten Song hat sie dann auch Schlagzeug und Kontrabass eingesammelt, wird dann später in einzelnen Liedern auch noch auf Orgel und Streicher zurück greifen. Wo diese Instrumente sagenhaft “simple” Linien zu spielen haben, vollführt Elinas Stimme die großen Kapriolen, springt Saltos durch brennende Reifen über Haifischbecken. Ihr Debüt-Album ist in dieser Hinsicht vor allem ihr Gesellenstück: Sie beherrscht die konventionellen formalen Grundlagen zum Musizieren perfekt. Insofern ist “Dear Euphoria” ein tolles Weihnachtsgeschenk für die Freundin, das an einigen Stellen so unfassbar schön klingt, dass auch aus dem Schenkenden die eine oder andere Träne heraus perlen wird. Zu den Höhepunkten gehören da sicher “Something Great” und “Able”.
Auf Dauer kann das aber nicht der Anspruch einer Elina Johansson sein. Diese Prüfung hat sie bestanden - jetzt wird es Zeit, selbst Prüfungen zu entwerfen.
Übrigens teilt Elina noch einen Punkt mit “Wie im Himmel”: Ihr kommt entgegen, dass man dem ganzen Projekt einen gewissen Do-It-Yourself-Touch noch deutlich anhört. Das ist vor allem insofern wichtig, da diese Art von Musik auch unheimlich schnell kitschig werden kann. Aber das dürft ihr mal schön selbst beurteilen.











